Immer auf die Schwachen

Immer auf die Schwachen hast du es abgesehen,
von denen schlachtest du reichlich,
die Schwachen liegen dir gut in den Händen,
schmiegen sich an deine Brust wie die Sehne eines vererbten Bogens,
perlen von deinen Lippen wie ein altgedienter Fluch,
von denen kannst du nie genug bekommen.
Immer wirst du die Starken hüten wie dein eigen Kind,
das du niemals opfern würdest,
immer willst du die Starken für dich behalten,
fährst ihnen mit deiner unerwartet weichen Hand tröstend über die Kehle,
als könntest du keiner Fliege was zuleide tun,
doch die Schwachen werden niedergeschnitten,
doch die Schwachen gibst du den Mühlsteinen,
sollen doch die Esel an ihnen gefallen finden. SELA

Ein Sterben sollte es geben, mein König,
ein Schlagen und Stechen stattfinden,
das nicht genug von denen überleben,
die sich brüsten,
die ihre Herzen aufwerfen wie Wachttürme an Weinbergen,
eine Feindschlingerin, ein Entkerner, eine Entkräfterin,
ein entwurzelter Berg, der sich über die Meisten wälzt,
die denen an die Leiste schnalzt,
die sich für im Kern gerecht halten,
die sich für mit Kraft gesegnet wissen,
eine Gurgel, die denen an die Gurgel spränge,
die noch nicht zittern,
die das Zittern noch nicht erlernt haben,
und ich, König, möchte das Rieseln hören,
das ihre Flüche und Knochen machen,
wenn ich sie den Schweinen vorwärfe. SELA

Gehen nicht die Gebete der Schwachen zu den Starken hinauf,
um sie in die Nase zu zwicken wie die Pollen des Haselbuschs im Frühling,
sinken nicht die Bannsprüche der Starken zu den Schwachen hinab,
um ihre Kehlen mit Russ zu schwärzen? SELA

Ein König, der am Leben bleibt,
ist nicht genug,
ein Starker, der noch atmet,
was hat er je für dich getan?

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