Unwegsames Gedicht

Die Stiefelmeilen im unwegsamen
Leise seufzenden Mark der ersten
Unverzeihlich hingezogenen Blicke
Das im Hirn sich ausbreitende Rouge wie eine Zunge am Ohr
Die getrübte Nahsicht und die hoch aufgeschossene
Gleissende Fernsicht:
Mit dem blinkenden Gehorsam bricht der Mut in dir aus
Vielarmig und mit dieser dir allzu bekannten Zielstrebigkeit
Die nur ein Ziel kennt: den Verlust
Und dein aufgebrachtes Herz
Unter den billigen Griffen eines Fachmanns
Unter dem Wanzen seiner einschätzenden Abschätzung
Übt sich in den verklingenden Zuckungen einer Futtermethode
Dort oben auf dem Gestänge
Immer auch im Glauben an die Mästung
Während das silbern glänzende Blut zwischen deinen Zehen gluckert
Denn bereits hast du
Voreilig wie immer
Den zurückgelegten Weg vergessen
Und das schabende Geräusch am Leder deiner Entschlossenheit.

Die Behauptung der Hornhaut

Das zarte Fleisch einer Gefahrenzone
Umgewandt in die pfahlsteife Schwielenhand eines Morgens
Den du nicht erwarten konntest:
Die Sandpfoten mütterlicher Fährten im Himalaya einer tappenden Willensbekundung
Als gäbe es noch dieses eine Quäntchen Freiheit in deinem Leben:
Präzise angeordnet in den fallenden Schultern deiner ungezwirbelten
In Bälde prosperierenden Blütenstände
Aus denen kein Ruf nach dem Glauben kommt an eine Mindestanlage von Bereitschaftsgefühlen
die sich verkehren liessen in gewissere Panikattacken
verkehren liessen in die abgespannten Züge einer alten Liebe:
du begibst dich ungern
in jene abschüssigen ohrsatten Wartestände am Rande deiner Wahrnehmung
wo die Hornhaut sich noch ein wenig
noch ein letztes Mal fast sehnsüchtig behauptet.

Gedicht von den Scharten

Das Kamel am Ausgang der Schatten:
Ein herber Sockel
Körnig wie Reis
Knallende Verwahrungen wie verharschter Schnee gegen die flüsternden Versprechen von der sich weitenden Enge
Schalldurchbruch aus Ungeduld und Weile:
Eine Zornesküche im Schartentanz
Denn wir reden hier doch von der Musik
Oder zumindest von aufeinander folgenden Tönen
Wie Schläge im seichten Wasser
In die Seidentöne von Öl und Fett –
Ich weiss nicht mehr oder ich habe vergessen
Wie mir
Wer mir
Wo mir
Sich diese eine Fährte durch die sich engende Weite
Über diesen allzu nahen Buckel
Eingeprägt hat und ob es denn eine Fährte zu nennen sei
Und nicht eher eine Scharte
In deren scharlachrotem Insiegel die unsentimentalen Taten einer immer noch verfrühten
Immer noch leise wiegenden Ausweitung in die übermässig generalisierte Schattenei
Schattenöde
Schön wie gutwillige Brutalität
Rumpelnd wie Vorsätze im schmalen Aufmerksamkeitshorizont:
Dem Kamel den Ausgang bereitstellen
Bis zum unverzichtbaren
Bis zum verrenkten Gefühl von Leere
Von nahezu eisiger Wachsamkeit im singenden summenden Gefahrenumschlag.

Die Katze wischt mit ihrem Schwanz

Die Katze wischt mit ihrem Schwanz
Mit dem sie ihre Sprache in eine ausdauernde Schnürung verwandelt
Gott über den Hals und den gross geratenen Kinnrahmen
Aus dem Ihre Mandrillen-Wörter herabklingen
In den klippenhängenden Karren der Zeit
Der da hängt mitten in die Gesichter von Naivling und Weiser
Und sein Rollen und Rattern längst als überflüssig erkennen gelernt hat
Sein Hinunter- und Hinaufklettern in den Bergwerken der Seele oder einfach
In den Bücherborden der Dichter
Die ihn und seine Herrin immer wieder neu hervorgerufen haben aus dem glühenden Apfelgehäuse ihrer Menschenversagtheit
Mit ihren harten und hellen Nasen und ihren beim Singen
Kurz vor dem Wort ist es am besten zu erkennen
Wippenden Hälsen und die Katze
Die jetzt deutlich in ein Schnurrstadium hinübergehuscht ist
Zwischen den verständlichen Bleiben der Vergewaltigungsopfer und Teeniemütter (blau und flatternd) und ich sehe mein Gesicht
Aufscheinen im schwarzen Fleisch einer Frucht
Die zu meinen Füssen fault
Seit ich mich erinnern kann und meinen Worten die Würze gibt
Die mein Leben nicht hat und Gott
Mit Ihrer vagen Handschalengestalt beugt sich hinunter zu dieser einen
Zu dieser letzten Katze
Die Ihren letzten Spatzen und Ihre letzte Schabe gejagt und getötet hat
Aber nicht verschlungen und spürt die raue Zunge an Ihrem Kinnrahmen
Der wie eine Mauer aufragt in Gottes Stufengesicht
Und die Schlangenhaut im Himmel
Die Gott viel zu selten trägt
Löst sich im Mondlicht auf und rieselt wie Fischrogen oder Haarschuppen
Trocken und leicht ätzend in die hinaufgewandten Gesichter der Dichter
Die jetzt so aus der Ferne und seitlich von oben betrachtet
Mich an jene Prinzessin erinnern
An jene verkaufte Frau
Die Geschichte um Geschichte erzählte
Weil es ihr Leben galt und vermochte
In jeder Geschichte wie in einem Gedicht
Diesen kleinen Apfel wie ein Malum
Wie ein auflösender aufdringender fluch in der Drosselgrube Gottes zu bergenUnd Esau
Oder ist es wieder Ikabod
Der sich zu recht und ohne ein Wort im Herzen vergessen denn im Kehlkopf
Vordrängt um seinen murrenden Anspruch auf die Gärten in Ihren Herbstfeldern geltend zu machen und auf die Laubfeuer darin und wie ein Hut
Sich um die Kanzel Gottes windet der
Nachdem er nun auch die Katze erlöst hat in ihrem letzten hellen halb schnurrenden halb knurrenden Ruf
Sich endlich in seinem hühnerfüssigen Hüttchen über den Gotthard davon 
Stiehlt vielleicht auf der Suche nach den Bienen oder aber
Nach dem Samen eines Sennabaumes für den Garizim.

Endzeitfantasie

Dem Marabout über seine James-Stewart-Augen fahren
Den Samuel-Söhnen das Efod in den Gaumen klemmen
Die Mutter aller Fragen in die Tötungsprozesse einbeziehen
Dem Patriarchen eine Vulva-Olivenbaum eingeben
Dem Schamanen die Staatsräson –
Die Rasur der Fiktion verlängern
Zugunsten einer ausgedehnteren Mär vom Erben eines Landes
Das sich mit Wüste Meer und Anfällen von Sternen gepaart hat
Bis der Marabout mit seinem hektischen Nicken eine Bereitschaft anzeigt
Die Wiege der Gesellschaft auszuschütten
In die zäh-anhängliche Bitte um ein einziges Wort vom Prediger –
Während die Kaaba aus der Bundeslade und die Hagia Sofia aus dem Ersten Tempel steigt
Unter den Augen eines abgetrockneten Esels
Der die Schreie des Marabouts und die Seufzer des Patriarchen
Der mit seiner Fruchtbarkeit und mit seiner ansteckenden Perspektive
Seine Sehnsucht nach einer neuen Welt verschärft sieht
In das bacchanalische Gelächter des Schamanen und das ululierende Prophetentum der Samuelsöhne einbrechen hört
Wie der Widerwillen der Krähe in das Gurren der Taube
Und das leuchtende Geständnis einer Lüge am Horizont die Bereitschaft erklärt
Den Wort-Werten und den Menoren
Die wie Klappen an der Tür des Tempels sind
Durch die jene Wahrheiten und Fakten und Erinnerungen schlüpfen können
Die im Bundesladendunkel der Kaaba
Im Kaabadunkel der Menschenherzen
Noch nicht entrichtet worden sind und dennoch dort im Diesseits heimisch werden wollen –
Diesen Aberperspektiven die Unmöglichkeit nimmt
In die Wirklichkeit deines Schmerzes und deines Wohlstandes
Die niemand verdient hat
Einzudringen
Bevor den Heiligen endlich die Fruchtblase platzt.

Wörter jagen mit Vater

Eines Morgens brach ich in meines Vaters Studierzimmer ein und sagte,
Wenn ich erwachsen bin, will ich auch jagen, will ich jagen nach
Wörtern und Giraffen, Bildern, Büffeln und Büchern,

und er, einen Stift und eine Teetasse in der Hand, sagte, Kleiner Vater,
Wörter jagen kann gefährlich sein – aber es ist doch am besten,
früh anzufangen. Er winkte mit seinem Pic-Kugelschreiber und sein Büro verwandelte sich

in den Nyandarua-Wald. Es war Morgen, der Nebel stieg
von der Erde wie Atem, Strahlen von der Sonne fielen hart
auf den Boden wie spitze Nägel. Kleiner Vater, siehst du

Ihn? – fragte mein Vater. Nein, sagte ich. Schau nochmals hin – der Nebel
Ist ein Spiegel – siehst du ihn? Und ich schaute nochmals hin und
Da war ein Maasai-Krieger hoch aufgeschossen wie die Bäume, den Speer in der Hand.

Beschatte ihn, ahme seine Bewegungen nach, beschatte ihn bis
Seine Bewegungen deine Bewegungen sind. Auf meinen Füssen
Durch die Blätter laufend schritt ich hin, wo er war, hingekauert

Wie er, so nahe an der Erde, die Füsse einsinkend
In den Boden wie in Schlamm, drehte mich und las den Wind
Und schwand in den Nebel, bis ich eins wurde mit dem Wald.

Für einen halben Tag blieben wir so – müde und hungrig,
ich war bereit, nach Hause zu gehen. Aber mein Vater sagte, Ich sagte nicht
dies sei einfach – du kannst Wörter nicht mit einem vollen Magen jagen.

Und grad als er geendet hatte, geschah ein so lautes Brüllen
Und Stampfen, dass heisse Untergrundströme aufbrauchen
Wie etwa ein Dutzend Wasserröhren, die zischendes,

dampfend heisses Wasser hoch in die Luft schicken. Ich wandte mich zur Flucht,
doch der Krieger hielt seine Stellung. Als das Brüllen
und Donnern näher kamen, verwandelte sich sein Haar, geflochten und voll von rotem

Ocker, in so lange Dreadlocks, dass es schien, es seien dies
Wurzeln, die aus der Erde herausstiessen. Als die Verwandlung
Vollendet war, stand vor mir ein Mau-Mau-Krieger, den Speer

In der einen Hand, die selbst gebastelte Pistole in der anderen, die Augen so rot,
dass sie durch den Nebel aussahen wie heisse geschmolzene
Schlacke, die langen Dreadlocks tausend dünne

Schlangen im Wind, Blätter und Gras und Dornen
Schossen an ihm vorbei. Du musst ihm helfen, steh nicht einfach
Da, hilf ihm – flehte mich mein Vater an, doch kaum hatte ich

Meine kleinen Hände zu Fäusten geballt, erschien der Löwe
Hoch in der Luft, den Körper in seiner ganzen Länge
Ausgestreckt, und der Mau-Mau-Krieger zog den Speer,

als sei er eine lange Wurzel, aus der Erde. Der Löwe versuchte, mitten in der Luft,
anzuhalten, zog seine Pratzen als Friedensangebot zurück, aber es war zu
spät, und er liess ein weiteres Brüllen entweichen, als seine Brust einbrach

in den Speer, die Brustplatte gab nach, bis der Speer
seinen Weg ins Herz gefunden hatte. Sterbend dann tot,
setzte er seinen furchtbaren Bogen fort und landete. Ich winkte,

und das Bild stand still. Mein Vater kam zu mir
und fragte, Wieso hörst du mit der Jagd auf? Ich sagte,
«aber wir töteten ihn – ich habe, wofür wir gekommen sind.» Ich zeigte dorthin,

wo der Mau-Mau-Krieger seinen Speer herauszog
aus dem Kadaver, aber mein Vater schüttelte seinen Kopf und sagte,
– Du hast es gut gemacht, aber schau genau hin – wie kannst du

All das in einem Wort tragen? Wie können wir das nach Hause tragen?
Es ist zu schwer. Ich lachte und sagte – «Vater, so hilf mir doch.»
Aber er zeigte auf den Boden, auf einen stetigen Strom eines hellen

Dünnen Flusses, der sich wütend wand durch die Kerben
Des Speers in die Erde. Auch ich deutete, unfähig zu sprechen
– die Schönheit grösser als meine Vorstellungskraft. Ich war verwirrt.

Ich hatte keine Wörter. Komm, lass uns nach Hause gehen, Kleiner Vater.
Wenn du alt genug bist, wirst du die Wörter finden, sagte er.
Doch sei immer vorsichtig – ein Wort jagen heisst ein Leben jagen.

Mukoma Wa Ngugi,

übersetzt aus dem Englischen von Oliver Füglister

Schlüsselzähler

Die zugeschnittenen Zungen brennen auf den unbefellten Markierungen: darauf
Die unbeschnittenen Balsamierungsstadien und die unerlittenen
Mutterkrämpfe mit belangloser Arglust einspeicheln
Dem Horizont aus Papier und Rapier eine Antwort einfleischen
Die mit den Marken von Ernst und Zuversicht versehen ist
Darauf darauf mit dem Gutzumdruck für eine Aberwelt
Die zählt wie der Schlüssel zur eigenen Haustür:
Einen Effort in Konservierung machen
Der unbeleckt lässt die modell-degenerierten Ausfälle der Zurechnungsfähgikeit:
Ohne Hand und Fuss die Schlüssel zählen
Aufzählen die unerkannten Zähren
Wie in einem anderen Jahrhundert
Wie in einer anderen Zeitrechnung
Mit diesem Kurkuma-Sand in den Zahnzwischenräumen und Wortlücken
Wie im Tode steif
Und zählt die Schlüssel
Und lackierten Lückenbüsserkästchen für eine Waagschale
Keine freiständige Trapezhirne für die Erinnerung
Nur dieses blasse Blatt wie ein Brett mitten im Gesicht:
Noch so lange
Noch so lange
Auf diesen Schnitt warten in der argumentativen
In der argwöhnischen Lauerstellung
Die mit Vergessen gesegnet ist
Und zählte die Schlüssel
Und zählte die Schlüsse
Mit dem Zugang zu einem Tollmut
Zu einem wutlosen Wust aus Versehen und Ironie:
Eine fremdläufige Wüstenstadt
In der Zählen noch geholfen hat.

Weiter so, alles, was du machst ist fantastisch

Das Einstehen hinter den bereits vergrabenen Letzten
Ist mehr als eine Massnahme zur Beruhigung der Verwaltung.
Das harsche Gewebe aus Neigung und Barthaar
Die Absätze in untilgbarem Weiss
Das ausgemachte Bett der milchig-ungegenständlichen Strophen
Aus denen der Würgengel seine Sanftmut speist:
Unfassbar krasse Kontraste
In einer Moosdichte über Kerouacs Hirnschale
Die wie eine Nierenschale im Morgenhimmel liegt
In der noch Schnurrhaare einer sterbenden Katze treiben wie vergessene Rechnungen voller Staub und Salz
Aber keine Blendung oder Endung:
Unverdaulich bleiben die bekannten Pronomen
Die Fussspuren im Weiss unerweislich:
Ein weiterer Bürohengst mit seinem Kalkulator präsentiert
Neueste furztrockene Anleitungen für die Hebung von Lebensstandards und Wettläufe um Retortenbestände
Anstehende Bisswunden von Lettern
Tack-Tack-Tack Tack-Tack Tack-Tack
Weiter so alles was du machst ist fantastisch
Und wie ein fliegender Händler mit auseinanderfallendem Kinderspielzeug
Entsteht die Schlange vor dem Angesicht der Temperenzler-Rechtmässigkeit und
Zukunftsbewussten Vergangenheit:
Selbst die Anfälle von Schamhaar können nichts mehr ausrichten
Gegen die Nebelpetarden von gut geleckten Vorsilben und
Werkzeugschlitten voller Worthülsen.

Zumachtung

Ein Fall für die Zumachtung:
Kinspitze Kremgänge oder
Maulweiche Weisungen –
Das temperierte Ausschreiten vollbringt nicht einmal die Hälfte der Ausweichung:
Die Anerkennung der Tränen und die Anstände
Die wie Pfänder in die Schritte bändeln
Rechnen sich nicht auf
So sehr die ungemolkenen Ausstände
Die du bei dir nur noch Milieustudien nennst
Fruchtbar angelehnt sein mögen an die
Randnotizen einer Verstummungsprozedur: an die
Spitzen Kinnläufe von Ermutigung und Zuspruch –
Die Umnachtung hat in diesem Umfeld kaum noch Stand
Und die Fälle
Jeder einzelne von ihnen
Wurzeln unter den Kaulquappen und Wasserläufern
Deren Leichtigkeit du nicht mehr beneiden gelernt hast
Im Sediment-Fortschritt
Und mein Ohnmacht filterndes Geschick
Von Byssusseide verhängt
Glitzernd wie Tränen im Netz
Vollbringt letzte Zurichtungen für den Austritt.

Ein Gedicht schreiben: Anfangen, Innehalten

Es vergehen Tage, die deine Leere aushöhlen und vertiefen. Die Überzeugung, du hast nicht nur nichts zu sagen, das Sagen sollte dir endgültig und schon immer verwehrt, seit jeher genommen worden sein, weil es immer schon Maniküre, meinetwegen (noch schlimmer) Pediküre war, ein selbstermächtigendes Tändeln und Herumschwänzeln, diese Einsicht bestärkt deine Wehrlosigkeit. Fremde Wörter munden dir mehr als sonst, die gelesenen Seiten sind voller Unterstreichungen.

Doch da tut sich was in dir. Denn im Lesen, im Spazieren, im Schlafen arbeitest du. Nicht genau du, eine Stimme in dir kaut Vergangenes und Zukünftiges wieder, gutmütig und geduldig, schwerfällig und leichtfüssig, barfuss.

Es kommt herauf, so sagst du diesem Prozess, es steigt auf. Du kannst schon seine Lichthaare sehen im grünen Wasser, die sich konzentrisch zu dir hin ausbreiten.

Du möchtest aufspringen, ein Heft nehmen und deinen Stift. Doch du weisst, der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen, auch wenn du schon fast verhungert bist, fast ganz ausgehöhlt, fast ganz vertieft.

Es verträgt weder Hast noch Gewalt. Es verträgt nur Fürsorge und Aufrichtigkeit.

Daher springst du nicht auf. Wenn du schon aufgesprungen bist, notierst du dir im Stehen die zwei, drei Wörter, die es vorerst auszumachen scheinen. Im Stehen, bitte, und gehst weiter, liest weiter, kochst weiter.

Es kommt nie im Reden, selten im Zuhören. Es kommt immer im Schweigen, durch das dein Denken und Fühlen wie eine Achäne treibt.

Es ist auch nicht das, was zu schreiben du dir vorgenommen hast. Es sind dessen Wurzeln oder dessen Triebe. Oder seine zerstörten Schiffsplanken am entfernteren Ufer.

Aber du möchtest anfangen, du möchtest es schreiben. Ein Prozess des Anhäufens hat begonnen, zuerst langsam und dann immer schneller. Assoziationen, Laute, Bilder überfluten dich. Sie kommen barfuss über den Strand auf dich zugelaufen, mit ausgestreckten Armen wie ein Kind.

Es ist zuviel, es wird zuviel. Du bist doch kein Kiosk, keine Samenbank!

Jetzt solltest du schreiben, jetzt musst du schreiben, denkst du. Nichts da, warte noch ein wenig.

Denn erst wenn dieses Zuviel sich wie Sand oder Schlamm unter deinen Schritten wieder gelegt hat, darfst du den Stift ansetzen.

Deine Aufgabe ist es zu erkennen, wenn unter der Vielfalt der Stimmen und Vergleiche, wenn unter der Vielheit der Alliterationen und Zitate diese eine, was in dir vor Stunden, vielleicht Tagen in dir Auftrieb gefunden hatte, nochmals und von Neuem, fast wie zum ersten Mal, seine lieblich verschwollene Gestalt zeigt.

Jetzt setzt du dich hin, und immer noch gilt es nicht zu überstürzen. Ein Wort ums andere zu schreiben, den langsamen Aufstieg und Fall der Sedimente ebenso langsam und fallend nachzuschreiben, als würdest du ein Fossil freilegen, das in einer zerborstenen Amphore geborgen lag.