Mein Sorgen-Sohn

Mein Sohn lebt in seiner eigenen Welt,
die ihm nur offen steht,
er schüttelt seine hellen Locken und verlässt die Grube unseres Lebens,
hinterlässt dunkeln Schatten und zögerndes Licht,
der Rest von uns soll sich mit der Fantasie zufriedengeben,
mit den widersprüchlichen Taten und den wiederkehrenden Bedenken,
mit dem ausdauernden Abwägen und den unmenschlichen Verträgen,
doch mein Sohn ist fern davon,
durchstreift die Gärten mit seinen Freunden,
durchdringt die schönen Schatten der Höhlen am En-Gedi,
wo das Rauschen der Quellen mit dem Rauschen des jungen Bluts zusammenklingt,
diese Jugend hat eine Stimme,
auf ihren Köpfen schimmern die Hörner von Gazellen, die schnell daraus springen,
diese Jungen sind zu Menschen geworden, die die Liebe Gottes verdienen,
das Wohlgefallen aller Frauen,
doch mein Sorgen-Sohn,
seine Wirklichkeit trägt ihn weit hinweg,
da steht er Hand in Hand mit meinem Feind, dem Märchenprinz,
ihre Locken wie die rollenden Perlen in den Händen der tyrischen Mädchen,
ihre Schritte tragen ihre schweren süssen Herzen leicht durch die Felsenwelten wie Straussenläufe,
ich sehe meinen Sohn in seiner eigenen Welt versinken wie zwischen den Lippen des Abendsterns,
mein Zorn verklingt,
mein Wehmut, oh Abendstern, ertränkt die Freude über diese Frucht an meinem öden Baum im ausgeleerten Wein,
mein Grimm erschlafft,
die Leber reisst an meinem Leben wie ein Komet im Himmel an meinen Wünschen,
mein Sorgen-Sohn streunt mit dem Märchenprinzen Ohr an Ohr durch die Gärten der Stadt,im Schutz der Tamariske küssen sie sich,
kichernd wie die Smaragspinte im Nachal Arugot,
die Augen meines Sorgen-Sohnes entfalten sich wie die Blüten der Kordien,
und der Vater meines Feindes legt mir am Schiloach beruhigend die Hand auf den Arm.  

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