Michals Lied

Ich fürchte mich vor ihm,
ich fürchte mich für ihn,
er ist ein Strom von Schafen, von einem Bärenjungen vor sich hergetrieben,
er ist eine Flut von Katzen, den Häutern entflohen,
er ist ein Geschiebe von Geschichten, in dem du warm erblühst,
das liebe ich an ihm,
für den ich den Hausgott in meinem Bett schlafen lasse,
für den ich meinen Vater zu verachten lerne,
den ich in meinem Schosse wie ein Kuckuck hege,
er sagt sein helles Barburim, barburim,
es gellt in meinen Ohren,
meine Ohren verwittern,
können seine Beschwichtigungen nicht hören,
seine Ausflüchte, die wie Versprechungen klingen,
wie stolpernde Töne eines einzelnen Huhns allein im weiten Hof,
und ich trage meine Sorge an meinem Hals wie eine Kette aus Bärenzähnen,
ich laufe mit meiner Sorge von Hof zu Hof, als suchte ich Gefährtinnen für einen Tanz,
die Sorge klingelt an meinen Knöcheln wie Schnecken,
meine Sprünge sind schmutzige Kinderhände,
die Tränen im staubigen Gesicht verreiben,
und ich fürchte um die Augen meines Vaters, in denen leise die Flamme der Torheit flüstert,
ich fürchte die Augen meines Jungen, meines treuen roten Burschen,
der so lebhaft ins Bett hüpft am Ende eines Tages,
flatternd mit den Armen wie ein Perlhuhn bei der Flucht,
als sei er eine Geiss vor dem Bocke,
eine Gazelle vor der Löwin,
ich fürchte sein Kichern, das seinen Geschichten niemals genügend Glauben schenkt,
ich habe Angst vor jenem Funken in seinem Herzen, der nicht menschlich ist,
der selbst im Hochsommer das Nachal Michmash für den Jordan hält,
die Tröckne für die Flut, den Fall mit dem Flug,
und so hänge ich nun in dieser Nacht ein Seil aus meinem Fenster,
an das ich ihn hänge wie damals Rahab ihre Gäste,
als solle er sich ein Land erobern, das ihm zugesprochen ist,
als solle ich seine Feigheit mit dem Widerstand einer Frau bedecken.

Hinterlasse einen Kommentar