Zeitalter der Spinne

Die Fäden sind gespannt,
singen im Wind,
die hauchdünnen Schnüre fädeln sich durch das ganze Land,
sie schnüren kein Gewand,
sie hüllen Personen ein, als lägen sie auf ihrem Leichenbett,
sie rollen Dinge ein, als handele es sich um Geschenke aus Saba,
sie spinnen Tiere ein, als seien sie bereits ausgestorben,
selbst die Zedern im Libanon stehen in ihrem dichten Nebel,
die Sprache wird zu einem undeutlichen Gemümmel,
die Höhle des Noah ist unauffindbar,
der Zwirn beginnt auf den Bergen die Wolken zu befestigen,
er bindet die Laute von Kindern und die Seufzer der Alten in ein Rascheln wie von Laub- oder Blütenfall,
das ganze Land hat zu sirren begonnen,
die eigenen Gedanken sind darin versponnen,
mitten im Tag stolperst du wie im Schnee über Gespinste, die für einen Augenschlag deine Knöchel umwinden und die Haut einritzen,
und im Bücken legen sich die Fäden um deine Kehle,
und ein bestürztes Hecheln entringt sich deinem Hals, als lägest du im Wochenbett,
im ganzen Land, auf Feldern, im Acker, auf Pfaden, in Häusern, in Gassen, an Tischen und in Betten,
beginnen Glieder und Züge zu rucken und zucken,
als finge ein Strippenzieher mit seinem Werk an,
und die Menschen und die Tiere und die Gärten spüren das Schnüren,
das Zupfen und Zeuckeln und das Gezeuch,
kein Wort endet ohne eine Silberspur in die Luft zu legen wie eine Zündschnur,
die Sänger verlieren den Faden ihrer Lieder,
die Tänzerinnen kreischen, als sich ihre Gewänder auflösen,
die Fäden ihrer Kleider tanzen durch den Raum und fahren hinaus durch die Fenster und Türen,
verfangen sich im Garten an Ästen und reissen mit einem metallischen Geräusch,
das ganze Land ein einzig Ohr,
horchend auf den Klang der Saiten,
und wo ist die Spinne,
und wo ist die Spinne?

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