Hölle / Eigen

Das kommt davon:
Wer sich mit Stimmen
Kolonialisiert: muss
Eine Scheide werden
In die zurückzustechen
Es schwer fallen muss:
Ein Begriff davon
Gezeichnet zu sein:
So ist das nun einmal:
Wer weit spricht
Kennt sein Innen:
Eine Anlage halb Darm
Halb Speiseröhre
Eingewachsen in Eigenes:
Mit Bruststimme rede ich
In diese vorgestellten Vorfahren
Mit industriellem Verfahren
Hinein: Toyotisierung
Des eigenen Totems.

Ich ist Nicht

Kein Unterschied:
Kein Unterschied:
Vergiss das Ich
Das Du ist näher dran:
Verstellung über Vorstellung
Führt zu einem inneren
Die Enge weitenden
Dialog: Tropfen aus Mehr
Und Mir: ein ganz und gar nördliches
Vorhaben: mit gespaltener
Zunge das Wissen auflecken:
All die Abweichungen
All die Angleichungen
Ineinander schnüren:
Stimme scheidet
Den Osten vom Westen:
In Vielzahl ist Sonne
Gerettet vor Wut und Anteilnahme
Dir näher: Krüppel.

Von einem kleinen Zeichen

Sieg ist nicht Sieg,
Niederlage ist immer Niederlage,
ein kleines Zeichen beschwert die Waagschale,
das Zeichen namens Mensch,
das Zeichen namens Verstand,
das noch anwachsen kann zum Zeichen namens Einsicht,
und dieser Gott mit seinen Rechten und Vorschriften, Vorhaben und Verstellungen,
der will keinen Verstand,
der will keine Einsicht,
wehe dir, König,
der will Resultate und Enge,
Steine, Grenzen, Stümpfe, stockende Herzen,
stupide Läufe, Sternum-Taten,
der will Analphabeten,
die Sand und Blut auf seine Schale laden,
der will die Siege wie das Würgen in der Kehle,
der will Niederlagen, die das Land selbst schächten,
und ein Zeichen, das wie eine Hirse,
und ein Zeichen, das wie eine Linse in die Runde geworfen wird,
kann doch die Güte der Ernte nicht verderben,
Niederlage ist immer Niederlage,
und in ihr zu lesen sind die trockenen Disteln,
die Spreu im Wind redet aus ihr,
wie die Schamröte im Gesicht reckt sie sich vor dir,
denn die Törichten fragen erst nach diesem Gott mit seinen abgeschlagenen Köpfen und aufgetürmten Hörnern,
wenn der Schrecken und die Schmach zu schwer werden in den dumpfen Herzen,
in den verstummten Kehlen,
in den abgestorbenen Lebern,
ja, wehe dir, König,
ein Sieg kann kein Sieg noch werden,
denn heimtückisch schmiedet dieser Gott mit seinen Augen voller Knochenmehl, mit seinen Händen voller neuerlichem Lehm,
Stumm und tatenlos wie ein hoch getragener Kopf,
niederträchtig schmälert dieser Gott mit seinen verbrannten Versen das Feuer,
das im Menschen brennt,
das aufschiesst aus dem einen kleinen Korn.

Leiden

Praktiziere das Leiden:
Verliere im Versenken
Den Massstab von Vorgabe
Und Enge: entferne dich
Von der Kontrollstation
In der Ödnis
«So machen wir das»:
Aufbrechen die Klammern
Die so schön steif halten:
Das Nieder innerlich anbeten
Und aussen vor das Hoch
Ausrollen lassen in den
Vorbestimmten Dreck:
Demütig in die Dornen gehen
Mit einer Stimme
Voller Wut und dem Glauben
Weit westlich liege
Fast schon vergessen
Dein noch sauberer Anfang.

Nutzlos

Liebe das Nutzlose
Im Menschen: aufzeigen
Das Scheitern als Glück:
Das Leiden als Freude:
Versagen als Kontrolle:
Ohne Fähigkeiten streifen
Und ohne Vorbereitung
Verstossenes und unbekannt
Entbehrtes: Abseits
Reich wie ein Gott:
Richtschnur voller Kot
Spucke und abgetakelte
Dschunken vor dem Kap
Kadokura: verschlagen
Diese Stammelstimmen
Hilflos und demütig
In den Westen: nutzlos
Bereitest du dich vor
Auf einen anderen Weg

Auflösung 3

Angezecktes Nagerhirn
Unterwegs im Klein-Klein
Mit Erdbeeraugen auf Profittour
Den spärlichen ausgewaschenen Pelz laust es
Dem Nächsten hinter den Marktständen
Wo die Katzen sich sonnen
Das Nierenleiden kurieren
Die Koliken: das nachwachsende Gebiss ist gesetzt
Kein Kriterium mehr:
Hinter den Ohren und am Walfischbauch sitzen die Sprösslinge
Und saugen noch ein letztes Mal von dem guten Blut
Das keine Erinnerungen mehr trägt von Göbekli Tepe oder Gunung Padang:
Im Overdrive vom Klein zu Klein –
Noch einmal sich festbeissen mit Pilzen in den Augen und Myzelien an den Beinen
Noch einmal auf dem Präsentierteller die grosse Erzählung verzecken mit
Weit aufgerissenen Augen
Laufender Nase
Zähnefletschen
Und in den Stein hauen
Für die nächsten Nagerhirne:
Wo sind die Vögel hin
Wo die Erzwespen –
Und im Scheinwerferlicht noch einmal die Nackenstarre spielen lassen

Auflösung 2

Die Erdbeschleunigung umläuft mit ihren zitternden Muskelsträngen die reglosen Schläfer
Deren Augen die quantenmechanischen Diagramme und Geschehnisse ablaufen
Die wie Füchse durch ihre schlaffen Erfolgshinterläufe schnüren
Und die Bisse fahren in die Entscheidungsgründe von Kapitänen
Die vor Tollwut ihren Schwanz suchen
Der ihnen eine neue Kurve von steif gereihten Züpfen beschreibt
Und die Muskelberge über den Mengen
Halb Süssspeise halb kalbende Gletscher
Lockern ihren Griff um das Bündel von Wirklichkeit und Perspektive –
Die Schläfer halb schon bedeckt von blenden zarten Knochen
Die sie über Lenden und Brust streuen
Tief in ihren zwielichtigen Abmahnungen und Versuchsanordnungen
Rühren nur ihre ausgehöhlten Finger im angewehten Sand
Führen nur ihre angewärmten Stirnen und ihre rinnenden Nasen ins Sichtfeld hinaus
Wo die Erdbeschleunigung auf ihr Beineln wartet
Auf ihr Gelämmer –
Die Schläfer verstehen nicht und haben verstanden
Die Anzahl und die Unzeit der Anzahl und
Führen ihre Läufe durch die Maschinenhallen und durch die Unterdrucktempel
Bis nach Goma und Idlib
Bis nach Wuhan und Conakry
Und über den Tropenmeeren strecken sie ihre Gottesfinger nach dem Mars aus:
Die Erdbeschleunigung streift ihre Gummisohlen ab
Bevor sie ihre Erregung den Rändern mitzuteilen beginnt
Wie ein unsichtbarer Planet jenseits der Goldschlingen von Versprechen und Schutz
Dessen Umlaufbahn die Schläfer berechnet zu haben glauben
Aber er ist nicht da –

Auflösung 1

Von den Rändern her wird es kommen
In der Form von Mäusen und Ratten
Von Schweinen und Fledermäusen:
Von den buschigen Hügeln Madagaskars herunter
Aus den Rodungswüsten des Amazonas –
Und in den Palmhainen Borneos geschieht es
Bereits mit dem gierigen Lappen eines Alleskönners:
In der Kapitalismusform eines Nagergebisses
Im Dichtestress einer Mückentilgerin
Im Ödewerden des Landes:
An den Rändern flirrt es
Als gäbe es dort noch
Nicht kompetente Wirte zur Genüge
Und vielleicht noch weit weit hinten
Im letzten Hektar Primärwald
Wo sie alle zwischen den Luftwurzeln der Mangroven kauern
Wie bei einer Konferenz oder einem Abschied.

Aus dem Schweigen herunter

Nicht die tausend Ankünfte eines Sperbers
Noch die langsam erhobenen Krämerauskünfte –
Angekommen für das Reissen eines grösseren Geheimnisses in der Wunde Mensch
Diesem geborgten Schweigen auf der Krete einer paarungsbereiten Kröte
Ausgesprochen aus dem flachen Herzen eines umlufteten Steins
Dem das taubengraue innere Gefieder in der Stille schmelzenden Eises aufblüht
Aus dem Mangel an Zierde im denkenden Herzen: ausgeteilt
Mit klingender Münze und dem nötigen Plätzchen
Dem nötigen Rädchen
Das wie die lappende Zunge eines Kindersommers
Den Stürzen widerspricht
In denen doch das Schweigen geborgen
Gesammelt ist: nicht das fette Dutzend von langsam aufsteigenden
Warenströmen noch die zögernden Augenblitze über den Schründen –
Aber die kostbaren Brauen
Diese Floskeln wider die Sonne
Aber die spitzen Schreie
Diese Wälle gegen Gurren und Quarren.