Du wirst nicht nach Ägypten zurückkehren

du wirst nicht nach Ägypten zurückkehren, denn wir haben es akzeptiert, von verdorrten Seelen und verdorbenen Herzen benannt zu werden, beim geringsten Fingerzeig siehst du sie aus den Minen und hinter den Mauern ihrer Compounds hervorstürzen, um uns die Instrumente unserer Wege aus den Händen zu reissen, und selbst hier im Land Wyrai, bewacht von den Rotkardinalen in ihren Brombeeren, unter der Geissel ihres hundertfachen Flügelschlags, wirst du nicht mehr umkehren, auf den Weg in die Nächte zurück, auf den Weg in die dunkelste Schattenlosigkeit, auf diesen saugenden Napf auf deiner Stirne, ein drittes unerleuchtetes, weil geblendetes Auge, auf diesen nüsseklappernden Aufschwung im Herzen, dem die Furcht als eine Plastikfolie übergestülpt ist, denn es könnte doch nicht anders, dein Herz, diese Beutelchen voller unvollständiger, erbärmlicher Liebe, als auf das Licht zuzufliegen, als auf ein weiteres helles Versprechen, als auf eine ungelutschte, unerfüllte Keimerstickung zuzueilen, durch das vollgestellte, vollgepackte Land Wyrai hindurch, ohne Rücksicht auf die filigranen Drähte zwischen Absicht und Zweck, hineinzulaufen in eine neue Liebe wie in ein noch nicht lange offenes Tor, das auch nicht lange offen stehen würde, denn da kommt eine Schwangere, sie wird den Kanal bald verstopfen, Kaunda, Kaunda, Kaunda, hört dein Herz über all die Meilen hinweg, die es schon erlaufen hat, und weiss wieder nichts von Tai-me, weniger noch als Botone, der gestorben ist, und keine Zeit bleibt in diesem vollständig eingeräumten Land namens Wyrai von dem so schwer zu singen sein wird wie von den Kosten, die in jeder Arekanuss verborgen sind, es ist kein Land für die kurzen Beine, das weisst du nun schon zur Genüge, tolpernd über die trockenen Knochenhaufen an seinen Strassenrändern, durch die geraden gelben Linien der Maisfelder hastend, im Rücken das Krächzen und Keuchen der Hatsegopterixe, und in den Knien dieser Drang, in die Knie zu gehen, «verneige dich», sagt die gelbe Erde unter deinen Füssen, «umarme mich», sagt die affenkeckernde Freude, «ich war in Madras scheissen», sagen die Umgebungstöchter, es hallt wie aus leeren Büchsen, in denen Menschen zu wohnen gezwungen sind, lauter Zwischenlösungen und Minimalmasse, eiserne Rationen in eisernen Beuteln, wiederkehrende Blähungen und abgewendete Bekehrungen, die Lebewesen warten auf eine Entschuldigung, auf eine Vergebungsbitte, gross ist ihre Bereitschaft dazu, doch die Pyramiden, zu denen die Götter angehäuft wurden, verunmöglichen den Weitblick und die Erleuchtung, die Messer in den Schweinerücken und die gebratenen Kapaune, die essbaren Messstände und die verzehrbaren Handschläge, das Wirken aus Karossen und das eingeräumte Schreien von Babys auf den Armen von Politikern, aber du weisst im Voraus, noch bevor die Befürchtungen den Hals der Hochanständigen perforieren, noch bevor die Zumutungen die Ärsche der Wohlmeinenden polieren, du kannst nicht nach Ägypten zurück, es gibt keine Rückkehr zu den Quellen, diese sind dir genauso verschlossen wie den Steinen, nein den Sternen, die Ewigkeit lässt sich nicht so leicht wiederfinden, doch denke auch an den Rotkardinal, der in diesem Land heimisch werden konnte, weil er sich nicht für mehr hielt als ein vorübergehendes Lied, ein kleines Mahnunglein, ein winziges Einwändchen, das sich der Flut entgegenstellte mit Sirren und Schwirren, Sophistication is a nice word, isn’t it, der Verfeinerung zu Diensten, der Abspeisung mit Kümmernissen und Plagegeistern, seine Stimme lange Zeit nicht mehr als ein Knispern und Knaspern am Hochzeitshäuschen, doch ist die Zeit auf seiner Seite, während du in den Überresten deines Besitzstandes immer noch wühlst, ein paar Federn, ein paar vollgesogene Socken, metallene Geräte ohne genaueren Verwendungszweck, eine Delfinstatue auf dem Berg, Zuckerwatte im Hirn, ein stetes Summen und Rüschenrauschen, eindringlich, ohne gebieterisch zu sein, ein begonnenes Fest, das von Auszehrung und Völlerei unterbrochen wurde, du weisst, die Verfeinerung des Sands ist die Arbeit von Jahrhunderten, während du nur kurz Brombeerenpflücken warst, in deinem alten Eifer, es allen recht zu machen, die Verfeinerung des Menschen ist eine Sache der Unmöglichkeit, denn so leicht fallen ihm die Verletzungen zu, die eingebildeten wie die vorgestellten, hier gibt es weder rechten Weg noch rechtes Lied, Beifuss und Hundspetersilie haben schon alles überwuchert, alltäglich und unaufhörlich, und immerzu fragst du dich, ist es noch Tag, ist das die Dämmerung, warum so plötzlich, was habe ich denn wieder getan, wem habe ich zuwider gehandelt, wer stiehlt mir die Habe unterm Kopfe weg, ist denn jetzt jedes Raubtier aus seiner Höhle gekommen, sticht denn jetzt alles Gewürm, gut ist das Steigen der Sonne, gut ist das Sinken der Sonne, ihre Herkunft aus dem Lichtland im Westen, ihr Heimgang in das Lichtland im Westen, auf das ihre zahlreichen Werke aufatmen können, das Schilf ebenso wie der Büffel im Schlamm, die Gräser und Kräuter ebenso wie das Vieh, das sich an ihnen befriedigt, denn sie erfreuen sich alle der gewissen Rückkehr, selbst die heulenden Hyänen und das schlingende Krokodil, die Vögel fliegen zurück zu ihren Nestern, ihre Flügel sind die Lobgebärden für meine Ka, bist du Sonne nicht der gewisse Bringer des Glücks, des plötzlichen Eifers im Guten, das meine Worte auf das zarte, geheftete und gepresste Schilf fallen lässt wie den Tau, wenn du Sonne umkehrst am für den Menschen zu weiten Himmel, der den Samen sich entwickeln lässt in den Frauen, der Wasser zu Menschen macht, der den Sohn am Leben erhält im Leib seiner Mutter, und ihn beruhigt, zähmt, indem er seine Tränen stillt, der dem Küken im Ei Luft schenkt, um es zu beleben, Heil dir, der du als Seele der Seelen kommst, herrlich im Westen, Heil dir, Öffner der Unterwelt, Geliebter aller Tore, Heil dir, der inmitten der Götter weilt, Richter im Schweigelande, Heil dir, der in seinem Worte ist, der die Unterwelt durch seine Zaubersprüche geschaffen hat, gib süssen Nordwind dem Osiris, du Sinkende, die die Lebensfrist des Festen und Unbewegten wie des Weichen und Allzu-Erregten umkreist und begrenzt, du kehrst nicht zurück nach Ägypten, du kennst die Quelle nicht mehr, denn dieses Land unterm Schnabel des Hatsegopterix, dieses Land unterm Ruf des Rotkardinals, hindert deinen Pickel daran, die innere Scham aufzubrechen, es gibt kaum Raum, um auszuholen mit dem Pickel in diesem Inneren, das schon so lange das äussere System bejaht und mit dem wiederkehrenden, fast schon gewissen Ja erhält, es gibt kaum Raum, um dich selbst dir zuzuwenden, derart verfeinert ist die Zeit in diesem Land, feinkörnig und feinporig, bitter wie Beifuss, scharf und brennend wie die Hundspetersilie, aber eng wie der Hals eines Strausses, und wie hat er dir den Schutz des verlassenen Nestes gelehrt, denn nichts unter diesem Himmel hätte nicht seine Fülle erreicht, seine Kraft, seine Gestalt, seine Schönheit, seine Brillanz, nicht einmal das Lachen, nicht einmal der ausstrahlende Himmel, nicht einmal die Freundschaft, nicht einmal die Süsse, die abends auf die Städte und auf das Land sich legt, Twih-twih-twih-dü-dü-dü-dü-dü-dü, twih-twih-twih-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi-tsi, wie der Schatten eines Büffels steigt die Nacht aus den Wassern im Osten, kriechend und krächzend kommt die Falte daher, die mich verschlingen wird, die mich selbst hier verschlingen wird, muttermächtig, seelenträchtig, jene verhuschte Kraft, die noch jeden Mistkäfer antreibt, eine Rolle zu drehen, seine Last zu rollen, auch wenn jedes Keimchen, auch wenn jedes Steinchen sich dagegen wehrt, dagegen strebt, doch siehst du die Hundsfötter in der Falte, sie entblöden sich nicht, darin mitzugleiten, darauf mitzureiten, grinsend und greinend, das Grau des Metalls, das Gelb des Golds, das fettig Tröpfelnde des Öls, die Dichte des Asphalts und des Betons, die den Aufschwung begleiten, das mühsame Aufspalten der Welt, der Härte und der Glätte, da kommen sie geritten über das Land Wyrai, halb Vogel halb Drache, staksend und hüpfend, klappernd und knatternd, die belebten Planierraupen, in deinem verschraubten Schädel macht sich das Schweigen breit, setzt sich auf den Thron der abendlichen Nebelbänke, du warst doch nicht dazu gemacht, dich in dieser klebrigen Menschheit einzukalmen, dich in ihrer Flaute, die sie für Fortschritt und Aufstieg halten, einzurichten, das musst du dir sagen lassen, sich niederzuringen mit baren Fäusten und Füssen, über die Kröten im Weihwasserbecken zu wiehern, die vor der Messe schon am Trocknen sind, das hast du gut gemacht, dass du abgehauen bist, die Schatten auszuheben noch zu deinen Lebzeiten,

Bild von Jon Bodsworth – http://www.egyptarchive.co.uk/html/cairo_museum_24.html, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3209733.

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