Nichts ist wichtig

Du dehnst dein Denken aus,
du weitest den Zirkel für den Stein des Anstosses,
du heiterst den Schatten über deinen Taten auf,
spannst den Bau deiner Zweifel bis nach Midian,
der Horeb selbst ist nur ein Knoten unter Tausenden,
und die unterschiedlichen Arten der Verzweiflung sind in deine Augen gestiegen wie Elritzen,
sie sind in deine Sprache geklettert wie eine Katze vor dem Hund des Hirten,
und so sehr deine Männer wie Kerzen in der Sonnenglut stehen und warten darauf,
dass du einen Entscheid fällst,
so sehr leuchten die Äste des Busches dir ins Gesicht,
des Busches, durch den du dich schlägst,
und immer ein neuer zuckt dir ans Kinn,
den du schon abgeschlagen glaubtest,
als befühlte ein Sklavenhändler dein Kinn,
was für ein Gewimmel,
das ein Beil abstumpft,
denkst du und stehst,
denn nichts war sehr wichtig,
nicht viel war wichtig,
und je weniger wichtig es war, umso unwichtiger wurde es,
es war nie wichtig genug,
weil schlimmere Dinge geschehen waren,
geschehen würden,
und du hörst die Männer nicht singen,
die Köpfe ihrer Frauen liegen an ihren Brüsten,
ihre Nasen weiten sich vom erdigen Geruch ihres Haars,
und du siehst ihre Zungen wie goldene Krebse hüpfen in der Abendsonne,
dein Denken ist ausgestreckt wie die Knie der Kraniche im Flug,
die über dem Papyrus-Meer im Norden kreisen,
du nickst wie jemand, der zu wissen befürchtet,
dein Gram ist wie eine der Töchter am Brunnen,
deine Trübsal ist wie eine der Töchter Reguëls,
von den Hirten mit ihren Hunden vertrieben,
wie eine Gazelle hüpft sie über die Oberfläche deines Auges,
wie ein Kamel lugt ihre lange Schnauze aus deinen vorsichtigen,
aus deinen kreisenden,
aus deinen vorgestreckten,
aus deinen vorgeschürzten,
aus deinen verletzlichen Worten,
und das Feuer der Äste nimmt dir den Atem.

Hiersein

Es ist nicht leicht, hier zu sein.
Es ist nicht leicht, hierherzukommen,
an diesen ungleichen Knick in der Zeit,
an diesen kabbeligen Ort, wo die Absichten,
wo die Ansichten wie Schleimspuren über die Felsen laufen,
über die festen Felsen:
alles erhebt sich,
Blicke, Pflüge, Leiterin und Lächeln,
alles senkt sich,
Lippen, Krüge, Zeugen und Zentren,
die Sprachen selbst vervielfachen sich wie die Halme von Gras in den Ritzen auf dem Berg,
und es ist nicht leicht, auszuhalten
die wimmelnden unebenen Flächen von Zeit mitten im Sommer, die aus dem zinnoberroten Himmel fallen
wie taumelnde Spatenblätter,
es ist nicht leicht, hierhergekommen zu sein
mit hinterhergezogenen Köpfen und aufgeschlagenen Lippen,
die widerwilligen Zeugen eines widrigen Laufs:
alles ist gelenkt wie die steifen brüchigen Gelenke unserer Väter,
alles ist erhoben wie die verschrumpelten, eingebeulten Gesichter unser Vorfahren im Angesicht der Sterne,
als könnten diese Funken Vergangenheit wie absteigende Blasen im grauen Tümpelwasser unseres aufgehaltenen Lebens,
als könnten sie vordringen bis in dein und in mein Herz,
die nicht mehr leicht sind in ihrem Hiersein,
die wie die träge umwindete Masse einer Mazzebe ihre Stirn anreckt,
anreckt gegen die vielfältige Zeugenschaft von Gerede und Gereue,
und da bin ich: nicht leicht im Auge der felsigen Frucht, auf der Stirn des fruchtlosen Felsen,
auf der ungleichen Fläche hoch über dem Tal, kaum noch schwankend,
und möchte pflügen, möchte lachen mit gespreizten Lippen, die von Honig triefen,
möchte dem immerzu leichten, immerzu aufkommenden Wind ins Gesicht speien,
und mit unterschiedenen Worten die unterschiedlichen, leeren Geschichten bändigen.

Den Vogt erschlagen

Was hast du nur getan, Jonatan?
Was hast du dir dabei nur gedacht, mein Sohn?

«Ich habe den Vogt erschlagen, Vater, den Vogt der Philister.
Beten wollte ich bei der Mazzebbe, Vater,
wollte an den Sprossen Gottes rütteln, Vater,
die in Bet-Awen in die Höhe wachsen,
am Rande der Wüste, am Rande der Weiden,
ich hatte so lange nicht mehr geträumt,
ich hatte so lange schon keine Ruhe mehr gefunden,
unter meinen Männern war ein Gemurmel,
hell und deutlich wie der erste Stein, der sich unterm Schritt des Hirten löst,
bevor der ganze Hang mit Prasseln und Rumpeln in die Tiefe fährt,
in Bet-Awen habe ich gebetet,
tief habe ich meinen Kopf gebeugt,
eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lag meine Kehle dort im Staub,
hustend und fluchend,
und meine Finger zucken und zerren, und meine Füsse scharren und schlagen aus,
und ich konnte nichts sehen, konnte nichts fühlen,
knochentrocken bleiben Auge und Traum,
meine Müdigkeit rieselt durch meine raue Kehle,
rau von den Befehlen und glatt von der Erwartung,
und ich wollte nach Hause,
ich wollte nur nach Hause.»

Doch warum erschlägst du mir den Vogt der Philister, mein Sohn, den Vogt der Philister?

«In Geba kam er mir entgegen, Vater,
mit seinem unterm Kinn geschnürten Federhut,
seine Schultern waren wie die Mauer eines Reichen in Michmas,
und er wusste, wer ich war, Vater,
er grüsste mich mit deinem Namen,
und er befahl mir seine Füsse zu küssen,
und da wurde meine Müdigkeit zur Überstürzung,
und ich griff einen Stein zu seinen Füssen und erhob mich gegen ihn.»

Das hast du gut getan, mein Sohn,
die Kraft Esaus und die Schläue Jakobs ist mir dir,
du hast gut daran getan,
jetzt werden wir erlöst,
jetzt werde ich befreit,
und meine Tage als König sind gezählt.

Kaum älter als du, Jonatan

Ich bin kaum älter als du, Jonatan,
ich begreife immer noch nicht alles,
ich verstehe die Zusammenhänge nicht so wie die Menschen,
ich sehe die Folgen vor meinen Augen aufziehen wie ein Heuschreckenschwarm,
ich klammere mich an Erfahrungen, die nur einmal gelten und ein zweites Mal wie die Kehrseite eines Schekels
zwinkern, den ich für einen Ratschlag in die Höhe werfe,
ich fühle den kindlichen Trotz noch ebenso wie das kindliche Vertrauen,
ich empfinde immer noch das Staunen eines Kindes, das eine Ameise tötet,
die schreckliche, mächtige Ohnmacht eines Kindes, das ein Fohlen in seinen Armen hält, mein Sohn,
alle meine Erfahrung ist nur altes Fleisch,
ist nur müde Muskeln,
ist nur schlaffe Haut und Zornfalten und Lachfalten,
und ich erinnere mich nicht an mein letztes Lachen, wohl aber an meinen letzten Zorn,
ich erinnere mich an das Keuchen danach,
an die tauben Lippen, das Sirren in den Fingerspitzen, den wohltuenden, Beine wegschlagenden Schwindel, Knie die Sülze,
und lange noch spüre ich meine Nasenspitze nicht,
ich bin wie eine Kiefer am Hang,
die sich klammert an Stein und Disteln und Schiefer und hinaufwächst in den dunkeln Himmel,
um immer weiter hinauszuschauen in das Land, das ihr zu Füssen liegt,
doch weiss sie weder woher sie kommt noch kennt sie ihren Auftrag,
wie die fliegende Münze mit ihrem blinkenden Ratschlag, mein Sohn,
ich befürchte, es gibt ihn nicht, den Auftrag,
nicht für mich, das fühle ich,
ich habe viele Frauen besessen, wie die Menschen sagen, besessen und geschmeckt,
doch besitzt niemand ein anderes Leben, ein anderes Fleisch, eine andere Kehle,
für Augenblicke strich ich mit Torenfingern das Gespinst von ihren Gliedmassen,
doch konnte ich sie nicht ansehen,
ich war ganz eingesponnen in meine Scham,
sie bedeckt mich ganz und gar,
und jede meiner Taten ist eine abgewogene Unwissenheit,
die ich kundig mit Schweiss und Bauernregeln, mit Tränen und abschätzigem Überschlag vermische,
wie ein Kind, das mit Stöckchen spielt und einen Turm baut,
ich bin noch nicht einmal so alt wie du, mein Sohn.

Da kommt der Mond

Da kommt der Mond,
lange musstest du warten,
lange musstest du dich gedulden,
färbt die Augenblicke der Akazienblätter mit dem Quecksilber des letzten Gerichts,
wagt den Schritt über den Brunnenrand,
noch erglänzt keiner der Lachen zu deinen Füssen,
wie der schwere Abdomen einer Tarantel tritt er in den Zenit,
spinnt er seinen Traumkreis, seinen Zauberkreis,
hängt er seinen Deckel über dein Fluchtgefäss,
und du bist ohne Gott und ohne einen Plan, in dem die Frevler zappeln,
du vertraust längst nicht mehr auf die Wickelsprüche der Ammen und Generäle,
da bewegt sich der Mond, der Stellvertreter,
bewegt sich wie ein Totgestellter,
als fachte der Wind ihn an,
als packte der Wind ihn an,
spinnt in deinen Augen das alte Spiel vom Ergeben und vom Erheben:
Ergebung in deinem Herzen und Erhebung in deinem Herzen,
und du bist nicht länger eine Beute,
du bist nicht länger ein Abdomen voller Eier,
da kommt der Mond wie ein Gespinst aus Seide über deinem Schlupfloch,
und niemand hat dich noch zerdrückt,
niemand hat dich noch zermalmt,
dich und deine Brut,
und der Wind mag dort oben in seinem Säuseln die Geschehnisse auslösen,
der Wind mag dort oben in seinem Pfeifen die Geschehnisse ausbrüten wie eine Gaze auf einer Wunde,
wie die Silberfäden über einer Schürfung,
der nicht Heilung bestimmt ist,
die für die Hitze und für den Eiter bestimmt ist,
lange hast du auf seinen Trost gewartet
auf seinen kühlen, auf seinen blauen Trost,
lange hast du auf deinen Anteil am Frieden gewartet,
der kommt wie der Mond über deinem Loch,
der aushält über deiner Grube,
für einen Augenblick des Trosts in Silber und sandiges huschendes Gold legt,
was wie sein Licht eben erst und längst schon geschehen ist.

Hier bin ich mit den Asseln

Hier bin ich mit den Asseln,
hier bin ich mit den scheuen Huschern,
hier bin ich mit dem tränenden Kies und Ziegel,
hier bin ich mit dem Himmelsauge.
Hier ist gut sein,
hier ist gut warten,
vielleicht auch schlafen,
vielleicht gar träumen.
Hier ist die Stille,
hier ist die Einkehr.
Mit dem Rücken an der dumpfen Wand,
den Kopf im Nacken wie eine offene Amphore,
die Füsse im letzten, nageltiefen Wasser,
ist in die Ferne gerückt,
worum es geht,
wird schattig und umwölkt jenes,
was dir noch eben krallend an die Kehle langte,
jenes, was dir noch eben den Siegelring auf den Befehl zwang,
jenes, was dich gefesselt hielt mit seiner unabweislichen,
mit seiner aufdringlichen, hechelnden Schnauze im Schritt,
hier ist keiner der Anlässe, die dich reizen,
hier ist kein Geschehnis, auf das du antworten musst,
antworten, als wüsstest du bereits lange schon eine Antwort darauf,
hier sind die Asseln und die scheuen Huscher,
an deinem Rücken wächst Brunnenmoos und unter deinen Füssen nickt der Algenbart,
hier ist keine Hitze aus Entscheidung und Kampf,
keine Brutwärme auf nächtlichem Dach mit dem Gedankentamburin im Hals,
hier hätte sich Vater Josef heimisch gefühlt,
hier hätte er seine Träume wie langsame Fühler ausstrecken können in die verheissenen Landmarken,
die ihm in seinen Sinn ragen wie die Nasen seiner Brüder,
hier hätte er seine Träume überprüfen können
wie andere Entscheidungen,
wie eines der blinzelnden Blätter der Akazie,
die sich dort oben wie eine Mutter über das Gesicht ihres Sohnes neigt,
hier verstummen deine Entscheidungen,
hier geschieht nichts,
hier ist Vergangenheit und Zukunft ohne ein einziges Tätigkeitswort,
hier geschieht, unter den lichtscheuen Huschern und in den Himmelsspiegeln, etwas,
das dein Zögern zu einem Ereignis macht.

In die Dornen, in die Gräber!

Wenn ein Krieg beginnt, ist es weise, sich in die Dornen zu flüchten.
Wenn ein Angriff bevorsteht, ist es geraten, in die Höhlen zu schlüpfen.
Wenn du die Plänkler durch die unwegsame Landschaft ausschwärmen siehst, suche Zuflucht in einer Grabkammer.
Wenn das Rumpeln der Streitwagen in der Gluthitze des Mittags erklingt wie das Räuspern eines Kamels, ist der trockene Schatten einer Zisterne eine traumhafte Einkehr.
Wenn die Staubwolke der Marschierenden über Bet-Awen schon aufsteigt und die Trommeln der Feinde und die sirrenden Rufe ihrer Pfeifen dich schon umnebelt haben, kannst du immer noch wie die Echse in einem Felsspalt verschwinden.

Das Getriebe des schwarzen, öligen Himmels da oben,
in dem sich nur die Sterne vom Platze rühren wie die rollenden Augen eines verblutenden Stiers,
worin nur die Geier wie die Fingerbeeren eines Gottes ihre Lettern ziehen,
setzt Dinge in Gang, Tatsachen in Lauf,
die, fasstest du in ihren Lauf, sperrtest du dich gegen ihren ruckenden Gang,
dich zwischen ihren Backenzähnen wiederkäuten und schliesslich erbrächen,
ganz und gar zerschlagen und kaum mehr zu erkennen als Mensch,
und der letzte Zipfel deiner Wut hinge aus deiner rechten Flanke wie ein Waw,
und der letzte Keim deiner Tatkraft schösse pulsierend aus deinem Hals wie eine Strähne vom Haar deiner Mutter, schwarz und ölig-heiss,
darum denken nur an die Grabkammern in Michmas,
darum krieche nur in die grünen Dornen des Wadi es-Swenit,
darum zwänge dich nur in die Gimel der Felsen in der Schlucht,
darum hast nur über die Hügel hinunter an den Jordan,
denn wenn der Krieg beginnt,
nachdem du die Säule in Geba zerschlägst, mein Sohn,
ist es weise, sich vor dem Fussvolk der Feinde in Schutz zu bringen.

Pelagische Mitschrift. Rhapsodie

Lagos ist weit entfernt
Markerschwingende Kruste türmen
In den Fensterbeugen und das Knattern von Eintaktern
Spielen fast keine Rolle mehr:
Ich habe die Luke geöffnet und die Fluke schlägt
In meiner schwindenden
In meiner sich rundenden Leber und nein
Saul du hast hast hier kein Mitspracherecht
Hier türmt sich kein Tell und höhlt sich
Kein Wadi: Salz ist gegenwärtig
Gegenwülstig: unbeeindruckt sich selbst Gefahr
Und du Öl hängst in dem glitzernden Schamgewand
In das ich eine Burg baue
Die nicht am Meer steht
Und das letzte Stück
Aus regulärem Tritt
Ins Blau gesendet das Venusquellen erspäht
Mit kaum erkennbaren Sommersprossen
In Anbetracht meiner selbst
Auf einem Luftkissen
Und Luftlinien kehrt wieder mit seinen leichten rosenschäftlichen
Ansprüchen: sehr alte Männer die darin fehlten was sie zeitigen sollen hätten
Und Dagon fühlt sich leer wie ein Raum ohne Television
Und ihre Lieblingsblumen blühen in seiner Brust
Wie ein Warnung aus seiner Brust
Die eine Chrysanthemen-Venus erbricht
Und siehe da drüben ein Reiher
Wie eine Flötensaite zittert er im haigebauchten Schrammfelsen
Im Geröhr das Quaken jenes Knabens
So weit vom Archipel seiner Gebärerin entfernt
Und aufstöhnend in einem Ruck die ungezählten Male
Die du mich erfolgreich herbeigerufen hast
Unzählige feine Glutsprossen die du noch jedes Mal hinausgefunden hast
Und hast die Nacht gehalten
Wie ein angehaltener Glitschaufschlag
Und Öl erhebt sich
Wie ein geistiges Gift
Fremd und fern wie der eigene Körper
Dieser terroristische Normalzustand:
Eine auferstandene Akzentuierung
Über die Grenzen des Gebäudeumrisses hinweg
In diesem dislexischen aufgestandenen Eingangstür-Moment
Der sich weitet wie eine
Wie unsere regenriechende Matratze
Die über unserer Herzkammer vibriert
Über unserer Herzkammer
Die eine schlaue Schlaufe über den Bogen des Horizonts legt
So engagiert und motiviert
Wie eine komplette Melodie
Unbeeindruckt von den Vending-Maschinen
Und nur eines war klar:
Ich hatte mit Zeit gerechnet
Hier neben den Schäfchenwolken
Diesem buttergrünen buttergeschöpften Gras
Und schliesse die Augen in Freiheit
Und niemand verfällt mehr dem Zweistromland
Im wiegenden wimmernden Ziegelsteinstuben
Gelb angeheftet an die Nüstern der Zukunft.
I will never get you put together entirely
Im Verbheul
Im Verbheul
In den kurzen Schrägen
Meiner flatternden Hemdschösse
(und die Kinder blieben zurück
Und weinten zwischen Bierbüchsen und umgestossenen Flaschen)
Und in meiner vollkommenen Brust
In meiner vollkommen durchwurzelten Brust
So vollkommen wie das Kindische
Wo alles Kühle verstaut wird
Wie ein gewürzter Wasserfall
Fernab von unserer Norm
Eines Tages wird jemand herausfinden
Dass jedes Rechteck seinen ganz eigenen Charakter hat
Und die verschwommenen weissen Tupfer
Und die Trägerin sprechen
In ihrer frei gewählten Machtstellung
Und spielst fast keine Rollen mehr:
Ausgestochene blaue ungebauchte Socken
Dieser zungenartige
Rosa Eingangsteppich
Zu seiner Bibliothek
Schwelgründe und Moorpfründen seine Talente:
Du warst fast & far von den
Gewöhnlichen Reisenden
Kein Juba-farbenes Knäblein auf dem Perron
Weit weg gefangen
Zentimeterweise vorwärtskriechender
Übergekrümmter Dünensand
Und die Muscheln im Haar
Und die Augen in den Möwen
In denen ein Sturm aufzieht…
Strecke ich denn jetzt wieder meine Arme aus:
Das Küchenlicht ist scheisse –
Ich berühre es nicht mehr
Und nichts fällt ab für mich solange ich Sorge trage
Unter den Olivenbäumen:
Eine Kamilleblüten-Lippe im fahlen Tiefentauschein:
Verbeult von den letzten krausen Märchendüften
Denn so eine Landschaft würd ich mir
Auch an die Wand hängen wie einen nahen
Nahrhaften noch unbefingerten Horizont.

Kurze Anmerkung:
-.- Juba ist die Hauptstadt des Südsudan
-.- Erste Kursivsetzung: Zitat aus Sivlia Plaths „The Colossus“
-.- Zweite Kursivsetzung: Freies Zitat aus Jack Kerouacs „On the Road“

Wut und Tatkraft

Welcher Tatkraft bist du schuldig?
Wie hast du dich der Wut entledigt?
Wie sehr vermisst du den eingängigen Refrain deiner Angst,
der dir aus den Hainen voller Löwengerippe entgegenschallte?
Gibt es denn noch ein heiseres Zeichen von Entschlossenheit,
das dem unablässigen Schleppen an den chitinigen Schleppen aus Beharrlichkeit und Widerwort,
Ungestalt zwischen Vogelbauer und Salzlecke,
in dieser unerwartet von der Zukunft durchbrochenen,
in dieser knienden Form von Zuverlässigkeit zu widerstehen vermag?
Sind die dumpfen Münder der Ünder wirklich schon auch für dich verstummt,
verschlungen vom Ameisenlöwen in der leicht abschüssigen Fläche vor deiner Haustüre,
und genügt es dafür, sich als Bittsteller zu tarnen?
Sehen die Armen ein, wie sehr du in Tat und Wahrheit,
mitten in einem Jubel und mitten in einem Geheul,
das wie ein Mann anschwillt,
unanständig wie eine Verletzung im Rücken,
wie sehr du tatsächlich dein Herz knetest wie einen Hut vor dem Herrn,
deine Kehle wie ein ungeschlachter Keil unter deinem buttrigen Gesicht?
Sind die erbittert-forschen Schritte über das Pflaster vor deinem Haus,
und du rollst die Schultern katzenhaft wie eine philiströse Maschine,
und du bückst deine Stirn in den Starkregen,
ein Stier dem, der dich nicht kennt,
ein Nilpferd denen, die sich Menschen glauben nennen zu dürfen,
ist dieses Anrennen mehr als eine weiche Form von Mut,
eine lappende Vorhaut der Vorsicht,
zu Sand fallende Pfeiler, Halme letzter Ratschlüsse,
mutest du dir in all der Wut nicht zu viel der Tatkraft zu?

Aus der Hand dein Tag, deine Stunde, die Augenblicke

Dein Tag ist aus der Hand geraten,
deine Stunden sind wie flüssiges Eisen,
deine Augenblicke umspinnen dich mit drahtigen Sprüngen,
die Gesichter sind wie Schrunden,
die Gedanken ein Wühlmeer voller Mehlwürmer,
nicht das Geringste entgeht mehr deinem durchlöcherten,
deinem fassungslosen Herz,
die Stunden sind wie Scherben an deinen Sohlen,
die Tage sind wie Mühlsteine aus Mondlicht.

Du bist König, du bist König,
doch fasst du nicht die Leere deiner Aufgaben,
doch erkennst du wohl die Fülle deiner Preisgabe,
breit wie Ochsenrücken,
handlich wie Oliven,
und mit hängenden Wangen und losen Mündern versammeln sich die Menschen an deinem Tor,
in dir ein Ohr zu finden für ihre Talente,
in dir eine Hand zu finden für ihre Unfertigkeiten,
dein Tag ist an den Rand geraten,
eine Leichtsal sind deine Stunden,
ein wogender Abtrieb deine Augenblicke,
wildeste Geräumigkeiten eröffnen sich dir in den kleinsten Wörtern,
Schlupfräume und Bruträume,
niemand kann dir helfen, König,
niemand wird dir helfen, König,
da stehen sie still anstarrend, mit ausgerenkten Kiefern,
mit ausgeruhten Kiefern, Konig, oh König, was kannst du da tun?

Deine Hände sind noch geballt im Schlaf,
dein Herz erstickt deine Nieren,
deine Kehle ist überwachsen von den kurzfingrigen Blüten des Kreuzkümmels,
und deine Tage heben und hecken die Vielfalt ihrer Blattschneiden in deine geweiteten Nüstern,
pruste nur, oh König, pruste nur die Hitze deiner Kraft,
atme ein, oh König, atme ein die Nacht-Tröckne ihrer Achseln,
du riechst die süsse Bitternis der Ohnmacht,
du windest deine Hände wie eine Tänzerin in deinem Rücken.