Komm zu mir, mein Lieber,
tritt heran, mein Liebster,
nähere dich sehr,
rücke herzu,
zu kurz sind meine Arme,
zu gross ist deine Schönheit,
deine Locken sind wie ein Wasserfall im Nachal Arguot,
deine Brust und deine Schultern schöner als die einer Frau,
ich träume von Flügeln, dich zu fassen,
ich wünsche mir die Wurzeln eines Olivenbaums, um dir immer Schatten zu spenden,
den Lauf des Strausses, um dir zuzueilen,
den Fuss einer Muschel, um bei dir zu bleiben,
hier ist mein eigen Rock,
hier ist mein eigen Mantel,
vollgesogen von meinem Eifer für dich,
gewürzt mit meiner Neigung für dich,
komm zu mir,
sammle meine Freudentränen über deine Ankunft,
den Tau des Dankes über so viel Schönheit und so viel ungetrübten Spiegelglanz,
jeden Augenblick meines Lebens möchte ich neigen wie eine hochwachsende Rose zu dir,
deinen Geruch aufsuchen wie eine Biene im frühen Frühling, wenn die die Morgen noch frostig sind,
jeden deiner Atemzüge möchte ich vor mir hertragen wie Trompetenstösse über der Mauer deiner Augenbrauen,
tritt heran, meine Liebe,
scheu dich nicht vor meiner Liebe,
hier ist mein eigen Schwert,
hier ist mein eigen Bogen,
hier ist mein eigen Gürtel,
in deinem Schatten ist nichts mehr vonnöten ausser Ehrlichkeit und Hingabe,
nimm alles zu dir,
du bist wie mein eigen Leben,
ich liebe dich wie mein eigen Leben,
wo du gehst, will ich gehen,
wo du ruhst, will ich ruhen,
nähere dich sehr, mein Lieber,
die Arme um dich sind zu wenig,
Lippe und Zunge reichen nicht für dich,
kühle mich mit deinem Lächeln, das wie das Rieseln von Steinchen unter Kinderfüssen ist,
lass mich wohnen in deiner Magengrube,
lass mich flüchten in deine Kniekehlen,
denn da kommen andere herbei.
Autor: ofueglister
Michals Lied
Ich fürchte mich vor ihm,
ich fürchte mich für ihn,
er ist ein Strom von Schafen, von einem Bärenjungen vor sich hergetrieben,
er ist eine Flut von Katzen, den Häutern entflohen,
er ist ein Geschiebe von Geschichten, in dem du warm erblühst,
das liebe ich an ihm,
für den ich den Hausgott in meinem Bett schlafen lasse,
für den ich meinen Vater zu verachten lerne,
den ich in meinem Schosse wie ein Kuckuck hege,
er sagt sein helles Barburim, barburim,
es gellt in meinen Ohren,
meine Ohren verwittern,
können seine Beschwichtigungen nicht hören,
seine Ausflüchte, die wie Versprechungen klingen,
wie stolpernde Töne eines einzelnen Huhns allein im weiten Hof,
und ich trage meine Sorge an meinem Hals wie eine Kette aus Bärenzähnen,
ich laufe mit meiner Sorge von Hof zu Hof, als suchte ich Gefährtinnen für einen Tanz,
die Sorge klingelt an meinen Knöcheln wie Schnecken,
meine Sprünge sind schmutzige Kinderhände,
die Tränen im staubigen Gesicht verreiben,
und ich fürchte um die Augen meines Vaters, in denen leise die Flamme der Torheit flüstert,
ich fürchte die Augen meines Jungen, meines treuen roten Burschen,
der so lebhaft ins Bett hüpft am Ende eines Tages,
flatternd mit den Armen wie ein Perlhuhn bei der Flucht,
als sei er eine Geiss vor dem Bocke,
eine Gazelle vor der Löwin,
ich fürchte sein Kichern, das seinen Geschichten niemals genügend Glauben schenkt,
ich habe Angst vor jenem Funken in seinem Herzen, der nicht menschlich ist,
der selbst im Hochsommer das Nachal Michmash für den Jordan hält,
die Tröckne für die Flut, den Fall mit dem Flug,
und so hänge ich nun in dieser Nacht ein Seil aus meinem Fenster,
an das ich ihn hänge wie damals Rahab ihre Gäste,
als solle er sich ein Land erobern, das ihm zugesprochen ist,
als solle ich seine Feigheit mit dem Widerstand einer Frau bedecken.
Der Knabe unterm Pfeil
Der Pfeil fliegt hoch,
der Knabe läuft,
wie hoch fliegt der Pfeil,
wie weit läuft der Knabe,
am Abschiedsstein vorbei,
durch Dornen und sandige Mulden,
näher dem Himmel der Pfeil,
näher dem Erdboden der Knabe,
im stolpernden Lauf, im gebogenen Flug,
der Knabe eilte voraus einmal,
der Pfeil schnellte schon weiter,
die Rufe des Herrn wie das Krähen des Hahns,
die Befehle des Herrn in seinem Rücken wie das Ächzen eines Mühlsteins,
der Knabe wie ein Stöckchen nah über den Boden geschleudert,
der Pfeil wie die Grenze zwischen einem Menschen und einem anderen Menschen,
schmal wie die Kehle zwischen Himmel und Horizont,
aus der die Zukunft kommt,
wie der feine Riss im Bein des Stuhls, auf dem der Geliebte die Geliebte in seinem Schosse wiegt und hegt,
doch was ruft er «weiter draussen»,
doch was ruft er «suche weiter weg»,
ich sehe den Pfeil doch fallen,
sehe doch den Pfeil in langsamem Drehen um seine Achse im Fall,
muss meinen Schritt schon hemmen,
soll ich denn durchbohrt werden von oben her aus dem grünenden Himmel,
da steckt der Pfeil schon im kiesigen Grund,
schon kippt er aus dem Stand, findet keinen Halt,
ein alter Mann, der noch und wieder vom Tod seiner Töchter und Söhne hören muss, fällt er seitlich hin,
die silbernen Federbüschel seines Kopfes leuchten einmal noch auf,
und leise klappert das Hölzchen auf den Felsenrücken,
der sich wie eine Faust rundet unterm Menschen,
es klingt wie der Fall eines Stöckchens auf dem Spielbrett, das nicht sorgfältig eingesteckt wurde,
die Spieler waren voller Hast und hatten einen Plan,
die Hände zitterten ihnen vor dem Ziel,
ihre Hände schwebten überm Spielfeld wie Pfeile im Flug,
seitlich liegt das Stöckchen mit seinem Schakalkopf auf dem Holzrücken des Spiels,
doch was schreit er «weiter draussen», «weiter draussen»,
da habe ich den Pfeil doch schon in der Hand und bringe ihn zurück.
Das Lied des Pfeils
Heute stelle ich niemand nach,
heute habe ich kein Ziel, das mich will,
einen unschuldigen Stein kann ich treffen und von ihm abprallen mit einem Geräusch wie Kinderlachen,
im trockenen Boden kann ich mich nach viel zu hohem Fluge einbohren und haltlos umsinken,
doch noch liegt meine Wange an der Sehne,
doch noch liegt meine Spanne an der gespannten Sehne,
noch bin ich glücklich zu preisen, dass mein Flug Gutes wie Böses verheissen kann,
und der Junge, der mich aus dem Köcher zog, ist glücklich zu preisen, dass er einen Freund hat,
für den er mich aufgespart,
für den er mich bestimmt,
heute bin ich ein Pfeil der Freundschaft,
ein Pfeil für die Sorge und Liebe,
eine Botschaft für eine Grasnarbe, die nichts um ihr Glück weiss. SELA
Und im Flug, den ich nun Widerwillens nehme,
im Flug durch frühen grünen Morgenhimmel vergesse ich mein Zischen über dem Auge, das fehlt,
über dem dunkeln Schatten im Himmel,
den die Menschen feiern,
denn sie wissen um seine Anwesenheit in der Abwesenheit, wissen es im Voraus,
denn sie wissen, was abwesend ist, kann anwesend sein, auch wenn es nicht zu sehen ist,
wie der Junge da in den Dornen, sein Gesicht vom Hoffen ganz zerpresst,
als läge er wie ich gerade an einer Darmzunge, die aufs Zuschnappen wartet,
an einer trockenen Darmzunge, die jederzeit zum Singen bereit ist,
wie der Junge, der mich angelegt hat, als spielte er mit meinem Flug um den Jungen im Gebüsch,
mit seinen verkniffenen Lippen seinem Vater mehr gleicht, als er je wissen wird,
und jetzt streift die schwere Morgenluft meine pfeifende Kehle,
das Leben ist in mir,
der Flug ist mit mir,
und ich höre den Lauf des Knaben unter mir,
und ich schlage ein im Geröll, das aufstiebt wie flehende Hände,
und der Schütze ruft mit Silberstimme,
hat denn jemand meinen Gesang gehört?
Die erste Rede des Speers
Ich war in seiner Hand,
seine mächtige Pranke wärmte mich und würgte mich,
ich lag allezeit in seiner Nähe,
er war mein Eleasar von Ahoach,
ich war sein Weberbaum,
mit dem er seine Geschichte wob. SELA
Ich war sein Einziger,
ich war sein Weniger,
ich ragte heraus,
ich erhob meinen spitzen Kopf über die Menge,
ich war mitten unter Löwen,
ich kam aus den Flammen,
ich kam von den Bergen des Libanon,
und wenn ich flog, blitzten in den Gesichtern der Menschen die roten Zungen im dunkeln Gaumen auf,
und ich sah ihre vielfarbigen Zähne kleckern und aufeinandergepresst wie schadhafte Gefängnisgitter,
und wenn ich stiess, ergötzte mich das weiche Geräusch aufplatzenden Fleisches bis zum Schaft,
ich war allezeit in seiner Hand,
für seine Hand war ich gemacht,
ich war ein Freund in seiner mächtigen Hand. SELA
Er war mein Jischbaal,
der von Gott nichts wusste,
nichts lernte von Gott ausser seiner zufälligen und zungenzerbeissenden Macht,
die ihm nahe war in mir,
dem seltenen Prüfstock,
dem aussergewöhnlichen Fleischeswerkzeug,
und kämen auch die Menschenkinder mit glatten Reden zu ihm,
er wusste um mich, ich war ja da,
er brauchte nur seinen Kopf nach rechts drehen, da stand ich schon,
ich sagte, Ich bin hier,
und er riss mich aus dem trockenen Fleisch des Bodens und legte mich auf seinen hitzigen Schoss,
dass Berater und Bewacher und Sänger und Diener aufstiebend zur Seite zurückwichen,
oh ich liebte den Geruch dieser Handfläche,
schwielig war er und erdig und eiterbitter,
so riecht der Mensch, flüsterte mein Schaft der Klinge zu,
so riecht der Zorn, flüsterte die Klinge zurück,
so riecht die Scham, erwiderte der Schaft,
so riecht die Ohnmacht, antwortete die Klinge. SELA
Er war mein Schamma,
ich war sein Tuchbaum, an dem seine Geschichte sich aufspannte in all den dunkeln Farben, die wir lieben,
und seine rechte Hand war mir nah wie andern ihre Halsschlagader,
mein Holz roch nach Mensch,
ich war von seinem Blut,
ich war von seinem Fleisch.
Mein Sorgen-Sohn
Mein Sohn lebt in seiner eigenen Welt,
die ihm nur offen steht,
er schüttelt seine hellen Locken und verlässt die Grube unseres Lebens,
hinterlässt dunkeln Schatten und zögerndes Licht,
der Rest von uns soll sich mit der Fantasie zufriedengeben,
mit den widersprüchlichen Taten und den wiederkehrenden Bedenken,
mit dem ausdauernden Abwägen und den unmenschlichen Verträgen,
doch mein Sohn ist fern davon,
durchstreift die Gärten mit seinen Freunden,
durchdringt die schönen Schatten der Höhlen am En-Gedi,
wo das Rauschen der Quellen mit dem Rauschen des jungen Bluts zusammenklingt,
diese Jugend hat eine Stimme,
auf ihren Köpfen schimmern die Hörner von Gazellen, die schnell daraus springen,
diese Jungen sind zu Menschen geworden, die die Liebe Gottes verdienen,
das Wohlgefallen aller Frauen,
doch mein Sorgen-Sohn,
seine Wirklichkeit trägt ihn weit hinweg,
da steht er Hand in Hand mit meinem Feind, dem Märchenprinz,
ihre Locken wie die rollenden Perlen in den Händen der tyrischen Mädchen,
ihre Schritte tragen ihre schweren süssen Herzen leicht durch die Felsenwelten wie Straussenläufe,
ich sehe meinen Sohn in seiner eigenen Welt versinken wie zwischen den Lippen des Abendsterns,
mein Zorn verklingt,
mein Wehmut, oh Abendstern, ertränkt die Freude über diese Frucht an meinem öden Baum im ausgeleerten Wein,
mein Grimm erschlafft,
die Leber reisst an meinem Leben wie ein Komet im Himmel an meinen Wünschen,
mein Sorgen-Sohn streunt mit dem Märchenprinzen Ohr an Ohr durch die Gärten der Stadt,im Schutz der Tamariske küssen sie sich,
kichernd wie die Smaragspinte im Nachal Arugot,
die Augen meines Sorgen-Sohnes entfalten sich wie die Blüten der Kordien,
und der Vater meines Feindes legt mir am Schiloach beruhigend die Hand auf den Arm.
Horror vor dem Sänger
Weich und schmierig ist es um mich her,
erstickende Wachsmomente häufen sich um mich auf,
eine Reihenfolge von lächerlichen Kränkungen legen sie mir zu Füssen,
ein Gewusel von Kleinigkeiten sucht mich heim,
ein Bienenstock, der aus Ameisen besteht,
und siehe, da kommt der Sänger mit seinem gekitteten Gesicht,
da kommt der Sänger mit seiner verlaufenden Stimme,
mit seiner Bärenstirn kommt er zu mir,
als habe ich ihn gerufen, auf dass er mir den Morgen beschmiere mit seinem Geheul,
das ganze Generationen zerstört,
ausgemergelt, hysterisch, nackt,
mit dem Terror von nebenan im Ohr,
so kauere ich im Schatten des Throns,
ich höre seine Sandalen quieken auf dem Steinboden,
ich sehe sein Lächeln schmelzen im unschuldigen Licht des Wüstenmorgens,
der mich getröstet hätte,
gäbe es nicht die Menschen,
die mit ihren schleimigen Mienen wie Mauern auf mich einreden,
ich rieche seinen Milchatem voller Mutterzimt,
ich schmecke die Dichte seiner Generationenlast,
das zähe Rinnen seiner Traumen zerläuft in meinem Gaumen zu einem würdereichen Würgimpuls,
als steckte ganz Israel dahinter und darin,
ich ertaste die zitternden Klammern seiner Harfe,
mit der ich festgezurrt werden soll wie ein Kamel,
das nicht gebären kann noch will,
ein ausgelieferter Reim erklingt bereits in der Höhle meines Herzens,
eine ausstehende Vision erhebt ihren zuckenden klappenden Schädel,
da kommt der Sänger mit seinem Hasengesicht,
mit seinen vorstehenden Händen auf der Brust,
da kommt er mit seinem hechelnden Lächeln,
als könne er ganze Generationen für immer verstören,
in Strömen von Licht,
die in Stauböden kauern,
in den kalten Nächten Visionen erschauen,
als könnten sie die Trauer und den fliessenden Menschenbrei, der sie umwallt, verschlingen,
ohne je die Stimme zu erheben.
Horror des Sängers
Singen soll ich nun,
anstimmen muss ich nun, wovon die Rede war,
einen Trost erbringen, dem ich versprochen war,
ein Lied vollbringen, das nicht von mir sprechen wird,
jenen Worten Raum geben, die für mich bestimmt waren,
für meine Siege und Sünden,
ich fürchte mich vor dem Lied,
dem ich in den Schoss falle,
vor dem Gesang, der mich erstickt;
in das Falsett verfallen von Ruhm und raschem, rechten Loben,
ansingen gegen den Schatten eines kruden Fehlers,
einer Kehle den Atem zurückgeben mit meiner Stimme,
die nichts mehr weiss von ihrer Stimme,
die nichts mehr weiss von einer Stimme,
ich soll das Worte jenen geben, die es den anderen schon immer in den Mund zu legen verstanden,
muss mit der Harfe klimpernd den Menschen dienen,
das Werben des Bülbüls entringen dem Halse des Storchs,
das unermüdliche Gurren der Tauben im Regen darbringen,
die Geister rufen, die im Schlummer des Hochmuts aufgehoben sind,
die Herzen erregen, die im Schlund der Einbildung ruhen,
halb verdaut und halb aufgelöst,
ein Sänger soll ich sein vor dem Herrn, der in Ungeduld und Zerschlagenheit brütet,
der tief in seinem starren Hals noch immer den Verlust eines Esels betrauert,
ich, der ich meine Schafe betrauere, die ich verlassen habe für die donnernde, steinige Stadt,
für die eisigen Mienen des Rats,
singen muss ich nun, das Wort ergreifen in dem Moment,
da es erblüht und noch nicht ausgerissen ist,
die nasse Schwester Wurzel allein im Schlamm stecken liess,
ein Lied darbringen, das ich nicht in mir trage,
die Stimmung aus der Luft greifen wie den Staub eines Gewürzes über Mutters Töpfen,
die Stimme schlagen wie eine Münze,
auf der nicht mein Bild ist,
mit eigenen Worten von fremder Rede reden.
Gezellig
Ein Entwurf schiesst über mein Herz hinweg
Weit entfernt von einem Regenbogen
Mit einer Vielzahl von entrungenen langen
Rochaden und Samenpflegen – Samenflügen –
Ein Entwurf von einer entstellten Lade
Einer geprellten Nabe: ein Angesicht von unentzählten
Merkbereichen und nicht wahrgenommenen
Rachenlauten: bisher war ich
Traubenhaft in den gähnenden Zahnrädern verankert
Die leise und langsam sich ihr Soll erquälten
Die Brüste unzweckmässig vorgestreckt
Die Schwänze mit Haftzwecken festgesteckt
Doch ein Exkurs in die vielfarbigen tauenden Lande der Bemerkungen
Halb Erker halb Kerker
Scheiterbeigen der Mutmassungen
Hat mich die kalte Progression gekostet
Die ich mir aufgehoben hatte für den Moment
Da mein aufgefälltes Herz mitten im Winter
Weit entfernt vom Regenbogen
Mit einer Vielzahl von Zentren und Mantren zusammenfallend
Den einen Ton von sich zu geben beginnt
Den ich immer schon befürchtet habe:
Das ungesteuerte Lockern des Schlafes.
Märchenprinz II
Die Frauen sagen:
Zehntausend hat er erschlagen,
mit blossen Händen hat er sie erwürgt,
seine Schultern sind schmächtig wie ein Steg übers Wasser im Mondlicht,
seine Schenkel sind zart wie Distelstängel, leuchten wie Milch,
doch trifft uns sein Auge,
erweckt er in uns ein Rufen und Heulen,
doch trifft uns seine Stimme,
entlockt sie uns ein Seufzen und Keuchen,
denn Zehntausende hat er dahingerafft mit einem Schlag,
Zehntausende sind gefallen von seiner linken Hand,
hört ihm nur zu, hört ihm nur zu,
auf zur Ernte, sagt seine Hüfte,
seine Hüfte ist wie unsere, schmal und schmiegsam,
auf zur Ernte, reich wird sie sein,
schaut doch, wie hoch seine Sohlen den Staub aufwirbeln, als tanzten sie,
seine Geschichten sind wie ein heisser Finger auf unseren spröden Lippen,
Geruch von Zimt und Nelken in unseren Nasen. SELA
Die Männer sagen:
Niemand kann sagen, was noch wird,
mit so einem Mann an unserer Seite müssen die Völker zittern,
niemand kann behaupten, die Zukunft bleibe verhüllt,
mit jeder Geschichte entblösst er das schadhafte Angesicht des Zufalls mehr,
jedes Wort, das er an uns verschwendet, stärkt unsere Lenden,
und wenn seine Hüften sich wenden,
ob er sich bücke nach einem Steine,
ob er sich einen Schlag verneine mit schnellem Fusse,
entlockt in uns ein dumpfes Gefühl von Macht und Freude,
und unsere Hälse lockern sich wie die Garben im aufkommenden Abendwind,
und unsere Kehlen straffen sich wie die Taue eines Bootes,
das stampft in der Flut,
niemand kann sagen, es gibt keine Freude mehr,
denn mit seinen Geschichten,
wenn er die Hände sprechen lässt unter seinen herausstechenden Augen,
die grün sind wie der Frühlingshimmel,
mit wenigen Worten erweckt er Zehntausende zum Leben,
und wir eilen zu unseren Frauen mit Ungestüm und Anmut,
und sie haben wie zum Tanze ihre Röcke gerafft.
