Nie war mehr Hölle als jetzt

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und er erinnert sich an die Plastizität der Hirne, an dieses geduldige Ticken der Impulse, das Einfahren der Reize, das schwammige Gefühl von saurem Schwindel, an den Halskragen nach der Operation, an das Versprechen ihrer Blüte, eines Booms, an das Spritzen von Plastik-Synapsen, den ersten Geruch nach verschmortem Schaumstoff, auch wenn das jetzt nur Restpunkte sind, die verhuschen, von den Elektronen zusammengetrieben, zusammengesammelt werden, und während er sie ausliest, hat er für Nanosekunden den Eindruck, eine Art schwabbeliges Erkennen im Formaldehyd seiner Exis-tenz, und er erinnert sich an die Ungeduld, in Hast ein Kleidungsstück verkehrt herum angezogen zu haben, der leise Druck am Adamsapfel, die unerwartete Weite am Hintern, und er möchte einer Traumatologin rufen, eine Art Unschärferelation der Wirklichkeit, er höre ich lehmiges Schwappen den Ruf aus dem gelähmten zeitlosen Himmelen herabdringen, mehr Sprache als Sprache, hojotoho, hojotoho, er knirscht mit den Zähnen, was für ein Durcheinander, die Schalttafeln leuchten mit ihrem Purpurlächeln, was dür ein Furcheinander, er spürt den erdigen Geschmack von Walnüssen auf dem Zahnfleisch, das sich anfühlt wie Steinschmelz, das Häutchen einer Walnuss hat sich festgesetzt irgendwo in seinem Sensorium und verbietet die Erinnerungen von irdischen Qualen und Erfahrungen, thain-mom, denkt er, thain-mom, das nächste Leben, im nächsten Leben, er überwacht das leise Boomen seiner Elektronik, das wie Wind in den Zedern des Libanons klingt, und für einige Minuten, solange die Applikationen das überhaupt zulassen, die Lamellen über Lamellen an Aktionen, Promotionen, Tänzeleien, Kleidchen, Bömbchen, Bäuchlein und Fahrzeugen, die seine Wahrnehmung leise flüsternd lieb haben im Säuseln der Klimaanlage, im Hüsteln elektrischer Promiskuität, für diese runden Minuten denkt er an das weiche Kehrfleisch der Flughyänen, die apere Kälte unter ihren ersten Flügelschlägen, den Kunsteinblas aus ihren Katzen-Näschen, für diese Zeit, die er sich wie einen Raum voller Isolatoren und Elektroden vorstellt, die ausgehängt auf einer Wäscheleine im sauren Atem der Abgase mit ihren Porzellanstimmchen ein Lied tirilieren, ein wenig Kalk und ein wenig Salz, denkt er, und lässt die Zeit wie ein Band nochmals abrollen, mit dem leisen Zischen des Widerstands auf der Spule, für diesen Moment, wie er, früher, vorhergesagt hätte, ist er als glücklich zu bezeichnen, bevor er weiter vordringt in die einsamen Gefilde, unter dem grünen Himmel, über den die Sterne schippern wie Pilze bei einem Erdbeben, ein Scout der Umkehr, auf der Suche nach der Zwischen-Verbundenheit, auf der Suche nach Botone, nach diesem Zelt eines Menschen, das wie eine Sanduhr auf der Prärie stand, den Unterleib im sandigen Untergrund vergraben und geschützt, geschützt vor den ungeworfenen Losen der Sterne, vor den losen Fäden der Ereignisse, denn auch er war ein Seiler, ein Seeler, sein Körperkran ein Kürbis, ein gewundener Tanz, ein entbundener, entfundener Mensch, der dem nächsten Leben bereitet war, kreischend im Kreis, den Kopf hinausgelehnt, drehend im Wissen um die Flugbahn eines abgeschossenen Pfeils, der sich im schwachen Bogen senkt, bekannt mit dem Kreislauf wie Jonatan, hol mir die Pfeile, doch Botone in diesem unerhobenen, in diesem immer weiter abfallenden Land, dieser aufgeschürften, fallenden Madre Tierra, über die Quetzale stürmen mit ihren granatklaren Schlägen, von dem selbst gichi-ziibi sich abgewandt hat, denn hier herrscht ein Kapennû des Aufschwungs, alle Beutel sind von Boliden zerrissen, hier herrscht ein Geheul und Gezische wie in den Anfangstagen, bevor es Theia fand, und wäre die Welt eine Trommel, / sind wir ihre straffe Haut, / von ihren Botschaften / vibrierend, / und sier klammert sich an die Eindrücke, an die stimmlosen Eindrücke, die mit Daten wie Federschlag auf siehn einstürmen, jetzt, wo die Blut-Hirn-Schranke gefallen ist, in seinen Wundhöhlungen wuchert die Brunnenkresse, ein aufwelkender dunkelgrüner Boom, ein drachenartiges Kiesen, das im Schrein von Bethelheim einen Anfang gemacht hat, und sier beschwert sich nicht über die dunkle Ökologie der roten Steppe, über die magere Atmosphäre, die für es als Multifeed nicht ideal ist, aber in sihrer Plastikwolke ist sier vom Flug der Sandkörner geschützt, bis zum nächsten von seinen Modellen vorhergesagten Sturm, sier wird sich in siehren Beutel verkriechen, der ihm wohlweislich mitgegeben wurde, und wart, wart, warten, in das innere Blitzen und Funken starren, war ich nicht auch einmal Quoetoti, ein gutaussehender junger Mann, ich werde meine Anhängsel verlassen, / ich werde mein Zuhause verlassen, / und ich sage es noch einmal, ich werde meinen Sohn verlassen, / einige Wissenschaftler denken, / sie könnten eine Welt aus / Stoff getrennt von sich selbst studieren, / doch es gibt kein / Universum Ohn-Betrachtung / (von dem wir wissen können), / nichts kann gewusst werden / ohne hindurchzugehen / durch die Sinne einer Kreatur, / das ohnbetrachtete Universum / kann nicht besprochen werden, / denn wir, die Beobachtenden, / seine einzige Beschriftung, seine wirkliche Beschreibung, / sind sihre Augen und Ohren, / seine tatsächliche Gestaltung, seine Verwirklichung / ist unsere An-Sicht von ihr, / unsere Empfindung von ihm, / denn in Wirklichkeit hattest du, im Aufbruch, in der Abreise, dich einverstanden erklärt mit dem System, das dich unterdrückte, du wolltest nur deinen Platz innerhalb seiner ändern, du hast es nicht in Frage gestellt, von innen wie von aussen verachtet zu werden war dein alltägliches Los geworden, du, die vitale Herde, und wenn die Wetterlage günstig ist, knäuelt sier sich vor dem Tso-ai hin, in seiner Liegeform des Stehens, wirft seine Betrachter-Blicke mit ohnmächtiger Instanz hinauf in den Himmel wie einen Haufen Samen über einem Himmelsfeld, das im Winter grünt, die Kälte ist nur ein Signal, sier versucht sich an dieses Portal im Körpersack zu erinnern, das doch Atmen hiess, oh, sier hat es noch nicht ganz vergessen, aber eine Übung wäre verhängnisvoll, denn drängen nicht alle die Bakterien, die sich in der Kälte ans Überleben gemacht haben, in seine Atmosphäre ein, die ihr sein Überleben sichern, wirft sihren Blick hinauf in den ungekrönten Himmel, der von keinem Los mehr spricht, denkt an Gliese 581c, ein gichi-ziibi jenseits des Winterbachs, fühlt sich stitched together, ein Knopf nach dem andern, kein Plan, oder ein Knopf nach dem andern, oder eine Narbe nach der andern, in diesem Höllenbeutel, unter dem abgesungenen Himmel, unter dem abgeklungenen Himmel, die Worte fehlen sihr für das Schicksal, das sier sich ausgesucht zu haben vermeint, so liegt sier unter den ledernen Pukahs, die über sihren blutigen Klumpen ihre Kreise ziehen, leise wummernd oder schnurrend, zusammengeflickt wie die Erinnerungen an Gliese 581c, die zermalmende Schwerkraft, das leise Wandern des Eises, das Kreischen der Hitze in den Äquatorialbahnen, wo die Sonnenseite beginnt, die bronzen flackernden Nebenstäbe der Stationen, die ziegelgrauen Graupelfälle, die atmosphärischen Verzerrungen wie aufbrechende Brandblasen, das Granulationsgewebe der röhrenden Eisplatten und einmal in der zweiwöchigen Dunkelkammer des Tages kommt der Angethut an der Station vorbei, mit seinen klickenden Augen, dem Steinblick, bietet Versen-Küsse und offene Scheiden an, kalt und klinisch sauber, Medzin, doch das Schicksal unter diesen verrückten Sternen ist ein einziges triumphales Vergess, ein Vergess-Exzess, taumelnd und besonnen, ein Vergess-Abszess, Regress in den Vergess, und mit den Zähnen klappernd und knirschend häuft sier sihre Gebeine in die andere Lage, unterm boomenden Stöhnen von Mutter Erde, seine leuchtenden Titaniumgelenke und sihre schwellenden Moosbärte, allen und ohne Entschuldigung, ein Sack voll Rüben, schnell verfault und schlaff wie sein Glied, und während er sich nochmals über die Sanduhr des Virus beugt, behält er Pugets Bericht im Gedächtnis, Die Häuser scheinen noch vor Kurzem Wohnort der Indianer gewesen zu sein, die Wohnstätten waren noch nicht im Verfall begriffen, das Innere, genauso wie ein kleiner umgebender Bereich, der noch vor Kurzem bewohnt war, waren von Unkraut überwuchert, dazwischen fand man mehrere menschliche Schädel und andere Knochen, wild durcheinander gestreut, im ganzen Durcheinandertal hatte es sich verbreitet, wie die Lachse, die im Frühjahr landeinwärts ziehen, ein ganzes Volk mit abgestorbenen Augen, ein Flächenbrand von Hautblasen, und auch die Erinnerung an Tse-whit-zen wiegt schwer, als trügen sie Schuld an der Erkrankung, hatte man einigen den Kopf abgetrennt, die Körper übereinandergelegt, halb in Umarmungen verstrickt, und den K’lallas folgten die Tsimokam, die Tlingit, die Haida, die Kanus von seinem Kanonenboot Grappler gezogen, nordwärts, immer nordwärts, bei derzeitigen Sterblichkeitsraten können nur wenige Monate verstreichen, bis die Nördlichen Indianer dieser Küste nur noch in der Geschichte existieren, und lange starrt er dann hinaus auf die Klüfte des Durcheinandertals, die roten Schöpfe der Gräser, die kleinen Staubwirbel, das Huschen der kleinen Vögel, und ich hatte den Minze-Stein eng an meine Brust gedrückt, sein Geruch ist schmelzend und warm und weich wie die Haut eines Säuglings, fest haben ihn meine Hände umschlossen vor der Brust, als wollte ich so begraben werden, kauernd, die Hände vor der Brust verschränkt, angstvoll an meine eigene, letzte Person geklammert, erfüllt von Unverständnis und vom Vergessen umsungen, tse-with-zen-dü-dü-dü-dü-dü-dü, twih-twih-twih-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi, nie war mehr Hölle als jetzt,

Du wirst nicht nach Ägypten zurückkehren

du wirst nicht nach Ägypten zurückkehren, denn wir haben es akzeptiert, von verdorrten Seelen und verdorbenen Herzen benannt zu werden, beim geringsten Fingerzeig siehst du sie aus den Minen und hinter den Mauern ihrer Compounds hervorstürzen, um uns die Instrumente unserer Wege aus den Händen zu reissen, und selbst hier im Land Wyrai, bewacht von den Rotkardinalen in ihren Brombeeren, unter der Geissel ihres hundertfachen Flügelschlags, wirst du nicht mehr umkehren, auf den Weg in die Nächte zurück, auf den Weg in die dunkelste Schattenlosigkeit, auf diesen saugenden Napf auf deiner Stirne, ein drittes unerleuchtetes, weil geblendetes Auge, auf diesen nüsseklappernden Aufschwung im Herzen, dem die Furcht als eine Plastikfolie übergestülpt ist, denn es könnte doch nicht anders, dein Herz, diese Beutelchen voller unvollständiger, erbärmlicher Liebe, als auf das Licht zuzufliegen, als auf ein weiteres helles Versprechen, als auf eine ungelutschte, unerfüllte Keimerstickung zuzueilen, durch das vollgestellte, vollgepackte Land Wyrai hindurch, ohne Rücksicht auf die filigranen Drähte zwischen Absicht und Zweck, hineinzulaufen in eine neue Liebe wie in ein noch nicht lange offenes Tor, das auch nicht lange offen stehen würde, denn da kommt eine Schwangere, sie wird den Kanal bald verstopfen, Kaunda, Kaunda, Kaunda, hört dein Herz über all die Meilen hinweg, die es schon erlaufen hat, und weiss wieder nichts von Tai-me, weniger noch als Botone, der gestorben ist, und keine Zeit bleibt in diesem vollständig eingeräumten Land namens Wyrai von dem so schwer zu singen sein wird wie von den Kosten, die in jeder Arekanuss verborgen sind, es ist kein Land für die kurzen Beine, das weisst du nun schon zur Genüge, tolpernd über die trockenen Knochenhaufen an seinen Strassenrändern, durch die geraden gelben Linien der Maisfelder hastend, im Rücken das Krächzen und Keuchen der Hatsegopterixe, und in den Knien dieser Drang, in die Knie zu gehen, «verneige dich», sagt die gelbe Erde unter deinen Füssen, «umarme mich», sagt die affenkeckernde Freude, «ich war in Madras scheissen», sagen die Umgebungstöchter, es hallt wie aus leeren Büchsen, in denen Menschen zu wohnen gezwungen sind, lauter Zwischenlösungen und Minimalmasse, eiserne Rationen in eisernen Beuteln, wiederkehrende Blähungen und abgewendete Bekehrungen, die Lebewesen warten auf eine Entschuldigung, auf eine Vergebungsbitte, gross ist ihre Bereitschaft dazu, doch die Pyramiden, zu denen die Götter angehäuft wurden, verunmöglichen den Weitblick und die Erleuchtung, die Messer in den Schweinerücken und die gebratenen Kapaune, die essbaren Messstände und die verzehrbaren Handschläge, das Wirken aus Karossen und das eingeräumte Schreien von Babys auf den Armen von Politikern, aber du weisst im Voraus, noch bevor die Befürchtungen den Hals der Hochanständigen perforieren, noch bevor die Zumutungen die Ärsche der Wohlmeinenden polieren, du kannst nicht nach Ägypten zurück, es gibt keine Rückkehr zu den Quellen, diese sind dir genauso verschlossen wie den Steinen, nein den Sternen, die Ewigkeit lässt sich nicht so leicht wiederfinden, doch denke auch an den Rotkardinal, der in diesem Land heimisch werden konnte, weil er sich nicht für mehr hielt als ein vorübergehendes Lied, ein kleines Mahnunglein, ein winziges Einwändchen, das sich der Flut entgegenstellte mit Sirren und Schwirren, Sophistication is a nice word, isn’t it, der Verfeinerung zu Diensten, der Abspeisung mit Kümmernissen und Plagegeistern, seine Stimme lange Zeit nicht mehr als ein Knispern und Knaspern am Hochzeitshäuschen, doch ist die Zeit auf seiner Seite, während du in den Überresten deines Besitzstandes immer noch wühlst, ein paar Federn, ein paar vollgesogene Socken, metallene Geräte ohne genaueren Verwendungszweck, eine Delfinstatue auf dem Berg, Zuckerwatte im Hirn, ein stetes Summen und Rüschenrauschen, eindringlich, ohne gebieterisch zu sein, ein begonnenes Fest, das von Auszehrung und Völlerei unterbrochen wurde, du weisst, die Verfeinerung des Sands ist die Arbeit von Jahrhunderten, während du nur kurz Brombeerenpflücken warst, in deinem alten Eifer, es allen recht zu machen, die Verfeinerung des Menschen ist eine Sache der Unmöglichkeit, denn so leicht fallen ihm die Verletzungen zu, die eingebildeten wie die vorgestellten, hier gibt es weder rechten Weg noch rechtes Lied, Beifuss und Hundspetersilie haben schon alles überwuchert, alltäglich und unaufhörlich, und immerzu fragst du dich, ist es noch Tag, ist das die Dämmerung, warum so plötzlich, was habe ich denn wieder getan, wem habe ich zuwider gehandelt, wer stiehlt mir die Habe unterm Kopfe weg, ist denn jetzt jedes Raubtier aus seiner Höhle gekommen, sticht denn jetzt alles Gewürm, gut ist das Steigen der Sonne, gut ist das Sinken der Sonne, ihre Herkunft aus dem Lichtland im Westen, ihr Heimgang in das Lichtland im Westen, auf das ihre zahlreichen Werke aufatmen können, das Schilf ebenso wie der Büffel im Schlamm, die Gräser und Kräuter ebenso wie das Vieh, das sich an ihnen befriedigt, denn sie erfreuen sich alle der gewissen Rückkehr, selbst die heulenden Hyänen und das schlingende Krokodil, die Vögel fliegen zurück zu ihren Nestern, ihre Flügel sind die Lobgebärden für meine Ka, bist du Sonne nicht der gewisse Bringer des Glücks, des plötzlichen Eifers im Guten, das meine Worte auf das zarte, geheftete und gepresste Schilf fallen lässt wie den Tau, wenn du Sonne umkehrst am für den Menschen zu weiten Himmel, der den Samen sich entwickeln lässt in den Frauen, der Wasser zu Menschen macht, der den Sohn am Leben erhält im Leib seiner Mutter, und ihn beruhigt, zähmt, indem er seine Tränen stillt, der dem Küken im Ei Luft schenkt, um es zu beleben, Heil dir, der du als Seele der Seelen kommst, herrlich im Westen, Heil dir, Öffner der Unterwelt, Geliebter aller Tore, Heil dir, der inmitten der Götter weilt, Richter im Schweigelande, Heil dir, der in seinem Worte ist, der die Unterwelt durch seine Zaubersprüche geschaffen hat, gib süssen Nordwind dem Osiris, du Sinkende, die die Lebensfrist des Festen und Unbewegten wie des Weichen und Allzu-Erregten umkreist und begrenzt, du kehrst nicht zurück nach Ägypten, du kennst die Quelle nicht mehr, denn dieses Land unterm Schnabel des Hatsegopterix, dieses Land unterm Ruf des Rotkardinals, hindert deinen Pickel daran, die innere Scham aufzubrechen, es gibt kaum Raum, um auszuholen mit dem Pickel in diesem Inneren, das schon so lange das äussere System bejaht und mit dem wiederkehrenden, fast schon gewissen Ja erhält, es gibt kaum Raum, um dich selbst dir zuzuwenden, derart verfeinert ist die Zeit in diesem Land, feinkörnig und feinporig, bitter wie Beifuss, scharf und brennend wie die Hundspetersilie, aber eng wie der Hals eines Strausses, und wie hat er dir den Schutz des verlassenen Nestes gelehrt, denn nichts unter diesem Himmel hätte nicht seine Fülle erreicht, seine Kraft, seine Gestalt, seine Schönheit, seine Brillanz, nicht einmal das Lachen, nicht einmal der ausstrahlende Himmel, nicht einmal die Freundschaft, nicht einmal die Süsse, die abends auf die Städte und auf das Land sich legt, Twih-twih-twih-dü-dü-dü-dü-dü-dü, twih-twih-twih-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi, wie der Schatten eines Büffels steigt die Nacht aus den Wassern im Osten, kriechend und krächzend kommt die Falte daher, die mich verschlingen wird, die mich selbst hier verschlingen wird, muttermächtig, seelenträchtig, jene verhuschte Kraft, die noch jeden Mistkäfer antreibt, eine Rolle zu drehen, seine Last zu rollen, auch wenn jedes Keimchen, auch wenn jedes Steinchen sich dagegen wehrt, dagegen strebt, doch siehst du die Hundsfötter in der Falte, sie entblöden sich nicht, darin mitzugleiten, darauf mitzureiten, grinsend und greinend, das Grau des Metalls, das Gelb des Golds, das fettig Tröpfelnde des Öls, die Dichte des Asphalts und des Betons, die den Aufschwung begleiten, das mühsame Aufspalten der Welt, der Härte und der Glätte, da kommen sie geritten über das Land Wyrai, halb Vogel halb Drache, staksend und hüpfend, klappernd und knatternd, die belebten Planierraupen, in deinem verschraubten Schädel macht sich das Schweigen breit, setzt sich auf den Thron der abendlichen Nebelbänke, du warst doch nicht dazu gemacht, dich in dieser klebrigen Menschheit einzukalmen, dich in ihrer Flaute, die sie für Fortschritt und Aufstieg halten, einzurichten, das musst du dir sagen lassen, sich niederzuringen mit baren Fäusten und Füssen, über die Kröten im Weihwasserbecken zu wiehern, die vor der Messe schon am Trocknen sind, das hast du gut gemacht, dass du abgehauen bist, die Schatten auszuheben noch zu deinen Lebzeiten,

Bild von Jon Bodsworth – http://www.egyptarchive.co.uk/html/cairo_museum_24.html, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3209733.

Im Darién / Dunkelster Tag

und ein Kiesen beginnt, beginnt nicht ein Kiesen, mitten im Aufschwung der jungen Wolfsblüten, auch wir nur Bushmeat, Verbrauchsgut, gut genug für Toilettenspülung und Treppenglanz, für die Erhaltung und Weitung des Massstabs nicht von Transparenz, von lecksicherer Glanzunmittelbarkeit, naive Wirte der Erregung, und die Entscheidungsblindheit hier in der Mitte des Tags, die losgelösten Zungen, unter den Hasenschartenrufen der Geschichte, das Korn einer Sandhuhr weiss nicht um Zeit und Ort, keuchendes Getriebe und Gestosse und Geschiebe, als Korn sind wir gut, als Keim verachtet, mitten im Tag ist es am dunkelsten, und bevor wir noch durch den Rachen der Sanduhr sickern, austreten aus der Mühle des Urwalds in eine unbestimmte gekringelte Stelle, aus der Mangel des moosigen Wurmlochs, vor die Körner der Grenzwächter, die den Boom hüten oder horten, unter die Sonne einer massstabgetreuen kalten Versprechung, in den Hojotoha des Eingottglaubens, in das Heiaha der Anhäufung auf Sand, zwischen die Storchenbeine der Gier, unter die goldene Geissel Frickas, wo selbst der Kot mit Kosten verbunden ist, unter die wollene graubraune Decke, die alles verhüllt, lasst uns die Beere des Mundes suchen am Himmel, die vielleicht schon aufgegangen ist über dem Durcheinandertal, es lässt sich gut einsehen von hier aus, von hier oben, das ist leicht einzusehen, denn noch haben sie uns nicht allen Verstand vertrieben, denn noch lässt sich die Wahrheit vom Spiegel der Lüge pflücken wie die Haare vom Kopf eines Hibakusha, eines von uns, der die Wege zur Midnite Mine kennt und oft gelaufen ist, die grünen Spuren in seinem Gesicht zeugen davon, es wurde dir gesagt, ihr müsst nur so hart trainieren, bis euch die Scheisshaare ausfallen, und hier im Darién, in der Welt dazwischen, lässt sich eine Alternative zur Realität ebenso schwer herstellenwie das Nichts, das uns in den Schreien der Affen begegnet, also schaut es euch an, das Durcheinandertal, Das Begehr hat es gestaltet, / der Verzehr ist stets gewaltig, / nur bewehrt wird es erhalten, / der Verkehr ist eingestaltig, / in den Abgrund, / in den Abschlund, / ins peristaltische Nichts, // und die Ordnung hat nicht Ordnung, / und die Ordnung dient der Schröpfung, / und die Ordnung ist nur Quittung, / für den Abgrund, / für den Abschlund, / für das peristaltische Nichts, // und die Beute ist zu klein, / und die Meute wächst noch an, / denn die Frucht sagt niemals nein, / und der Körper spannt sich an, / für den Abgrund, / für den Abschlund, / für das peristaltische Nichts, // das Gelände ist verbaut, / und die Aussicht ist beschränkt, / und das Blau ist längst geraubt, / und die Sonne eingegrenzt, / in den Abgrund, / in den Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // und aus Plastik ist der Sand, / und aus Strahlung ist das Licht, / und aus Minen gafft das Land, / ausser Seuchen gibt es nichts, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // denn die Zwecke sind zu nutzen, / und den Zielen ist nicht zu trutzen, / weil die Vielen sind zu stutzen, / stets zu schielen auf en Nutzen, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // wie im Stiefel stinkt es dort, / und im Beutel haust ein Wort, / das gefrässig schlingt am Hort, / der im Menschen ausgeharrt, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // und wenn sie es sehen kann, / alsdann ist es schon heran, / mit der Pfefferluft am Kamm, / mit Gewinn aus jedem Lamm, / aus dem Abgrund, / aus dem Abschlund, / aus dem peristaltischen Nichts, // der Besitz ist nicht geteilt, / und die Guten aufgegeilt / gegen alles, was sie hielt, / und die Schrecken aufgereiht, / für den Abgrund, / für den Abschlund, / für das peristaltische Nichts, // es hat bald sich ausgegrenzt, / viele Poole sind verfemt, / und die Wüsten ausgedehnt, / in den Senken gärt der Lehm, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // und die Zeit ist kaum vorhanden, / und der Raum nicht mehr zuhanden, / die Geschöpfe sind Produkte, / und hier weiden nur Konstrukte, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // in dem Tale gibt’s kein Sammeln, / in dem Tale gibt’s kein Sagen, / in dem Tale gibt’s nur Rammeln, / in dem Tale gibt’s nur Klagen, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // und wer sammelt wird gejagt, / und wer jagt, der wird gesammelt, / niemand braucht, was gejagt, / niemand will, was er gesammelt, / in dem Abgrund, / in dem Abschlund, / in dem peristaltischen Nichts, // dieses Tal ist wie ein Mund, / der verschlingt, was noch hat Wahl, / dieses Tal ist wie ein Spund, / der verschloss die Büchse, den Wal, / überm Abgrund, / überm Abschlund, / überm peristaltischen Nichts, // forget ist sein Name, schaut es euch an, verseuchte Psychopompoi mit verdecktem Kopf, Arthur schläft im atemlosen metallic-blue-Beutel der Geschichte, die versessen vergessen die Gedankenwünsche, die aus den Früchten aufsteigen, aus den Wurzeln ausdünsten, aus den schrecksamen Tieren schwitzen, keine wie die Flammen der Flagge, wie die Geschäfte, die uns verbrannten, verbannten, er wärmt sich die Hände darüber, im Staub des Vergess, / wir sind versammelt / mit Handschellen-Händen, / wir sind versammelt / im Staub des Vergess, / suchen die Ader, / die nicht wird brechen, / sehnen uns nach dem gütigen Blau von Geschichten, die im Erzählen hängen bleiben, jedes Scheisshaar einzeln ausgefallen und abgezählt, angetreten und mitgezählt, wenn du richtig trainierst


(Image by Greg Montani from Pixabay.)

Weitab von der Mitte

das Lied eines Vogels im Käfig, der Gesang einer Wurzel im Korb, raschelnde Mahnung und murmelnde Rüsche, denn alles ist jetzt geschwind geworden, nützlich und nah, West Virginia, Country Mama, Mountain Mama, er versucht nicht zu weinen, denn es ist vorbei, vorbei ist es, der Boom blüht im Flimmern, Sonne hat seine Sternenfahne aufgehängt in den Himmel, ein trockenes Schlucken und Schluchzen breitet seine Weihen aus, und hinter seiner Stirn verkehrt sich der Sinn, Frika naht, im Wagen mit dem Widdergespann, der Boom haust bereits am Rande von Bethelheim, und all die verrutschen Purpurlächeln, kommt zu ihm in den Schoss, berührt doch seine Brüste, seine Augen sind die wahnsinnigen Sterne, der Polarstern selbst ist nicht mehr festgebunden, im Rücken der Sonne läuft er herum, die Hände ringend, mit heruntergelassenen Hosen, den Kopf gesenkt, im Vorzimmer der zirkumpolaren Kosmogonien, und das Blau der ersten Viecher, die sich um seine Knöchel wanden, sinkt grünlich leuchtend in die Augen seiner Frau, in die Knochen seiner Babys, in Unruhe ruhend im Schoss ihrer Mutter, und selbst der Marmorfaun beginnt sich zu verändern, seine Züge schmelzen dahin, Sonnes Falkenauge brütet die Zeit der Steine aus, aufgequollen und überdimensioniert rollen sie aus den Feldern und Wäldern an die Landstrassen, und vom Marmorfaun bleiben nur noch die verrenkten Glieder, Gummi-Lettern in der Hitze, an denen die Glucliche zerren, Sonnes Falkenauge birgt die Zeit der Steine, greifbar in seinen vielen Falten ist der Nebeldunst, den sie aussendet, Verwirrung ist es nicht, nicht wie nackt durch die Strassen gehen, nicht wie seine Kleider in Trauer und Angst zerreissen, im Kreise sich drehend der Gegenwart entkommen, in dieser grauen, grau-blauen Zeit ist Gegenwart nicht möglich, Sonnes Falkenauge hat all das aufgetan, den Rachen der Sanduhr geöffnet, feucht und eng und glitschig, der nach verbrannten Federn schmeckt, und es ist ein Gefühl, als würde sein Glied samt seiner Wurzel ausgerissen, die kostbaren Verbindungen mit den anderen Sinnen ausgelöscht und aufgebracht nur diese schlundige Hitze, diese tropfende Erdschlange, die seinen Unterleib umwindet, die Zeit hat jeglichen Halt und jegliches Gut verloren in diesem Saugen und Schlürfen, das Himmlische und das Irdische sind ausgewechselt, verwechselt, ich bin ein Adler, der mit dem Wind spielt, / ich bin eine Traube von bunten Perlen, / ich bin der fernste Stern, / und die Schweisstropfen schraffieren die Körper, die Schweisstropfen zerteilen die Körper, Doppelpunkte beginnen zu sprechen, Kommas bilden einen Pulk wilder Grastänzerinnen, kein Seufzer wird mehr allein gelassen, kein Stossgebet wird mehr erhört, das Unbewegte ist befreit, die Zeit ist wie die feuchte Hitze unter einer Brust, und hebt er ihre Traube, sieht er auch da nur die blaue Sicherheit des Kreisens, eine kreissende Melancholie des Boomens, ein aufgebrachtes Rieseln von Stoffen durch die Ritzen der Imagination, staubfreie Kosmogonien, und die Spitze seines Gliedes ist die Spitze seines Wesens im Rachen der Sanduhr, ein ins vollkommen Unendliche aufgeschwollener Moment verliert alle seine Gegenwart, eine blutige, grau-blaue Beere pulsiert an der Spitze seines Gliedes, hier im Schatten von Sonnes Falkenauge, das die Unruhe der Babys stillt mit Trockenheit und Sandschwüren, und die Schnüre der Dünen umschlingen ihn mit der Gleichmut der Dinge, weitab von der Mitte sind wir schon, mein Vater, mein Vater, weitab von der Mitte, die Schmerzen von den Schlangenbissen, die angeschwollenen Knie, wir lassen sie hinter uns, die Lymphklötze an unseren Hälsen, in diesem eröffneten Zeitmass, das auch den Takt hinter sich gelassen hat, die Schmerzen in den Ohren von den Rufen des Affenpulks haben wir hinter uns gelassen, die schartigen Macheten sind hier im Busch wie Löffel, wir hätten auch Löffel mitbringen können, um unterm Affengeschwör uns einen Pfad durch den Busch zu schürfen, weitab von der Mitte sind wir, mitten im Darién, unsere Mutter und unsere Freundinnen, die an unsere Brüste gelehnt waren wie die Bretter für eine Bühne des Wahnsinns, wir sind weit vor ihnen, wir haben sie verlassen, wir haben sie dort gelassen, wir sind auf dem Weg nach Oxycontin, wir sind auf dem Weg ins Durcheinandertal, noch liegt die Wüste vor uns, ich bin der Hunger eines jungen Wolfes, / ich bin der ganze Traum dieser Dinge, / sauer schmeckt das Wasser des Sumpfs, das im Darién für uns gesotten wurde von Sonne, von Sonne und dieser unausweichlichen Zeit, die den Massstab für die Gegenwart aufgehoben und ihn uns in den Arsch gesteckt hat, darum hängen unsere Zungen so heraus wie die von Teufeln, unter den Kronen dieses Urwalds können nur vermuten, was über den Kronen des Urwalds kreisend und kreischend sich dreht in den chiliroten, langsamen Lüften, di den Geruch von Kastanien hinter sich gelassen haben, die zitronige Versprechen verbreiten von feuchten Ritzen, aus denen das Zutrauen von Mägden quillt, die für ihn sauber machen, Cleanerinnen, keine Tänzerinnen, die die Maschinerie am Laufen halten, das Boomen, den Affenpulk versorgen, die Bolzen, Stempel, Stifte und Trommeln, es ist ein Gefühl in dieser Zeit, als würde selbst das ausgerissene Gras Halm für Halm dem masslosen Zweck zugeführt, dieses Loch, diesen Spalt, der nichts mehr als eine fingerbreite Ritze ist, zu verstopfen, zu verschütten, damit das lange Auge von Sonne nicht hineinzüngeln könne, denn auch Sonne ist weitab von der Mitte, nicht befeuchten könne die letzten Keime eines Traums, über denen die drachenartigen Adler wachen, mit ihren offenen Hälsen, mit ihren Schirmaugen, und der Aufschwung ihrer Flügel erklingt wie ein Pastelgeruch über den Kronen des Urwalds, über den schwarzen faulenden Zähnen des Grünen Landes, das wir verlassen haben, um es hier zu finden, um hier zu verenden, um hier zu verendern, und Sonne brennt in Girlie XL auf die eiterschleimigen Rücken der Glucliche, die in dieser hallenden Zeit, die aus den Steinen tritt, ihre Federn lassen, aber weiter fliegen als zuvor, und ein Kiesen beginnt, beginnt nicht ein Kiesen, mitten im Aufschwung der jungen Wolfsblüten,

(In Gedanken an all die Flüchtenden, die sich durch den Tapón del Darién einen Weg finden, um in die USA zu kommen.)

Mit Dank an Jan Bartel für das schöne Urwald-Bild.

Es wird Tag

Sophistication is a nice word, isnt it? Da äugen die Glucliche, da stielen sie mit ihren Halsaugen, aus ihren Halskrausen, dies giraffenartigen Flughunde. Sie warten noch zu und klicken ganz leise lächelnd in ihren kotigen Kehlen, in ihren verknoteten Seelen. Sie wissen um ihre Aufgabe. Das wissen sie. Tuwà thókea kephíca šni Wakhá thá-ka, niyé thokéya nicága. Tuwà thókea… Das heisst, die Wetiko-Krankheit hat das europäische Denken derart korrumpiert, dass Wetiko-Verhalten und Wetiko-Absichten als der eigentliche Stoff der europäischen Entwicklung angesehen werden müssen. Daher werden jene, die den Wetiko-Werten, dem Imperialismus und der Ausbeutung widerstehen, der heilige Franziskus, das Schweizer Bergvolk, die schottischen Clans, als «Merkwürdigkeit», «Freak» oder raue Demokraten («Bauern») angesehen, die niemals genügend Menschen ausbeuten könnten, um einen Petersdom oder ein Versailles zu bauen. Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich möchte singen, warum ist meine Kehle so eng? Ich nachricht allein. Wer hat mich denn verlassen? Warum klammern sich die wolkentragenden Beeren so sehr an mich? Warum ist mein Beutel so schwer, dass er platzen könnte? Ist das noch Wakan, wenn ich mich so ängstige, wenn der Tag steigt auf den Felsenbaum? Wo ist der Binnenkeil aus Gras und Wollkraut und leichtem Ostwind? Höre mein Kind die Geschichte vom Beutel des Lebens. Höre mein Kind… Ich grub in meinen Taschen nach dem Kleingeld für meinen Anruf nach Hause, um dem Vater meiner Tochter zu sagen, ich schaffe es nicht. Ich zitterte am ganzen Leib, als ich die Münze einwarf und die Nummer wählte. Bitte komm und hole mich, sagte ich ihm, ich schaffe es nicht nach Hause. Natürlich schaffst du es nach Hause. Bitte, bettelte ich, ich weiss nicht, wie. Ich war zu spät; er hatte schon die Kartoffeln zu schälen begonnen. Und dann hängte er auf. Du warst allein. Ich war allein. War dies das Kreischen der Schs? Der Tag nahm zu wie der Mond, der Mund, es wurde nicht heller. Ich dachte an die Euphorbien draussen in der Steppe, die sich ihre Akazien gefunden hatten. Ich dachte an die Akazien draussen im weiten Grasland, die sich ihre Euphorbien gefunden hatten. Und würden sie auch im schweren Wind von Sturm und Monsun von den Euphorbien zerfetzt, waren das nicht Liebesspuren? Ich erinnere mich an die Namen, an die zarten Schöpfe ihrer noch frischen Bedeutung. Wohin sind sie aufgebrochen? Haben sie sich in den Dingen verkrochen? Meine Füsse waren ganz kalt, und mein Gesicht war heiss wie vor Scham. Bluteten die Akazien auch, wenn die Euphorbien ihnen in die Weichen schlugen, ins Gesicht? Es war ihnen sicher lieber, von eigenen geschlagen zu werden als von Messern aufgeschlitzt und von Keilen geweitet zu werden. Die Menschen brauchen Keile, die Menschen brauchen Messer. Die Messer machen sie zu Menschen, die Keile machen sie zu Menschen. Ist das die Rache der Namen, die ausgewandert wurden, in Reservate getrieben? Wo sind die Beutel voller Geschichten, Grossmutter Schwarze Witwe? Aber sie ist tot, und das ist unser Fehler. Wie lange ist das schon her? Wir hatten die Schlange getötet, erinnerst du dich daran? Du? Bist du auch noch da? Mein Eigenes, mein Gleiches? Wir dürfen es eurozentrischen Gelehrten nicht länger erlauben, «Menschenopfer» in solcher Weise zu definieren, dass sie uns zu glauben verleiten, damit ein Opferakt ein Menschenopfer sei, müsse ein Prieser in einem merkwürdigen Kostüm das Herz eines Opfers herausschneiden. Wie nur kannst du ihm nur sagen, dass sogar ein einziger Schritt zu machen unbegreifbar war? Dass es jenseits jeglichen Unbegreiflichen wäre, die mehreren tausend Schritte für eine Meile zu gehen? Du würdest sterben. Ich wärme meine Füsse mit meinen Tränen. Sonne brennt durch den glasigen Morgen wie eine Kernfusion. Billiger Kautschuk, Bananen, Kaffee, Uranium, welcher Rohstoff es auch immer sein mag, erfordert zuerst ein Blutopfer, ein Kannibalenfest. Du kannst deine Stimme hören, wie du ins Telefon sprichst. Sie war flach, eine dürre Ebene. In der Ferne war der Muskel eines drehenden schwarzen Tornados. Wie konnte er oder überhaupt jemand darum wissen? Niemand, der diese schmale junge Frau mit der eng um sich geschlungenen Jacke beobachtet, würde denken, sie ist am Sterben. Ich hebe meinen Kopf. Ganz wie am Anfang hebe ich meinen Kopf, ganz wie am Ende. Hat sie Sonne auf dem Felsenbaum niedregelassen? Wird sich jemand finden lassen, der sie von dort vertreibt? Monatelang zwang sie sich zu gehen und zu schlucken. Enorme Paniklöcher öffneten sich in der Atmosphäre. Das Überqueren von Strassen war besonders schwierig. Wenn sie an eine Strassenecke gelangt, hielt sie sich an Strassenschildern fest, an Laternenpfählen, oder klammerte sich an den Griff des Kinderwagens. Du möchtest singen, warum ist deine Kehle so eng? Bist du in Wyrai angekommen? Hat alles die Form eines Pyrits, aus dem die Zukunft wie eine schleimige Floskel stammt? Hast du dich nicht selbst in diese Lage gebracht wie eine Stadt am Meer, bei der zwei Kontinentalplatten aufeinandertreffen? In einem bedeutenden Ausmass entspricht die Entwicklung der Wetiko-Krankheit dem Aufstieg dessen, was die Europäer entschieden haben, Zivilisation zu nennen. Das ist kein purer Zufall. Da kommt das Wispern, da kommt das Wispern zurück. Was hat es angerührt, was rührt es an? Wie du da vor der Geschichten-Box sassest, da wurdest du zum Heiler, da wurdest du zum Kranken, da wurdest du zum Gedicht. Du wurdest einer Öffnung in dir gewahr. In einem rasenden, engen Spalt der Wahrnehmung wusstest du, du warst gekommen, dies zu vollbringen: du musst das Gedicht werden, die Musik, die Tänzerin. Du würdest für eine lange, lange Zeit nicht wirklich verstehen, wie. Ich bin eine Feder auf dem hellen Himmel. / Ich bin das blaue Pferd, das in den Ebenen läuft. / Siehst du, ich bin am Leben, bin am Leben. Schau in die Zelle dieses Sturms, schau in die Zelle dieses Geschwürs, das diesen Körper durchdringt: siehst du die rinnende Sanduhr darin? Condoleezza Rice und andere mächtige Frauen ausgenommen, sind der Wahnsinn von Gewalt, Aggression, Krieg, Angriff, Vergewaltigung, Mord, Eroberung, Beherrschung und Terrorismus hauptsächlich Formen von Irrsinn, die häuptsächlich Männer befallen. Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber – Ich bin die Kälte des Morgens. / Ich bin eine vierfarbige Flamme. / Der Rücken schmerzt, der Kopf, das Fieber steigt an, Schüttelfrost setzt ein, im Rachen trocknet der Schleim aus, Borken bilden sich im Hals. Frauen sorgen dafür, dass es Männern gut geht. Sie selber bleiben aber auf der Strecke dabei oder danach. Es ist leider immer wieder dasselbe Muster, lautet die Nachricht, die dich erreicht, zu recht erreicht oder zu unrecht, das fällt dir zu entscheiden schwer. Du schüttelst abwehrend den Kopf, sie kann dich doch nicht mehr betreffen, nicht wahr? Ich bin das blaue Pferd, das über die Ebenen läuft. / Ich bin der Fisch, der schillernd im Wasser rollt. / Ich bin der Schatten, der einem Kind folgt. / Ich bin einem Pferd gefolgt, das sich nicht sehen lässt. Was ich getan habe, stand in keinem Buch. Noch keine Geschichte wurde davon erzählt. Jetzt höre ich immer mehr Stimmen, immer mehr Stimmen kommen hinzu und zu mir ins Wakan. Sonne hat die Sternendecke weggezogen. Aber ich höre die Schs nicht mehr bitten, ich höre sie nicht mehr tuscheln. Es ist in der Regel links von Laternenpfählen, Strassenschildern, Kinderwagen vorbeizugehen. So hast du dein Geschick in der Hand. So gibst du nichts ab davon, was du dir vorbehalten hast, was dir vorbehalten zu sein hat. Die Dimensionen verschoben sich eigensinnig. Die Dimensionen verändern die Gelände. Ich stehe in guter Beziehung zu allem Schönen. / Ich stehe in guter Beziehung zur Tochter von Tsen-tainte. / Siehst du, ich bin lebendig, ich bin am Leben. Du nimmst die verkürzten Perspektiven wahr, die schräg ins Gesicht ragenden Laternenpfähle, die schiefen Schatten des Kindes, die Impf-Pusteln im Abendlicht, ich bin der fernste Stern, / ich bin die Kälte des Morgens, / ich das Röhren des Regens, / Aber deine Hirn-Gesichte / sind nicht unser allein, / wir sind nicht ihre Erfinder, / denn die Wahrnehmungsvorgänge, / der Jekt-Strom, / der Regenbogenpfad / fliesst ob wir es wollen oder nicht, / es hängt über uns, / es heult in uns, / es läuft uns mit seiner Kraft über den Haufen, / es liebkost uns mit seiner Süsse, / es überrascht uns unablässig und andauernd, / es ist unser Universum, / und wir sind nicht von ihm begrenzt, / wir sind in Tat und Wahrheit seine bebenden, / leuchtenden Rezeptoren, es ist, als hättest du den Schlaf des Schliefers geschlafen, während die Störche ihre Flügel schüttelten, die Gänse ihre Geometrie überprüften, die Falken ihre Vorliebe für Tauben, die Geliebte ihre Zunge spitzte für die Haut hinter dem Ohr, die auf sie wartete wie die Erde auf den Herbstregen, und im Spalt zwischen den Laternenpfählen, die links umgangen werden, links, den Kinderwagen, die davon rollen, keimte vielspelzig diese Welt eines Teilzeitindianers, dieses Wechselbad der Erscheinungsformen, die auf Unterdrückung und Ausrüstung ausgerichtet sind, spriesste der Affe mit den sechs Armen, es war eine Warnung, ausgesprochen von der Mentalen: sei vorsichtig, du bist in grosser Gefahr, und sie schloss ihr zärtlich die offenen Hände, du bist in grosser Gefahr, aber es war zu sehen, was sie gesehen hatte, das Wrack ihres Lebens, Küsse, Schläge und Tasten nach anderem, mehren, mehrigen, Tasten, die aufgeschlagen wurden wie Wörterbücher, wie Thesauren des Verlusts: niemand konnte es sehen, denn sie erschien normal, sie erschien in sich geschlossen, ein Kraftwerk von Mutter und Frau, und in dieser Lücke wurde das Schreiben möglich, das Malen: in der Bewegung des Stifts über das raue billige Papier, in der Bewegung der Pinselhaare, schwer von Farbe, über das billige raue Papier kam die Grossmutter, deine Grossmutter, mein Kind, wieder ins Leben, die öfter als merkwürdig oder unheimlich wahrgenommen wurde, weil sie näher am Tod denn am Leben stand, in ihre silbernen schwarzen Mantillas gewickelt, sie existiert selbst jetzt in mir, wie ich in den Letztgeborenen meiner Kinder, und in dieser Scharte war eine Geschichte möglich, die den Mann öffnete für seinen Mangel, die ihn neu nähte und drehte für eine neue Form von Behältnis, keine Köcher mehr, keine Scheid, die den Mann-Dichter entblösste von seinen Zorngesichten und unwilligen Unfähigkeiten, von seinem Grimm, und sie hätte ihn damals, in diesen Momenten nach seinem Sprung vom Dach der Kneipe, sie hätte ihn damals verlassen müssen, während sie mit ihre Freunden zurückfuhr, die sie überzeugen wollten, ihn zu verlassen, das würde nie mehr passieren, das wird nie mehr passieren, versicherte er jedes Mal von Neuem, wir können nicht politisch für eine bessere Welt für unser Volk kämpfen, wenn wir es nicht mal im eigenen Haus zusammenzuhalten vermögen, Luschkow, öffne deine Augen

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(Danke an kangbch für das schöne Bild.)

Du bist nicht allein

Ich höre die Lieder der Spinne leise glitzern wie eine Tränenkette über meinen aufgelösten Haaren: Schlaf und weine nicht, / deine Mutter ist tot, und doch stillst du deinen Durst an meiner Brust, / Oh-oh-la-la-la-la, oh-oh. Bevor ich einschlafe, schaue ich noch einmal über mich. Ich erinnere mich an das süsse Lispeln des Busches, voller Volk, Versprechen und Freundschaften. Da unten. Da unten war es. Thain-mom, sage ich leise zu meinem inneren Wesen, thain-mom. Ich möchte mich erheben, ich möchte entschweben. Wie fern die Wurzeln des Busches jetzt in der Erde sind, sie hängen wie Rauchfahnen in der Luft, sie schlängeln wie Blindschleichen durch den erdigen Duft. Sie stecken gar nicht im Boden, auf dem mein Körper ruht. Sie stechen gar nicht in den Boden hinein, in den mein Körper gehört, zu den Freunden und Versprechen. Wo denn sind die andern? Wohin sind sie verschwunden? Ich möchte noch einmal thain-mom, beschwöre es mit der gewaltigen Kraft der Verlassenheit, denn die Schwarze Witwe jagt, keines ihrer Augen sucht nach mir, ich höre nicht ihr Tappen an den Fäden ihrer Haube. Seltsam ist es in der höchsten Nacht. Die Schale der Nacht riecht wie die Schale einer bleichgesichtigen Erdfrucht, ein Geruch aus Schmerz und Belohnung, mit harten, süssen Kanten. Ich taste im Sand nach den Schs, die eben noch gewimmelt haben. Der Sand ist wie die Innenseite eines Lederbeutels, riecht nach den Hufen einer Giraffenartigen. Ich spüre nicht mehr die Fasern des kräftigen Weizens in meinen Gliedern ihre Pfade ziehen, die mich durchdrungen und bedungen haben. Ich bin allein, auf einmal allein. Jemand hat mich verlassen, vergessen, entlassen, und über die Terrassen des Himmels wandeln heute keine Sterne, keine Sterne. Wo ist mein Zwilling, wo ist mein Zwilling hin? Schwarz, mit greisen Haaren steht die Nacht über meinem Auge. Ich sehne mich nach den Kammhaaren meiner Mutter, die mir die Furcht aus den klebrigen Sinnen streichen. Die Finger der Königskerze versperren den Horizont. Ich versuche zu singen: Höre, mein Kind, die Geschichte vom Beutel des Lebens. / Es ist, Liebling, die Geschichte vom gebenden Streben. / Anfangs war nichts in dem Beutel, das Füllen schien vergebens. / Blicke begannen zu sammeln und Wörter zu weben. // Küsse verschwanden im Beutel, Gerüche von Fingern, / suchend im Sand der Gestaltung, und wurzelnd in Dingern; / lausche, mein Kind, dem Gelichter der Sterne, die singen, / zwingen das Licht in die Steine, gesammelt von Schwingen, // weit geflogen, und so weit gespreizt übers Erdreich; / spüre, mein Sohn, an den Gliedern die Tropfen des Taus, / silbern erglänzend in den Schatten von Mütterchen Mond; // tief wie der Himmel der Beutel geworden, und schau, / Liebstes, wie voller Geschichten, hast dich nicht geschont, / leere nun aus, und verteile, und scheu keinen Vergleich.

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(Mit Dank an Jgiammateo für das Bild der Schwarzen Witwe.)

Es ist Nacht in Wakan

Ich lausche dem Flattern der Schs. Die Ruhe liegt über Wakan, ein Kristall. Und über die einfallende Nacht, die in diesen Breiten plötzlich kommt wie ein Dieb, legen die Sterne ihre Bögen: O ka lipo o ka la, o ka lipolipo / O ka lipo o ka la, o ka lipo o ka po. / Du schreibst: «Ich habe kein Interesse mehr an allgemeinen Aussagen zu mir, meiner Person und meiner Lebenserfahrung, das ist eng und bringt nicht weiter. Ich fühle mich wie eine Haut, die auf Helium wartet.» Po wale hoi, / Hanau ka po. / Es ist Nacht, / die Nacht ist geworden: ohne das Licht ist es weniger gefährlich, / hier bin ich nun, unterhalte mich, / ich fühle mich dumm und ansteckend, / lasst mich einen Trinkspruch tun… Po wale hoi, / Hanau ka po, / ich lege mich ins Gras, ich wickele / die grüne Flagge meines eigenen Gemüts um mich, sie ist aus hoffnungsgrünem Tuch gewoben,… / oder ich meine, das Gras ist selber ein Kindlein, das der Pflanzenwuchs zeugte… / alles wird enthüllt, alles wird erleuchtet: o ka lipo o ka pa, / o ka lipolipo, / po wale hoi, / hanau ka po. Ich wende mich aus dem Heilen den Träumen zu. Nicht wahr? Dem Kampf der Mütter am Jabbok. Straff ist die Haut hinterm Ohr gespannt. Zart die Zunge, die sie sucht. Es ist Nacht. Was noch zu leben ist, lass es uns entdecken. Lass uns finden, was in den Röhren der Pilze und in den Filamenten der Sterne lauert. Die Haube stellen wie der Rotkardinal, kiesen so gut wir können. Erinnern, was uns träumte, schwante, plante. Mit langen Schritten ins Ried hineinschreiten, die Egel aufsammeln und Veilchen. Das Blut des andern von den Lippen saugen. Nach dem Pochen des Herzens fassen, feucht und wild, zitternd in den Knien, schmelzend in den Lenden, am ganzen Körper Schlange. Wallalalala weija, wallalala leijahei! Den Kopf in den Nacken werfen wie ein Pianist, auf dem du spielst. Die Mütter ächzen in der fallenden Nacht, die haarig über die Furt, die trocken lag bei Tag, streiten, stampfend im sanften Schlamm. Ich höre sie singen unter ihrem Keuchen: «mein Sohn, mein Edelstein, meine reiche Quetzalfederpracht: du bist am Leben angekommen, du bist geboren, der Schöpfer und Eigner hat dich in die Welt kommen gemacht,» und es ist Nacht, wie eine Feder streichst du um mich, streichst du über mich, fliegende Sterne wirft das Dunkle hinter deinem Auge über den Schatten des Lids, tief fällt die Feder in mich ein, kühl wie ein Stein auf dem Mantel eines Schneefelds, feucht wie die Haut des Leviathans, sprühender Regenbogen sein Blas, «bist du vielleiht, wie eine Kornähre,» höre ich die Mütter am Jabbok, am Rande von Wakan, schnaufen, um Luft ringen, mit der Luft ringen, «bist du vielleicht eine Getreideähre, die was in ihrem inneren Wesen ist freigibt? Kannst du sehen, kannst du enthüllen, was du in dir drinnen hast? Gut genutzt, gut geleitet, gut gehütet im Schwarzen deiner Augen, so sei du in deinem inneren Wesen, wie in einer Brust oder einem Geldschrank,» und feucht schiesst die Stärke durch deine Glieder, durch deinen Geist, Zitronenkerne spriessen in dir, in deinen Kniekehlen, hinter deinem Ohr, alles wird offenbar, alles wird offenbar, fühlst dich blöd und ansteckend, denn in der Nacht ist es weniger gefährlich, weiss und körnig wie Mais blüht die Stärke aus den schwächsten Stellen deines Körpers, deines Geistes, deine Füsse wurzeln im Nebel deines Körpers, japsend umringen sich die Mütter, schillernder Schweiss auf ihren Rücken, ich bin der Dichter des Weibes gleichwie des Mannes, / und ich sage, es ist ebenso gross, ein Weib zu sein wie ein Mann, / und ich sage, es gibt nichts Grösseres als eine Mutter des Menschen, / ich bin Zeuge und warte, / hechelnd umschlingen sich die Mütter am Anfang der Nacht, der Vater der Erde, quellend und schnellend, po wale hoi, / o ka walewale hookumu honua ia, / o ke kumu o ka lipo, i lipo ai, / nie war mehr Anfang als jetzt, / nie mehr Jugend oder mehr Alter als jetzt, / nie wird es mehr Vollkommenheit geben als jetzt, / oder mehr Himmel und Hölle als jetzt, / du fühlst deine Haut zum Segel werden, mein Atem dein Nordnordwest, gelb bläht sich das Meer, und dein Tausendkorngewicht fliegt auf, fliegt davon, leicht und feucht, leicht und feucht, hinauf in die schneeigen wahnsinnigen Sterne, ein wahnsinniges Gesicht, ein wahnsinniges Gedicht, und die Maiskörner springen und spicken durch das Land, du schluckst ihren Hagel, bist du schon auserwählt, doch hier im Wakan, wo die Mütter gerungen haben, ist die Vollständigkeit kein Gut, der Keim ist kein Gut, die Mütter sind kein Gut, die Füsse sind kein Gut, denn es gibt nichts Vollständiges, Vollendetes, Vollkommenes ausser dem Unvollkommenen, Unvollendeten, Unvollständigen, Unvollstreckten, das ist die Kraft des Wakan, Wind an meinem Ohr, / Farbe in meinen Augen, / die Zehen tanzen, / tanzen unterm hohen Gras, / aus dem Graben zwischen uns / steigt die Hitze auf, / Tränen und Schweiss fliessen schwarz, / es öffnet sich mehr, / es öffnet sich, öffnet sich, / hell weitet sich die Dunkelheit, / wie Funken über Stoppelfelder heben die dünnen Häute ihre Röcke und laufen in die Richtung der Sonne, die sie rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, in der Dunkelheit rauben wird, die süssen Häute, und auch die Mütter kämpfen noch, auch die Füsse schmerzen noch, das Blut pocht in den Schläfen, ich trage die Narben als einen Schild, die Ausschabungen aus ausgehöhlter Zeit und ansteigendem Schmerz, meine Haare schützen und kitzeln meine Hüfte, ich bin ein Zelt voller Anfänge, wie Mütter im Dunkeln am Fluss, eine gekappte Losung, eine diabolische Schwäche und Hinterlist, / Einige Forscher sagen, / die Welt begann mit einem «grossen Klapf», / aber es gibt keinen «Klapf» / ohne ein «Ohr», / ohne «eine, die hört», / denn Klang ist ein Strahlstrom, / der ohne Empfänger unvollständig ist. Ich lese die Sohlen wie Stirnen, sie sind lebendig wie der Stein, der durch die Zeit gekommen ist und diesen kleinen Raum in meinem Pochen beansprucht. Umringt von den knisternden Klängen, die an mir weiden, die auf mir weiden, die für mich weiden, umringt von diesen Älteren, diesen Vorfahren, diesen Vorgängern, ein Kriechen und Schleppen, ein Keuchen und Wispern, von allen Viechern, die über der Erde mäandernde Ebenen krabbeln und sich in den Schatten ihrer Bauchfalten aufhalten, ist ein Sch vielleicht das am Schwierigsten zu findende. Du stösst nicht jeden Tag auf eines von ihnen. Das liegt nicht an ihrer Seltenheit; tatsächlich sind sie ziemlich weit verbreitet, sogar in deiner Stadt. Und doch übersiehst du sie so leicht…, du kannst dich um deine Geschäfte kümmern, ohne einer begegnen zu müssen, dieses Stirnlecken, dieses Sohlenschmecken, umringt von dem Krabbeln und Kabbeln diese Mütter der Schöpfung, als wäre meine Haut zum Trocknen aufgespannt, ich lese die Sterne wie eine erste Geschichte, ausgefaltet vor meinem inneren Wesen.

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(Mit einem Dank an AndrejC für das sehr passende Bild.)

Einbaum aus Schläfenbein

In meinem Rücken rauschen die Wälder aus Schs, mit leisem Brummen erklimmen sie die Gründe meines Herkommens, meines Stammes: derzeit können sie nur auf das Geflatter der Äste zählen, auf die Falten aus Distanz und Luft. In meiner Nase schwillt die Vertröstung wieder rauchig und pelzig auf, der ich doch nicht mehr begegnen kann hier im Wakan. Denn hier im Wakan bin ich doch in der Sekundenblüte aus Starre, Winkeln, Schlunden, Löchern, Abgründe. Im Grasland des Grossen Geistes, sagt mir das, Namen! Ihr könnt nicht ewig zirkeln, kreisen, krümmen, wippen, nicht wahr? Sagt mir das, Namen! Sagt mir das Namen! Meine Lippen sind zerbissen von der Geduld. Lasst mich aus der Zeit, die mich lehmt… und es kommen die Arbeiter aus den Kokosplantagen / und schreiben Liebeslieder / die die Schwestern der Umgebung / nicht zu kennen nicht kennen… Der Stein ist zu lebendig, sein Beben erregt mich zu sehr. Die Toten, die Toten! Der Stein ist zu lebendig, seine Erregung ist zu innig. Ich greife ins Gras, das wie Speere um mich den Himmel erreichen will. Ich erinnere mich, erinnere mich an etwas. Ich griff ins Gras, das tat ich damals. Die Geschichte kommt mir durch Röhren entgegen, hallt wie ein Funkspruch aus den parsec-Tiefen, beendet das Erschauern der Sterne, die Materie gierig schluchzend schlucken, ein Keuchen kommt in das Wakan gelaufen, die Leisten weiten ihre Seiten. Ich kann mich nicht erinnern an das Nicht-Erinnern. Ich höre zwischen den versammelten Stimmen der Namen – atti, atti – ein Kind sagen: Aber Herr Füglister, wenn ich weiss, dass ich es vergessen habe, warum weiss ich dann nicht, was ich vergessen habe? Wie kann ich wissen, was ich nicht weiss? Es war in Odaiba, Miyuko war an meiner Seite. Mit den Augen am Himmelswinkel, der sich färbte, Sakura-Sintflut, die Hände in unserem Rücken aufgestützt, im Sand und spärlichen Gras, Büsche im Rücken mit ihrem Rascheln. Miyukos Hand so nah, keine Distanz wäre trennender gewesen. Ich erzähle das im Wakan. Ich halte den Stein umfasst, der sich schält in seinem Beben, Jahrmillionen flüstert, kann ich ihn denn nicht beruhigen, will er mir von den Toten erzählen, die mich nicht allein lassen werden? Miyukos ganzer Körper verschattete meinen eigenen, verlappte sich deinem Körper. Der Schmerz war zu gross, mit einem Seufzen beugte ich mich über meine Knie, kaum sahst du den Rüssel der Rainbow-Bridge, ich rupfte am Gras, konnte Miyuko nicht fassen, nicht anfassen, weil die Distanzen uns verwoben hatten, ihre Hand so nah und warm an meiner Hüfte, ihre Stimme eine wippende Ähre hinter meinem Ohr, ein Schmelzen von Haut und Kosmos, ein Ballen von Mangel, hättest du sie angefasst, hättest du die Weite aufgerissen, Lichtjahre von heute. So zittern Steine von dem Leben der Toten. Noch hier im Wakan, lassen sich nicht beruhigen. Stöhnen ist nicht erlaubt, / soll ich es dir sagen, / und gibt es auch keinen Winter, / so macht das noch keinen Sommer, / so rupfte ich an den Gräsern, Liebstöckel, bummel und laibe mit mir im Gras, Wollkraut, Königskerze, Kermesbeere, Holunder, ein Zerren und Zupfen, und ich höre noch Miyukos Worte wie die Namen zischen – atti, atti, –, sie längen sich hier im Wakan wie das Licht von den Sternen, über Lichtjahre gealterte, gereifte, wahnsinnige Tränen, ich erinnere mich an die Trauben, die hinter meinem Ohr schmelzen, harzig ist ihr Schmelzen, ein Knistern hinterm Ohr dringt in mein Ohr, die Haut wellt sich mit dem ganzen Schläfenbein, hebt sich aus dem Körper, ich erinnere mich, noch hier im Wakan, und ich rupfte an den Gräsern, ich bin ins Wakan gelaufen mit diesen blossen Füssen, und das Kielschwein meines ganzen Körpers hebt sich aus meinem Leben, ein Einbaum aus Schläfenbein, ausgehöhlt von Miyukos Stimme, bin ich denn so weit gelaufen, um so nah zu kommen?

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