
Den Bergen übergestülpt eine braune Haube aus geronnener warmer Milch
Die Ziehväter-Kiefern schwanken ausgiebig im Freundschaftswind
Die Augenbrauen des Nebels zittern überm Safransand
Das Knäckebrot des Kahns in feuchte Krümel gebrochen
Erstmals befeuchtet Regen meine ausgerungenen Lippen
Ich brauche keinen Spiegel für meine einsamen Gebärden
Steinknäuel in meinen Knien und altbackene Fransen dort
Wo einmal Chao Fen yen über die Dornen hinweg mir die Hand reichte
Über die Dornen der Sintfluten und Einfälle hinweg
Täubchen im Flug: im peitschenden Regen erhebt es sich
Über den trüben Spiegel des Flusses und leuchtet wie ein Brot
Wie ein Wort aus dem Mund einer über die Reissprösslinge gebückten Bäuerin
Verquollene Gelenke und Reissen im Rücken und faulende Zunge
Auskunft für eine weitere Li und Aussicht auf feuchtes Strohlager
Ein Blinken im Auge wie die spritzenden Schuppen eines Karpfens
Und aufgebrochene Hände die aus dem Kiesrascheln kommen
Wo einmal die Musse wie eine Schule Delfine in Ufernähe spielte
Und meine ausgesungenen Freuden sich hoben wie Röcke im Tanz
Und erstmals die Knöchel zu sehen waren hell aufblitzend
Wie das warme dampfende Innere einer Wurzel
Ich kaue auf den Namen meiner Freunde herum
Ich wälze meine Zunge wie einen schmelzenden Käse
Ich breche in Lachen aus in den kitzelnden Sonnenstrahlen
Ich rufe über den überbordenden Fluss hinweg
Einzelne Silben und einzelne Stunden und einzelne Atemzüge
Ich bemüssige mich des Sitzens und ich schaue nicht aus
Nach einem rettenden Boot oder einer treibenden Insel
Die Berge erheben sich wie die Glatzenstirnen der Doktoren am Hof
Ich habe nicht rinnenden Sand in den Händen
Schwer und rötlich klumpend wie das Blut ausserhalb des Körpers
Der Fluss hat seine Aufgabe des Spiegels aufgegeben
Die Berge warten wie Eierköpfe mit ihren Nebeldeckeln auf Beschlüsse
Der Strom ist eine altersgelbe rollende Schriftrolle
Von einem unzuverlässigen ausdauernden Pinsel beschriftet
Und ich sehe den Reiher fliegen und den Raben
Denen das Warten nicht geschenkt wurde
Hier gibt es weder Kaiser noch Hunnen oder die schönen Bewegungen
Von schmalen Handgelenken in weiten Ärmeln sind hier nicht
Die einzigen Zeichen für Beziehung stehen in meinen Gesichtsfalten
Die wenigen geäusserten Worte sind stampfende Kinderfüsschen
Meine Lippen springen auf wie aufmerksame Ammen beim ersten Schrei
Mein Magen ist der zerknüllte Gesetzesentwurf
Meine Zunge der zerrissene Ehevertrag
Und im schnell wachsenden Bambuswäldchen der Geduld verirrt sich selbst die kundige Angst
Denn nichts meine Lieben ist ungewiss auf den Pfaden ins Hinterland
Die voller zerbrechlicher Entscheide und wilder Gleichmut sind
Denn nichts meine Lieben ist als Hunger zu ertragen
Wenn du an die vollen Gassen von Friede-Immerdar denkst
Wo die plötzlich aufschiessenden Hühnerdiebe an die Kurtisanensänften
Und Gemüsekarren stossen und an den herben Duft der Suppenküchen
Und Poetenstübchen an die in die zischende Stille schneidende Stimmes eines Herolds
An die stumpfe Stille der schriftlosen Gärten
Ich kaue auf es gibt
Das es gibt in der Wasserwüste
Dass es gibt in der Wasserwüste
Mitten im Nicht-Geben kaue ich genüsslich darauf
Auf den zerstobenen Freunden
Auf den zerbrechlichen Barken
Auf den zerstörten Brücken
Auf den zerwühlten Saaten.
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(Bild von Du Fu aus Wikipedia, Von http://202.121.7.7/person/dzzgx/030124dufu2.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111730).
