Die erste Rede des Speers

Ich war in seiner Hand,
seine mächtige Pranke wärmte mich und würgte mich,
ich lag allezeit in seiner Nähe,
er war mein Eleasar von Ahoach,
ich war sein Weberbaum,
mit dem er seine Geschichte wob. SELA

Ich war sein Einziger,
ich war sein Weniger,
ich ragte heraus,
ich erhob meinen spitzen Kopf über die Menge,
ich war mitten unter Löwen,
ich kam aus den Flammen,
ich kam von den Bergen des Libanon,
und wenn ich flog, blitzten in den Gesichtern der Menschen die roten Zungen im dunkeln Gaumen auf,
und ich sah ihre vielfarbigen Zähne kleckern und aufeinandergepresst wie schadhafte Gefängnisgitter,
und wenn ich stiess, ergötzte mich das weiche Geräusch aufplatzenden Fleisches bis zum Schaft,
ich war allezeit in seiner Hand,
für seine Hand war ich gemacht,
ich war ein Freund in seiner mächtigen Hand. SELA

Er war mein Jischbaal,
der von Gott nichts wusste,
nichts lernte von Gott ausser seiner zufälligen und zungenzerbeissenden Macht,
die ihm nahe war in mir,
dem seltenen Prüfstock,
dem aussergewöhnlichen Fleischeswerkzeug,
und kämen auch die Menschenkinder mit glatten Reden zu ihm,
er wusste um mich, ich war ja da,
er brauchte nur seinen Kopf nach rechts drehen, da stand ich schon,
ich sagte, Ich bin hier,
und er riss mich aus dem trockenen Fleisch des Bodens und legte mich auf seinen hitzigen Schoss,
dass Berater und Bewacher und Sänger und Diener aufstiebend zur Seite zurückwichen,
oh ich liebte den Geruch dieser Handfläche,
schwielig war er und erdig und eiterbitter,
so riecht der Mensch, flüsterte mein Schaft der Klinge zu,
so riecht der Zorn, flüsterte die Klinge zurück,
so riecht die Scham, erwiderte der Schaft,
so riecht die Ohnmacht, antwortete die Klinge. SELA

Er war mein Schamma,
ich war sein Tuchbaum, an dem seine Geschichte sich aufspannte in all den dunkeln Farben, die wir lieben,
und seine rechte Hand war mir nah wie andern ihre Halsschlagader,
mein Holz roch nach Mensch,
ich war von seinem Blut,
ich war von seinem Fleisch.

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