Mein Lied ist schmal,
ein Fädchen und Rinnsal,
ein Fiepen, ein Rasseln,
ein aufgedrehtes Band von mageren Tönen ist mein Singen,
entringt sich meiner Brust, bar jeder Kraft,
entringt sich meiner Brust wie der Klang eines Fusses im Morgengras,
entklingt meinem Leben wie das Rascheln von Salz, das Zischen von Fett,
das Lied eines Menschen ist ein Kieselgeräusch im volltönenden Gesang der lebenden Wesen,
die breiten Wortklingen schwenken im Sonnenlicht,
weite Röcke schaukeln im offenen Land,
ein Schälchen voll schalen Weins trage ich vor mir her, leicht zu verschütten, wenn ich zu singen beginne,
die Grösse meines Auftrags schrumpft vor der ausgebreiteten Festlichkeit von Gedeihen und Verzeihen,
mein Lied ist ein Knurren im Schatten, ein Murren in der Hoffnung, ein scharfes Keuchen vor dem Tag,
und die Tage kommen,
und die Tage kommen und erwarten mich,
erwarten mich mit ihrem leichtfüssigen Puls am Hals,
erhaschen mit ihren sorgfältig ausgebesserten Netzen noch die kleinsten Elritzen meiner Freude im schnell aufsteigenden Pegel der Betriebsamkeit,
mein Lied ist nicht geschäftig,
auf dem Grund meines Liedes glänzen einige Kupfermünzen,
der Schatten des Tores liegt schwer auf meinem Singen,
wie die Hand eines Vaters liegt er noch immer auf meinem Singen,
ruht in den Winter-Schrunden meiner Kehle,
steifer Rahm einer unerklungenen Klage,
mein Lied ist wie die Spur einer Schnecke, im Mittag schnell getrocknet,
die Liebe hat keinen Einsitz genommen in meinem Singen,
sie wandelt dort draussen vor den Pforten der Stadt,
wo die jungen Hirten galantieren,
sie kreist über dem Kidrontal mit ihren ihren spitzen Schreien,
und ich singe für mich in meinem Thronsaal,
weiss nicht mehr, ob ich König bin oder Bettler,
Bettler oder König,
allein am langen Tisch ohne Gefährten,
denn die Gefährten fehlen,
denn die Gefährten fürchten mein keuchendes Singen,
fliehen mein rauchiges, haariges Wort,
singe mit letzter Kraft, pfeifend und eifersüchtig auf die Laute,
die zu den anderen geschlichen.
