Ich bin ein Geschöpf wie du,
geschaffen für die Flucht,
ein wachsam Ausschau Haltender,
ein in den Höhlen Huschender,
ein in den Felsen Lispelnder,
ein in den Schatten Kotender,
ich richte mich nach den fliegenden Schatten und laufe durchs Geröll,
ich knirsche mit den Zähnen wie einer aus Benjamin,
wenn ich mich fürchte und wenn ich mich freue,
ein weithin Rufender,
leicht Geschreckter,
ein viel Befürchter,
ein wenig Erhoffer,
ein immerzu Sich-Reinigender,
denn der Herr weiss, was für Geschöpfe wir sind,
wir Bedürftigen von Rebenblatt und Traubensaft,
nickend sammeln wir die Ratschläge des Herrn in den Archiven des Kots. SELA
Ja, unsere Pfiffe sind die Töne des Himmels,
in unseren Höhlen regulieren wir das Heilige,
in unseren Schlupfwinkeln rücken wir das Heilige im lauen Schatten zurecht,
bis es kaubar wird,
bis es verdaubar wird,
das Heilige ist immer auf der Flucht und droht unheilig zu werden,
weil das Geschaffene unheilig ist,
weil nur das Ungeschaffene heilig ist,
rein und schandfleckfrei,
drüsenlos,
ausscheidungslos,
weil nur das Ungeschaffene ein Anrecht auf die Schrift unserer einen Kralle hat,
mit der wir für Reinheit sorgen. SELA
Und mein dumpfer Blick aus dem rötlichen Pelz ist weiser als du denkst,
ich verschone dich noch in der Zukunft,
wenn deines Landes Grenzen verschoben sind,
wenn deines Landes Gärten verschrieben sind,
wenn deines Landes Gegner verschieden sind,
ich entdecke in den Höhlenformationen frühe Zeichen für schlecht proportionierte Gerechtigkeit,
für wohlbedachte Sündenandachten,
für bittere Bitten und saure Schandgruben,
auf meinen schwarzen ungespaltenen Tatzen grabe ich mich durch Friedhöfe und Synagogen,
durch Babylon und Zion,
ich eile voraus, ich eile voraus,
ob in Bet-Arwen, Baal-Hamon oder Getsemane,
am Felsen Rimmon oder am Fuss vom Horeb,
ich bin schon da und habe für deine Erkenntnis die Wurzeln entblösst,
die Reben ausgegraben,
und in meinen Latrinen türmt sich der Kot wie ein zweites Fell auf den Felsen,
ein Archiv der Schuld und der Bedrängung,
ein spät gefundenes Buch,
eine geflüchtete Schrift,
ich bin der in deinem Rücken Hockende,
der in deinem Rücken Wispernde,
der in deinem Rücken Untätige,
ich blecke meine Zähne in Häme,
ich sehne mich nach deiner ununterdrückten Ungeducktheit,
nach deinem weit ausschreitenden Gang,
der immer noch zögert.
