Langsam kommt es zu mir, mein Lied,
vorsichtig nimmt es seinen Weg,
allmählich erst wird es sichtbar im Schatten der brüsken Schönheit des Manns,
ich kehre mich ab, um ihm besser zugekehrt zu sein,
mein Lied ist eine sorgfältige Hand auf deinem Knie,
mein Lied ist Augenabwenden vor so viel offenem Blick,
es ist verlegen um Blicke und verlegen um Worte,
an deinen Knien richtet es sich umsichtig auf, du schöner Sänger,
dem die Töne verrutschen, aber nicht die Züge,
leise ringt sich mein Lied zu einem ersten tappenden Ton durch,
der sogleich verklingt im Lärm der Worte, die um dich gemacht werden,
im anhaltenden Getöse, das dich begleitet,
und noch ein zweites Mal besinnt es sich auf dieses Zittern in der Kehle, auf dieses leere Schlucken in der Kehle,
ich senke die Augen,
ich vertreibe die Hand des Vaters von meinem Hals,
diese russigen, klebrigen Dinge, die er Wörter nennt,
mit denen er mich zu lieben vorgibt,
ich verdrehe meinen Hals in dieser sorgfältigen Übung,
und ich weiss, alle bemerken diese Anstrengung in meinen Zügen,
ich fühle mich Augenblicke lang als eine Winde, die sich in Richtung Himmel zwirbelt,
es kommt zu mir, langsam und in seiner Scheu ungeheuer stolz,
ein abtrünniges Wesen von Geburt,
ein untrügliches Zeichen für meine Liebe zu diesem jungen Mann,
es ist ein Lied auf sein rotes, lockiges Haar,
seine Gazellenfigur und seinen Kamelgang,
und ich singe es mit sanftem Vertrauen die grossen Worte,
die immer die grossen Dinge begleiten,
es schlürft vom Honig seiner Anwesenheit,
es sieht nur ihn,
wie eine Schlange, die eine Ratte fixiert, sieht es nur ihn,
doch welche Töne, welche Tonfolgen spinnt es ausdauernd und anhaltend in die Halle hinaus und hinaus in die Gassen Gibeas,
hunderte von kostbaren, bedeutenden Tonfolgen,
ein schwebendes Gespinst von Benommenheit und Achtung ist mein Lied.
