Märchenprinz II

Die Frauen sagen:
Zehntausend hat er erschlagen,
mit blossen Händen hat er sie erwürgt,
seine Schultern sind schmächtig wie ein Steg übers Wasser im Mondlicht,
seine Schenkel sind zart wie Distelstängel, leuchten wie Milch,
doch trifft uns sein Auge,
erweckt er in uns ein Rufen und Heulen,
doch trifft uns seine Stimme,
entlockt sie uns ein Seufzen und Keuchen,
denn Zehntausende hat er dahingerafft mit einem Schlag,
Zehntausende sind gefallen von seiner linken Hand,
hört ihm nur zu, hört ihm nur zu,
auf zur Ernte, sagt seine Hüfte,
seine Hüfte ist wie unsere, schmal und schmiegsam,
auf zur Ernte, reich wird sie sein,
schaut doch, wie hoch seine Sohlen den Staub aufwirbeln, als tanzten sie,
seine Geschichten sind wie ein heisser Finger auf unseren spröden Lippen,
Geruch von Zimt und Nelken in unseren Nasen. SELA

Die Männer sagen:
Niemand kann sagen, was noch wird,
mit so einem Mann an unserer Seite müssen die Völker zittern,
niemand kann behaupten, die Zukunft bleibe verhüllt,
mit jeder Geschichte entblösst er das schadhafte Angesicht des Zufalls mehr,
jedes Wort, das er an uns verschwendet, stärkt unsere Lenden,
und wenn seine Hüften sich wenden,
ob er sich bücke nach einem Steine,
ob er sich einen Schlag verneine mit schnellem Fusse,
entlockt in uns ein dumpfes Gefühl von Macht und Freude,
und unsere Hälse lockern sich wie die Garben im aufkommenden Abendwind,
und unsere Kehlen straffen sich wie die Taue eines Bootes,
das stampft in der Flut,
niemand kann sagen, es gibt keine Freude mehr,
denn mit seinen Geschichten,
wenn er die Hände sprechen lässt unter seinen herausstechenden Augen,
die grün sind wie der Frühlingshimmel,
mit wenigen Worten erweckt er Zehntausende zum Leben,
und wir eilen zu unseren Frauen mit Ungestüm und Anmut,
und sie haben wie zum Tanze ihre Röcke gerafft.

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