
Die Fahrt dauert. Im Bus herrscht Schweiss und Gummi. Die Wut dauert.
Zu künstlich, heisst es. Zu wenig sinnlich.
Die Fahrt dauert. Schweissiges Eisen. Hinter den Gesichtern schwankt ein Hut, ein Bekannter. Er nickt mir von weitem zu, er trägt eine Sonnenbrille. Ich schwanke, ob ich mich zu ihm durcharbeite. Ein Hund steht mir mehrmals auf den Fuss.
Schweissiges Eisen. Eine alte Frau atmet mir ins Gesicht, Melisse und Kotze. Die Wut dauert an. Dafür habe ich meine Kinder aufgegeben.
Die Fahrt dauert an. Als der Bus am Neuweiler Platz unerwartet bremst, stösst meine Nase in die rotschwarze Achsel eines Mannes, der Brusthaar im Gesicht trägt. Es riecht nach Sonnenblumenöl.
Nichts bleibt von der halben Stunde unter den Linden, unter dem arbeitsamen Summen, unter dem gelben Pelz der fallenden Blüten. Die Wut kehrt wieder.
Es fehlt die Poesie, hiess es. Beobachte die kleinen Geschehnisse und Ereignisse im Alltag, es steckt da so viel Poesie drin, wird mir gesagt. Die Fahrt dauert an.
Leise wurzelt der Geschmack vom Schlaf auf dem Zungenstumpf, Beere – Kaffee – Banane. Die Wut dauert an. Schweissiges Eisen. Die Wartezeit im Rücken schmerzt. Die Hitze ist trocken, die Haut einer Zitrone, eine Vorhaut.
Die Fahrt dauert. Auf der Hose ein weisser Strich vom Geigenbogen, der sich nicht wegklopfen lässt. Jemand ruft meinen Namen. Der Geruch von Eisenstangen und Handschweiss. Das Kind winkt von hinten und unten.
Ich wechsle einen zwinkernden Blick mit seinem frisch rasierten Vater. Die Fahrt dauert an.
Die Fahrt dauert an. Einen ganz anderen, schlichteren, natürlicheren Ansatz für dein Schreiben finden, heisst es. Schreibe weiter, anders, wird geraten. Die Gesichtshaut juckt.
Wie lange habe ich an der Bushaltestelle gewartet? Ich schaue auf die Zeit. Für wen hält sie mich? Ich sollte nicht mehr in die Stadt gehen.
Was habe ich dort verloren?
