Horror vor dem Sänger

Weich und schmierig ist es um mich her,
erstickende Wachsmomente häufen sich um mich auf,
eine Reihenfolge von lächerlichen Kränkungen legen sie mir zu Füssen,
ein Gewusel von Kleinigkeiten sucht mich heim,
ein Bienenstock, der aus Ameisen besteht,
und siehe, da kommt der Sänger mit seinem gekitteten Gesicht,
da kommt der Sänger mit seiner verlaufenden Stimme,
mit seiner Bärenstirn kommt er zu mir,
als habe ich ihn gerufen, auf dass er mir den Morgen beschmiere mit seinem Geheul,
das ganze Generationen zerstört,
ausgemergelt, hysterisch, nackt,
mit dem Terror von nebenan im Ohr,
so kauere ich im Schatten des Throns,
ich höre seine Sandalen quieken auf dem Steinboden,
ich sehe sein Lächeln schmelzen im unschuldigen Licht des Wüstenmorgens,
der mich getröstet hätte,
gäbe es nicht die Menschen,
die mit ihren schleimigen Mienen wie Mauern auf mich einreden,
ich rieche seinen Milchatem voller Mutterzimt,
ich schmecke die Dichte seiner Generationenlast,
das zähe Rinnen seiner Traumen zerläuft in meinem Gaumen zu einem würdereichen Würgimpuls,
als steckte ganz Israel dahinter und darin,
ich ertaste die zitternden Klammern seiner Harfe,
mit der ich festgezurrt werden soll wie ein Kamel,
das nicht gebären kann noch will,
ein ausgelieferter Reim erklingt bereits in der Höhle meines Herzens,
eine ausstehende Vision erhebt ihren zuckenden klappenden Schädel,
da kommt der Sänger mit seinem Hasengesicht,
mit seinen vorstehenden Händen auf der Brust,
da kommt er mit seinem hechelnden Lächeln,
als könne er ganze Generationen für immer verstören,
in Strömen von Licht,
die in Stauböden kauern,
in den kalten Nächten Visionen erschauen,
als könnten sie die Trauer und den fliessenden Menschenbrei, der sie umwallt, verschlingen,
ohne je die Stimme zu erheben.

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