Die Rede des Widders

Ich spreche nicht,
ich sage nichts,
ich harre der Dinge, die da kommen.
Ich bin der, der unter Dornbuschs Schatten Schutz gesucht hat.
Ich bin der, der vor dem Feuer sich gefürchtet hat,
vor dem Feuer, das kommen könnte,
vor dem Feuer, das ist.
Ich stehe auf dem Garizim mit Jotam,
ich stehe auf dem Horeb mit Abraham,
ich stehe mit Mose auf dem Sinai,
meine Hörner glänzen senfgelb im Reich der Blitze und Verdunkelungen,
im Reich der Bilder und Zeichen,
ich höre noch das Säuseln mit Elija, das kein Säuseln war,
ich schüttele meinen Kopf, und der ganze Busch wird zu meinem Kopf.
Ich rede nicht,
ich äussere mich nicht,
ich gebe kein Zeichen, ich bin kein Zeichen,
ich bin weit davon entfernt, vom Wünschen abzustehen,
ich bin kein Unhold, dem das Öl in den Augen brennt,
ich bin kein Plünderer von Feigenbäumen,
die Traube schmeckt mir nicht,
ich habe Abstand genommen vom Aufbegehren,
und solange meine Hörner Manövriermasse der Endzeiten darstellen,
solange werde ich nicht gehorchen können.
Ich kenne nicht die Zedern des Libanon, die lotrecht in den Himmel wachsen,
will die Zedern des Libanon nicht kennen:
ich habe genug vom Herausragen, vom Vorstehen.
Ich werde nicht gehorchen können und ich werde nicht gehorchen müssen.
Ich werde nicht gehören können und ich werde nicht gehören müssen.
Ich habe genug vom Fluchen, das zum Segen wird,
ich habe genug vom Segen, der zum Fluch wird.
Gehorsam, das ist ein Schatten, der umwölkt und brennt,
Gehorsam, das ist die Luft, die dir bleibt, nachdem du etwas gesagt hast, was wohl stimmt, aber das wohl nicht gelten wird,
Gehorsam, das ist die drängende Nähe von Licht inmitten von Schatten,
Gehorsam ist die offene Lüge in der Wahrheit,
Gehorsam ist die Vorhaut der Angst,
ich spreche zu Kräutern und Gräsern und Büschen,
mit meinen Hörnern kannst du kaum denken.

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