Das Schwert aus meinem Mund

Lange habe ich den Mund verschlossen vor dir,
geduldig habe ich meine Lippen aufeinander gepresst,
denn ich wollte dir nicht schaden,
ich wollte dich nicht wandeln,
im Wandeln dich nicht verletzen,
ohne Harm wollte ich dich lassen,
so lange warte ich schon darauf, die Rüstung meines Mundes abzulegen,
gegen dich mit meinem Wort ins Feld zu ziehen,
die Hoffnung hat das Schwert geschmiedet,
dein Zögern und Zaudern hat den Stahl abgekühlt,
scharf ist sein Mund wie die bittere Frucht der Liebe,
heisst ist sein Mund wie eine Flamme,
ich werde dich damit schlagen,
ich werde dir damit Wunden reissen wie die Bärin, die ihren Wurf verteidigt,
doch halte ich immer wieder inne,
hast du mich angesteckt,
hast du das Wort vom König verdorben,
hast du das Wort des Königs abgestumpft,
das ein einziges schnelles treffendes sein soll,
ein Leid zufügendes,
ein Flächenbrand über Generationen im Körper meines Volkes auslösen wird,
hustend und um Atem ringend werden sie durch die umwölkte Gegenwart torkeln,
nur um sich in der Vergangenheit wiederzufinden,
ein solches Wort will gut gesprochen sein,
eine solche Tat will gut erwogen werden,
nochmals will ich es mir verkneifen,
seine Kraft einschätzen und seine Macht stählen,
ich will dieses eine Wort noch in meiner Scheide stecken lassen,
ich zweifle, ob es bereits genügend geschliffen ist,
will es noch einmal besehen und gewichten,
den Arm meiner Zunge stählen und üben,
denn ich fühle meine Leber schwer in meinem Bauch lasten,
schwanger ist sie mit Unmut und Groll,
und meine Nieren sind zerschlagen von der Erwartung,
meine Nieren wollen in deiner Galle baden und triumphieren,
ein gutes Wort, eine gute Tat will ich wetzen in meinem Herzen,
und hörst du nicht mein ruheloses raues Brummen und Summen,
das Volk meiner Worte,
sie alle warten auf ihren Flug, auf ihre Blüte,
spürst du seine lullende Kraft, seine betäubende Macht,
denn Schmerzen sollst du nicht leiden,
wenn ich das Schwert aus meinem Mund an deine Kehle lege.

(Danke an prawny für das schöne Bild.)

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