Nichts dauert,
die Zeit der Lieder lauert auf die Zeit der Ketten,
die als scharlachrote Bänder dich kränzten und begrenzten,
und die süsse Honigmilch versauert,
der Libanon ist eingeebnet von dem Gewicht,
das in Verbundenheit wächst,
der Hang von Baal-Hamon ist bald schon Wüstenei,
die würzigen Bärte von grauen Flechten durchzogen,
der Wein und die Worte schmecken nach faulenden Spänen,
der Hennastrauch deines Hügels, das geschwungene Horn deines Gliedes,
das Myrrhenharz verweht,
entleert, entbehrt,
sie dauern nicht, dauern nicht,
die Tauben deiner Augen werden zu Spatzen,
werden zu glatzköpfigen Geiern,
die Zeit der Lieder lauert auf die Zeit der Saat,
und wartet und wartet,
die geduldigen Schritte in Verbundenheit im Granatapfelhain erschöpfen sich am gleichen Refrain. SELA
Der Turm deines Halses schaute hinaus auf das Land,
auf den Garten schaute die Hütte deiner Locken hinaus,
in der Wärme deine Blicke und in der Blüte deiner Königsherrschaft waren sie sicher,
doch schnell musstest du fort von den Lagerplätzen der Löwen,
liefest ohne Zögern hinunter von den Bergen der Panther,
die sich an die Schafe schmiegten, als kennten sie nichts anderes,
die Dauer hat eine Frist,
die Frist ist nicht zuhanden,
keinen Aufschub kennt die Dauer,
denn selbst der Weinberg von En-Gedi lernt die Krallen der Füchse kennen,
denn selbst das rote Band von Rahab war mehr als ein Versprechen,
und die Trauben deiner Brüste,
die Arme aus rotem Gold,
sie schrumpfen und müssen vergehen,
die Schale edlen Weines,
die marmornen Säulen auch,
nichts dauert im Mühlstein der Verbundenheit. SELA
Aber die Liebe zur Heiligen doch wenigstens,
aber die Sehnsucht nach ihrer Nähe doch wenigstens,
die wie eine Lilie aus den Tälern aufsteigt,
hinter den Dornen ihrer Wimpern blitzt es schon,
ihre Wangen von der Röte der Beeren,
ungepflückte Myrrhe ihre Rede,
schwarz wie die Zelte Kedars ihre Berührung!
