Ist das noch ein Mensch?

Das ist doch nicht normal,
da muss doch was gemacht werden,
das kann doch nicht wahr sein,
der König verstummt in krächzenden Widersprüchen,
in Eselslauten voller Zorn und Häme,
ein Mensch ist das ja fast schon nicht mehr,
ich fühle mich entwürdigt, wenn ich ihn nur ansehe,
ich spüre nur mehr entsetzliche Verzweiflung, die sich gegen all sein eigenes Wollen sperrt,
ich sehe ihn auffahren von Träumen, die ihn hinwegtragen in Länder,
wo von dem Menschensinnen nichts mehr gilt,
wo Trümmer sich tummeln und auf Ruinen Runen rollen wie die Augen von Dämonen,
ich höre ihn mit triefenden Lefzen Geschichten murmeln von tollenden Hunden,
von hüpfenden, tropfenden Röcken und kalbenden Bergen,
von rechtssprechenden Ratten und versengten Katzenschwänzen,
ein König kann doch nicht verschwinden im schmierigen Gelände seiner aufgeblasenen Vorstellungen,
das ist doch nicht normal,
das kann doch nicht wirklich hier und jetzt geschehen,
ich verstehe nicht, was ihm passiert,
der König war doch so ein stiller, ein guter Mensch,
der immer zuhörte und sich für die kleinsten Details meiner Familiengeschichte interessierte,
aber seht ihn jetzt einmal an,
er nennt mich einmal Benjamin und einmal Ikabod,
er weiss die Namen nicht mehr,
er weiss ja kaum den eigenen mehr,
ich musste es ihm einflüstern, als gestern die Philisterherolde bei ihm sich vorgestellt haben,
ich musste ihm sagen, was zu sagen ist,
das ist schon fast eine Katastrophe, ein Gräuel im Hause des Königs,
und die Ärzte kommen nicht auf sieben Schritte nahe,
er spuckt und keift sie an, als wollten sie ihn vergiften,
doch plötzlich wird er still und wandert zum Fenster,
seine Augen schimmern gelblich,
seine Lippen zittern wie bei Kindern vor dem Weinen,
und er schaut aus dem Fenster und lächelt,
lauscht dem Schrei der Strausse.

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