Mein Sohn Mein Söhnchen Jetzt stehst du da Wo kommst du her Wie hab ich dich vermisst: Dein Gesichtchen reingewaschen von der Liebe Die ich erst über deinen vom Hunger vergewaltigten Vom Mangel verunstalteten Körper Ausbreitete und die ich dann Über deine unreife Seele in ihrer Ungestalt legte Zu schützen vor dem Vergessen Diesem grossen Räuber Gegen den die andern nur Wegelagerer sind:
Die Stimme in ihrem kindlichen Fiepen Über den Fluss hinweg donnernd Deine Stimme wie ein Dammbruch
Mein Sohn Mein Söhnchen Gross bist du geworden im Tode Ein Flügelmann mit roten gütigen Augen Ein Richter mit ausgeweinten Augen Und schöpfst mit deinen Händen Die noch nie einen Pinsel gehalten haben Die ganze Welt mit aller Wirklichkeit darin Die ganze Katastrophe mit allem vorsätzlichen Sein darin Dahin und nimmst mit deinen Händen Die noch nie eine Frau liebkost haben Meine Schultern und stösst mich ein wenig unsanft Durch die verschlossene Tür Deren Holz sich bläht in der Feuchtigkeit des Morgens Und auf der Schwelle rieche ich ein letztes Mal Den Thymiangeruch deines abgeriebenen Neugeborenenkörpers Und schmecke nochmals die Tränen meiner Frau in meinen Armen Und weiss um das Sterben Und um die Verlassenheit darin Und auf der Schwelle spüre ich im Rücken die ganze Kälte deines aufgeschwollenen Leibs Der immer noch den Hauch von den Händen deiner Mutter trägt Die dich nicht lassen wollte Nicht hergeben wollte
Mein Sohn Mein Söhnchen Woher kommst du nun Wohin bringst du mich Werde ich je wieder die Heimat sehen Was willst du mir denn zeigen So eile doch nicht so Was müssen meine Augen Was müssen meine Sinne noch fassen lernen Von dir ein wenig unsanft geschoben durch diese verschlossene Tür Um welche Daseinsformen Um welche Dinghaftigkeiten Muss ich meine schrumpfende Vernunft Denn jetzt noch schlingen
Mein Sohn Mein Söhnchen Jetzt lass mich nicht allein Ich bin doch nackt und klein.
Das ist der Moment In dem ich isekait werde Das ist der Moment In dem ich befreit werde Das ist der Moment In dem sich die Welt zusammenzieht wie ein Sphinkter
Genug vom Trägen: Ich höre das Zwitschern der Schrauben in den jungen Balken Genug vom Tragen: Ich rieche die Gesandtschaften von anderswo entfalteten Wiesen Genug vom Nagen: Ich schmecke die nüchternen erdfrischen Ecksteine Genug vom Wagen: Ich ertaste die seltenen Kissenbrüste einer ausgeschlüpften Drachin Genug vom Hecken: Ich sehe die Monde Plutos herauf- und vorbeiziehen wie gefrorene Sommerkäfer
Heisst das Nicht jetzt etwa Etwas? Muss ich das Etwas mit Nichts ansprechen?
Wahrlich – ich habe nichts mehr Und nichts mehr zu befürchten: Was habe ich mich gefürchtet Was habe ich mich gescheut – Gab es nicht immer schon etwas Das dem Nichts glich und ihm standhielt?
Ein goldiger Zahn im Gesicht der Schande Eine wulstige junge Lippe über hohen Hüften In der Gestalt der Wut Eine austreckte Hand In den Wurzeln des Alltags?
Ich entbehre mich dessen Das da an etwas hält Das da an etwas glaubt Ich entleere mich dessen Das da dem Körper beipflichtet Das da nach Gewöhnung schreit Denn was eine Frage der Gewöhnung war Darf es nicht bleiben
Nach diesem Moment Der die Kraft der Hindernisse Zu meinen Gunsten wirken lässt Nach diesem Moment Da ich China erbeben sah Nach diesem Moment Da ich die Jahrtausende alte Regel brach
Könnt ich doch zurück nach Honan Könnt ich doch zurück in mein Bambusblütenreich Ich hielt mich sinnlos an die alten Bücher An die Gewöhnung gewöhnte ich mich Nun aber – lasse ich das Nichts fahren Entferne mich vom Anzecken:
Heute werde ich isekait Samt meinem Schrumpfbauch Samt meinem Trockenseelchen Verkaisere mich in den Möglichkeiten:
Ich höre schon die Schrauben zwitschern in den Balken Ich rieche schon die Gesandtschaften der entfalteten Matten Ich lecke an den nüchternen Ecksteinen meines Reiches Ich ertaste die Brüste einer verkehrten Stadt Ich jongliere die Monde Plutos wie gefrorene Augen
Ich überwinde die Starre von Tollwut die das Reich erfasst hat Ich verdrehe die Härte der Kriegstreiber die das Reich brauchten Ich blicke unverwandt auf das Nichts das das Reich nicht kennt Auf das goldige Nichts Das sich mir öffnet Wie ein Muttermund.
Innen gibt es nicht Weder Tafel noch Schrank Drachenfüsse hängen aus dem Nebel Hecken das in die Luft geschriebene Wort Aufgelesene Pflaumen In der ein Milchzahn steckt: Traut es sich eine Stiege zu Über den aufgeriebenen Fluss Als habe der Pfirsichquell Der in der Nacht an mir vorüberstrich Blaue bittere Sohlen
Drachenfüsse hängen aus dem Nebel Wie übrige Geschichten Die Schrift bietet einen Unterstand In dem noch immer Möglichen Ich wünschte mir die Heidelbeerfasson meines Freundes Li Po Ich bin zu sehr aus der Fasson Am Kies lutschend Am eigenen Speichel sich verschluckend Der nach altem Wein schmeckt Schimmelblau holzig und faul zu sehr aus der Fasson Um ein Wörtchen mitzureden An meinem inneren Stand Weder Tafel noch Schrank gibt es für ich
Mögen auch irgendwo die Blätter rascheln In Schränken oder Katen Ich halte meinen Kopf gesenkt Lasse den leisen Schweiss Die letzte Hautsülze meiner Wange In das beschriebene Papier eindringen Türen waren nicht zum Verschliessen da Tafeln nicht zu Beschreiben
Es gibt für mich die Einstiege In die kühnsten Listen nicht mehr Es gibt für mich die ersten Zeichen In den gestreckten Tod nicht mehr Weder Mantel noch Trank –
Noch nicht aber Die Fische durchbrechen schon Mit ihren vorgestreckten Kusslippen Den braunen überbordenden Saum In dem ich bis jetzt geschwommen bin Selbst in der Armut wandelte ich sicher Durch den eingedickten Sud aus Hohlräumen und Oberflächen Und noch jetzt Noch nicht beschenkt mit den Gütern des Gartens Noch nicht erlöst von den träumenden Lüsten Nach der rosenhäutigen Luft des späten Nachmittags schnappend Erkläre ich mich nicht als mündig Selbst im Hunger Der meinen Mund und meinen Schlund entmachtet hat Überflüssig sind sie Diese beiden Spiessgesellen
Noch nicht tot Noch nicht bereit Noch nicht gescheit Noch nicht im Lot: In meiner Geringe immer noch Hoch aufgeschossen Wenn auch nicht mehr aufgerichtet Nicht mehr aufrecht Zusammengesurrt auf die wahre Grösse Kleines Beterlein für einen Schrank Kleines Zifferlein für eine Tafel (unten links) –
Leise schrappen die Drachenfüsse des Nebels Über die Ockerfläche des Stroms Und ich bin noch nicht Ganz hinten im Schrank meines Leibes angekommen Und ich bin noch nicht an den Schiefersplittern erstickt Als sich meine Tafel zerschlagen hatte.
Übersät von Kieseln Poren aus Stein Verschlossen wie Wünsche Zersplitterte Nägel Scharf an Fingerbeeren
Das kleinste Nahe ist Berg Bohnenhart und verbogen Verborgen auf sich Abwesenheit keimt daraus auf Ich beuge mich darüber und darein
Das wenige Sehnige Was ich denken kann Lässt mich den grauen schweren Speichel Kosten und wenden – stumpfe Hände Und das sehnige Wenige zieht an der Welt
Und die Welt ist kein Futter Ist nicht zum Essen da Ich kaue das Eukalyptusblatt lange und spüre Wie sich eine sanfte Bitterkeit entfaltet Im Rachen und bis in die Stirnhöhlen
Als weisser Kranich stakse ich Schwankend am Ufer hin und her Meine Sinne sind kahl wie eine Mauer Die Laute meines Denkens bildne Unbekannte neue Wörter
Wörter ohne Bedeutung in dieser Welt Fremd und knöchern und ohnmächtig Sie füllen meine Seele Nissen einer anderen Welt Geistlose Larven aus Zukunft
Ich spucke und speie Ich keuche und ringe um Atem Das ist nun meine Rede Ich träume von Pfirsichen Und finde nur die Pflaumen des Wegrands
Mein Magen gefüllt mit Tauknoten Sie winden sich wie Würmer in Heimaterde Sie binden meinen Körper an die Seele Rau schaben sie an den Wänden meines Daseins Mit jeder Wendung keuche ich laut drauflos
Meine Knie sind Weizenähren Ich nuckele lustvoll an ihnen Sie schmecken so untertänig Meine Finger finden meinen Mund Wenn sie im Boden gewühlt haben
Nur ein Bauch kann so leiden: Diese Krämpfe dieses Stampfen und dieses Winden Diese brachen Vorstellungen Diese bebauten und verstellten Avenuen Voller Zeugs Das nicht zu den 10000 Erscheinungen gehört
Wie kann ich mich denn so sehnen Nach den trüben Werten Die Menschen beherrschen Nach den wütenden Gerüsten Die Menschen stützen und halten Verstrickt in all den Stoffen Die uns heisse-Luft-Menschen in den Dreck An den Boden bannen
Ich habe Soldaten gesehen Die auf den Boden des Wegs hämmerten Mit frostverkümmerten Händen Am Eingang ihres Dorfes Das nur noch ein rauchender Holzstoss war Daraus war der Stoff ihrer Heimat gewesen
Ich habe Mütter gesehen Die mit zitternden Händen Als könnten sie Schlimmeres verursachen Die Wangen ihrer Töchter liebkosten Die Haare ihrer Töchter aus dem Blut hoben und ordneten Über dem zerrissenen nackten Körper Einen Kranz oder eine Krone zu winden Aus den Haaren der Toten Ein dunkles Diadem Aus dem Stoff der Zukunft
Ich habe Kinder gesehen Über ihren Geschwistern wachen Als spielten sie mit ihren Puppen Denn noch konnten die Toten winken Mit schwacher Geste die Hand heben Um den Bruder zu trösten Der in der Fliegenwolke sitzt Und mit dem Schwesterchen spricht Das aus dem Stoff der Gegenwart ist
Ich kann nicht mehr schlafen Selbst im Schlaf kann ich nicht mehr schlafen Denn in mir haust so viel Schrecken Dass er mich vertrieben hat
Ich bitte euch ihr Götter Falls wir euch nicht getötet haben Kommt ihr getöteten Tode Und füllt meinen Leib mit dem Wind Der einmal innen hauste Mit dem Wind aus Erbarmen Jener Stadt am Anfang der Welt In der die Ideen aus Stoff sind Füllt meinen Leib mit dem Kleid Das zuletzt den Rest unseres brachen Körpers Sprengt: die innigste Liebe Möchte ich noch einmal fühlen Und füllen meine Lunge mit der herben Luft Eines guten Wortes.
du wirst nicht nach Ägypten zurückkehren, denn wir haben es akzeptiert, von verdorrten Seelen und verdorbenen Herzen benannt zu werden, beim geringsten Fingerzeig siehst du sie aus den Minen und hinter den Mauern ihrer Compounds hervorstürzen, um uns die Instrumente unserer Wege aus den Händen zu reissen, und selbst hier im Land Wyrai, bewacht von den Rotkardinalen in ihren Brombeeren, unter der Geissel ihres hundertfachen Flügelschlags, wirst du nicht mehr umkehren, auf den Weg in die Nächte zurück, auf den Weg in die dunkelste Schattenlosigkeit, auf diesen saugenden Napf auf deiner Stirne, ein drittes unerleuchtetes, weil geblendetes Auge, auf diesen nüsseklappernden Aufschwung im Herzen, dem die Furcht als eine Plastikfolie übergestülpt ist, denn es könnte doch nicht anders, dein Herz, diese Beutelchen voller unvollständiger, erbärmlicher Liebe, als auf das Licht zuzufliegen, als auf ein weiteres helles Versprechen, als auf eine ungelutschte, unerfüllte Keimerstickung zuzueilen, durch das vollgestellte, vollgepackte Land Wyrai hindurch, ohne Rücksicht auf die filigranen Drähte zwischen Absicht und Zweck, hineinzulaufen in eine neue Liebe wie in ein noch nicht lange offenes Tor, das auch nicht lange offen stehen würde, denn da kommt eine Schwangere, sie wird den Kanal bald verstopfen, Kaunda, Kaunda, Kaunda, hört dein Herz über all die Meilen hinweg, die es schon erlaufen hat, und weiss wieder nichts von Tai-me, weniger noch als Botone, der gestorben ist, und keine Zeit bleibt in diesem vollständig eingeräumten Land namens Wyrai von dem so schwer zu singen sein wird wie von den Kosten, die in jeder Arekanuss verborgen sind, es ist kein Land für die kurzen Beine, das weisst du nun schon zur Genüge, tolpernd über die trockenen Knochenhaufen an seinen Strassenrändern, durch die geraden gelben Linien der Maisfelder hastend, im Rücken das Krächzen und Keuchen der Hatsegopterixe, und in den Knien dieser Drang, in die Knie zu gehen, «verneige dich», sagt die gelbe Erde unter deinen Füssen, «umarme mich», sagt die affenkeckernde Freude, «ich war in Madras scheissen», sagen die Umgebungstöchter, es hallt wie aus leeren Büchsen, in denen Menschen zu wohnen gezwungen sind, lauter Zwischenlösungen und Minimalmasse, eiserne Rationen in eisernen Beuteln, wiederkehrende Blähungen und abgewendete Bekehrungen, die Lebewesen warten auf eine Entschuldigung, auf eine Vergebungsbitte, gross ist ihre Bereitschaft dazu, doch die Pyramiden, zu denen die Götter angehäuft wurden, verunmöglichen den Weitblick und die Erleuchtung, die Messer in den Schweinerücken und die gebratenen Kapaune, die essbaren Messstände und die verzehrbaren Handschläge, das Wirken aus Karossen und das eingeräumte Schreien von Babys auf den Armen von Politikern, aber du weisst im Voraus, noch bevor die Befürchtungen den Hals der Hochanständigen perforieren, noch bevor die Zumutungen die Ärsche der Wohlmeinenden polieren, du kannst nicht nach Ägypten zurück, es gibt keine Rückkehr zu den Quellen, diese sind dir genauso verschlossen wie den Steinen, nein den Sternen, die Ewigkeit lässt sich nicht so leicht wiederfinden, doch denke auch an den Rotkardinal, der in diesem Land heimisch werden konnte, weil er sich nicht für mehr hielt als ein vorübergehendes Lied, ein kleines Mahnunglein, ein winziges Einwändchen, das sich der Flut entgegenstellte mit Sirren und Schwirren, Sophistication is a nice word, isn’t it, der Verfeinerung zu Diensten, der Abspeisung mit Kümmernissen und Plagegeistern, seine Stimme lange Zeit nicht mehr als ein Knispern und Knaspern am Hochzeitshäuschen, doch ist die Zeit auf seiner Seite, während du in den Überresten deines Besitzstandes immer noch wühlst, ein paar Federn, ein paar vollgesogene Socken, metallene Geräte ohne genaueren Verwendungszweck, eine Delfinstatue auf dem Berg, Zuckerwatte im Hirn, ein stetes Summen und Rüschenrauschen, eindringlich, ohne gebieterisch zu sein, ein begonnenes Fest, das von Auszehrung und Völlerei unterbrochen wurde, du weisst, die Verfeinerung des Sands ist die Arbeit von Jahrhunderten, während du nur kurz Brombeerenpflücken warst, in deinem alten Eifer, es allen recht zu machen, die Verfeinerung des Menschen ist eine Sache der Unmöglichkeit, denn so leicht fallen ihm die Verletzungen zu, die eingebildeten wie die vorgestellten, hier gibt es weder rechten Weg noch rechtes Lied, Beifuss und Hundspetersilie haben schon alles überwuchert, alltäglich und unaufhörlich, und immerzu fragst du dich, ist es noch Tag, ist das die Dämmerung, warum so plötzlich, was habe ich denn wieder getan, wem habe ich zuwider gehandelt, wer stiehlt mir die Habe unterm Kopfe weg, ist denn jetzt jedes Raubtier aus seiner Höhle gekommen, sticht denn jetzt alles Gewürm, gut ist das Steigen der Sonne, gut ist das Sinken der Sonne, ihre Herkunft aus dem Lichtland im Westen, ihr Heimgang in das Lichtland im Westen, auf das ihre zahlreichen Werke aufatmen können, das Schilf ebenso wie der Büffel im Schlamm, die Gräser und Kräuter ebenso wie das Vieh, das sich an ihnen befriedigt, denn sie erfreuen sich alle der gewissen Rückkehr, selbst die heulenden Hyänen und das schlingende Krokodil, die Vögel fliegen zurück zu ihren Nestern, ihre Flügel sind die Lobgebärden für meine Ka, bist du Sonne nicht der gewisse Bringer des Glücks, des plötzlichen Eifers im Guten, das meine Worte auf das zarte, geheftete und gepresste Schilf fallen lässt wie den Tau, wenn du Sonne umkehrst am für den Menschen zu weiten Himmel, der den Samen sich entwickeln lässt in den Frauen, der Wasser zu Menschen macht, der den Sohn am Leben erhält im Leib seiner Mutter, und ihn beruhigt, zähmt, indem er seine Tränen stillt, der dem Küken im Ei Luft schenkt, um es zu beleben, Heil dir, der du als Seele der Seelen kommst, herrlich im Westen, Heil dir, Öffner der Unterwelt, Geliebter aller Tore, Heil dir, der inmitten der Götter weilt, Richter im Schweigelande, Heil dir, der in seinem Worte ist, der die Unterwelt durch seine Zaubersprüche geschaffen hat, gib süssen Nordwind dem Osiris, du Sinkende, die die Lebensfrist des Festen und Unbewegten wie des Weichen und Allzu-Erregten umkreist und begrenzt, du kehrst nicht zurück nach Ägypten, du kennst die Quelle nicht mehr, denn dieses Land unterm Schnabel des Hatsegopterix, dieses Land unterm Ruf des Rotkardinals, hindert deinen Pickel daran, die innere Scham aufzubrechen, es gibt kaum Raum, um auszuholen mit dem Pickel in diesem Inneren, das schon so lange das äussere System bejaht und mit dem wiederkehrenden, fast schon gewissen Ja erhält, es gibt kaum Raum, um dich selbst dir zuzuwenden, derart verfeinert ist die Zeit in diesem Land, feinkörnig und feinporig, bitter wie Beifuss, scharf und brennend wie die Hundspetersilie, aber eng wie der Hals eines Strausses, und wie hat er dir den Schutz des verlassenen Nestes gelehrt, denn nichts unter diesem Himmel hätte nicht seine Fülle erreicht, seine Kraft, seine Gestalt, seine Schönheit, seine Brillanz, nicht einmal das Lachen, nicht einmal der ausstrahlende Himmel, nicht einmal die Freundschaft, nicht einmal die Süsse, die abends auf die Städte und auf das Land sich legt, Twih-twih-twih-dü-dü-dü-dü-dü-dü, twih-twih-twih-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi, wie der Schatten eines Büffels steigt die Nacht aus den Wassern im Osten, kriechend und krächzend kommt die Falte daher, die mich verschlingen wird, die mich selbst hier verschlingen wird, muttermächtig, seelenträchtig, jene verhuschte Kraft, die noch jeden Mistkäfer antreibt, eine Rolle zu drehen, seine Last zu rollen, auch wenn jedes Keimchen, auch wenn jedes Steinchen sich dagegen wehrt, dagegen strebt, doch siehst du die Hundsfötter in der Falte, sie entblöden sich nicht, darin mitzugleiten, darauf mitzureiten, grinsend und greinend, das Grau des Metalls, das Gelb des Golds, das fettig Tröpfelnde des Öls, die Dichte des Asphalts und des Betons, die den Aufschwung begleiten, das mühsame Aufspalten der Welt, der Härte und der Glätte, da kommen sie geritten über das Land Wyrai, halb Vogel halb Drache, staksend und hüpfend, klappernd und knatternd, die belebten Planierraupen, in deinem verschraubten Schädel macht sich das Schweigen breit, setzt sich auf den Thron der abendlichen Nebelbänke, du warst doch nicht dazu gemacht, dich in dieser klebrigen Menschheit einzukalmen, dich in ihrer Flaute, die sie für Fortschritt und Aufstieg halten, einzurichten, das musst du dir sagen lassen, sich niederzuringen mit baren Fäusten und Füssen, über die Kröten im Weihwasserbecken zu wiehern, die vor der Messe schon am Trocknen sind, das hast du gut gemacht, dass du abgehauen bist, die Schatten auszuheben noch zu deinen Lebzeiten,
Das ist der Hinterbau von etwas Das so stark wie nichts ist Das ist die Abwesenheit von etwas Das mit keiner Übung bezwungen wird Es ist das zusammengezogene Schweigen einer Armee Die dem Frieden entgegen geht
Ich kaue auf der Haselrute Die ich zur Angel bestimmte Ich maule mit dem ganzen Kiefer auf der starken Luft Um ihrem braunen dicken Blut die letzte Würze zu nehmen Die noch nach Heimat zu klingen vorgibt Ich schaue auf den Hinterbauch von etwas
Ich hauche meinen Sinnen Verse ein Hart wie Hufe und weit wie Linnen Ich brauche schon kein Hinnen mehr Das mich mit gefügiger widerstandsfreier Zeit nährt Ich schaue hinter die Schwarze Mauer Wo das Lauschen aussen liegt und das Geschehende hinten
Im gläsernen Murmeln der Schwarzen Mauer Klingt das erdige Gurgeln der Schlafenden Und das würgende Schnalzen der Schlaflosen Ich schaue hinter die Schwarze Mauer In der das Licht meiner spröden Mutter rauscht In der die Schatten meines fluchlosen Vaters gebauscht
Ich baue hinter der Schwarzen Mauer eine erste Zeile Eine erste Strassenzeile Aufquellend aus dem ersten Stein Den ich ins Safranwasser des frühen Morgens geschleudert Lampione Ochsen und rauchende Pfeifen Kinderpatschen Röckerauschen und Speckschwarten
Ich schaue in die Sintflut Ich baue auf ihre Ringellocken und Würgewirbel Eine weitere Zeile Die auf eigenen Beinen steht Das heiter leichte Gerüst eines Turms In dem ein Summen haust
Ich kaue mit jedem Zeichen die Sintflut in Gerüche und Gestecke Und entringe ihr das lange Eingeweckte Und verschlinge ihre kantenlose Gestalt Die vom Qionglai Shan gezehrt hat Woher die bunten Breitgesicht-Horden einfallen Mit jeder Letter haue ich aus der Sintflut einen Zaun
Ich schlaue mich in die Sintflut Jeder meiner Seufzer gilt dieser gelben und blauen Stätte Die eine Stadt zu werden verdient hätte Aus der ich meine Verse wie Kinderköpfe ziehe Aus der mich meine ungebetenen Präsenzen speisen Aus der meine unerhörten Absenzen reissen
Ich kaue auf den Sprossen der Luft Ich baue aus den Stämmen der Luft Verheerende zuerst verlorene Zeichen Die vorsichtig schwingen und singen Nachgiebig nisten in meinem Gewissen Wo fernschwindlig ein Ort auf mich wartet
Ich pfaue die Marktstände entlang der Strasse Mit fast wütender Vorsicht Die Fleischverkäufer ermutigen meine schüchternen Schritte Einige werfen Innereien nach mir wie Matrosen Taue werfen Die Fischweiber reissen ihre verkniffen berechnenden Augen weit auf Und gurren mir entgegen und hinterher wie einem Palastschranzen
Ich schaue hinter die Sintflut Wohin weit die Schwarze Mauer ihren Schatten hinschlägt Die Hand eines zornigen Gottes an der herbstlichen Wange Einen hauslosen Menschen Und in diesem schorfigen Schatten glänzt Zinnoberrot diese erste Arterie einer Stadt.