
Eine Freundin meinte einmal, ich sei ein Vampir. Ich stürze mich auf alles, was mir diene, verschlinge es und kotze es in Gedichten aus. Kein Wiedergänger, sondern ein Wiederkäuer, eine Mühle, eine Raffinerie.
Das stimmt. Ich nehme auf und spucke aus. Ich bin eine Fabrik, die wie ein Staubsauger funktioniert. Verschlinge unterschiedslos alles, vom kleinsten Staubkorn bis zum schwärzesten Loch.
Ich assimiliere.
Ich will mich der Welt bemächtigen, weil ich weder Freiheit noch Sicherheit kenne. Ich bin ein Durchlauferhitzer, ein Dauerbrenner. Ich will verwerten, was ich weiss, was ich erfahre, was ich erlebe, was ich spüre.
Alles muss durch die Mangel meiner Worte.
Ich selbst nenne das – Chronist sein. Jeder Tag bringt Neues, in ungeschickten, halb leeren Haufen, in honigsüssen Trauben und würzigen Schichten. Hinter allem ist noch mehr, immer noch mehr.
Ich notiere, seismografiere. Innen oder aussen, egal. Wahr oder falsch, das ist gleich. Ich bin eine Schnecke, mein Schleim sind Gedichte. Auf ihnen komme ich voran, selbst wenn ich im Leben klebe.
