Über die Schafe

Ich liebe die Schafe nicht,
die der Flöte des Hirten folgen,
ich liebe die Schafe nicht,
die der Stimme des Hirten trauen,
ich liebe die Schafe nicht,
die nichts können als folgen,
ich liebe die Schafe nicht,
die nur zögern beim Scheren,
ich liebe die Schafe nicht,
die nur säumen beim Schlachten,
ich liebe die Schafe nicht, liebe sie nicht. BÊLA

Sie halten ihre Köpfe gesenkt unterm weiten Himmel,
die Nase in der Grasnarbe,
die Nase im andern Arsch,
sie halten ihre Köpfe geduckt unterm Kreisen der Geier,
sie drängen sich dicht zusammen,
ein Fleischhaufen ohne Willen,
ein Wille ohne Intellekt,
ein Intellekt ohne Seele,
eine Seele ohne Würde,
eine Würde ohne Eigenschaft,
da lobe ich mir die Spatzen. BÊLA

Sind wie das Land,
kennen keine Grenzen,
stolpern ins Geröll hinein,
fallen von den Felsvorsprüngen,
erkranken an den Pocken,
lassen sich von einem Büschel verlocken,
fressen die Weide leer,
der Schäfer findet schon eine neue,
staunen den wankenden Schatten des Olivenbaums an,
der vom Sturm redet, während sie kauen,
starren den Fettschwanz des Vorderschafs an, wenn sie fliehen,
wenn sie flüchten, sehen sie nicht weiter als bis zum Fettschwanz des Vorderschafs,
verbeugen sich vor Disteln und vor Eseln,
selbst in den Ruinen des Tempels ist ihnen wohl,
denn Gras wächst auch dort,
denn an Gras wird es nie fehlen,
wird es nie fehlen,
und wenn der Stab kommt,
begrüssen sie ihn getrost,
ich liebe die Schafe nicht,
da lobe ich mir die Wölfe. BÊLA

Und ruft gar einer, Ich bin es,
da laufen sie unverwandt hin,
könnte ja sein, könnte ja sein,
wäre doch gut, wäre doch gut,
raufen sich zusammen und fallen ihm zu Füssen mitten in der Wüste,
mitten in der Steppe springen sie vom hohen Berg,
werfen sich vom Dach des Tempels,
stürzen sich auf die Steine,
mitten in der Wüste schwärmen sie aus wie wolliges Wasser,
das leicht versiegt,
aufgesogen vom Dornendickicht,
in die Dornen und in das Dickicht verlaufen sie sich,
ich komme sie dann nicht suchen,
ich liebe die Schafe nicht,
da lob ich mir die Strausse. BÊLA

Betreten heiliges Gelände im Sturm und verstocken im Schuldenturm,
wem sie gehören, kümmert sie nicht,
Hauptsache Stab und Schlag,
Hauptsache Weidegrund, der gibt,
da lob ich mir die Füchse.

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