Die Ziegen sind unsere Mütter:
Wo sie koten finden wir den frusten Boden
Wieder und fristen in Staub und Stank
In Abgasen und Steppenwinden
Im Geruch fast verkohlten Fleisches
Und im hellen Schatten voll Zucker und Ameisenbeinen
Unsere erste Karenz: ruhen
Nahe beieinander und kaum zu unterscheiden
Von Mikroplastik und Staubkorn
Bis zum ersten Regenfall: Faruha
Ist unser Kern und Uhuru unser Ziel.
Zusammen wächst du mit mir
Während die Paviane am Strassenrand
Wie Buddhas hocken und ihre Pausbackenärsche verstecken
Und den Wabenzis ihren rosa Rüssel zeigen
Der untätig zwischen ihren Beinen hervorspringt
Springe ich aus dem ersten Gebüsch herauf
Das schnell wachsend verdorrt
Springe auf und beginne meinen Lauf um die Sonne
Strecke meine Arme aus wie jemand
Der zu lange im Kauern verharrte und häute mich
Um mitten in der Steppe die Farbe des Meeres zu bewahren
Um einen feingliedrigen Schattenkreis über Faruha zu ziehen
Einen sonnenlöcherigen Rock für die windhörige Erde –
Gleichen Bodens sind wir
Du und ich
Zusammen wachse ich mit dir
Während an uns vorbei die Menschen
Staub aufwirbeln wie auf der Flucht:
Die Dornen sind ein Schattenhut für mich und
Verdorren unter deinen saugenden Zügen
Halten die Erde zusammen
Durch die auch ich jetzt
Meine Rüssel senke und du
Hältst deine Krempe über meine ersten vollgesogenen Stummel
Die mit leisem Glucksen an deiner Rinde sich reiben –
Ein Krokodil in Liebe mit einer Giraffe –
Und endlich dich erreiche denn Uhuru
Uhuru ist sauer als hätten du und ich
Doch einen andern Grund und du
Schwingst deine messinggrünen Äste
In einem weiten Ring um uns
Denn Faruha ist ausgreifend
Ausladend: und seit der Zeit
Von Agu und Agu wachsen du und ich
Gleichen Bodens sind wir und ich
Durchstosse endlich kratzend und kraulend
Reibend und schabend aus unserem Boden saugend
An unserem Boden saugend wie eine Zecke
Am Ohr eines Löwen: am Ohr
Das den Sternen lauscht
Mitten im blauen Tag
Der nach Nyoma choma riecht und nach Mathare
Nach diesem dunkeln lieben verzweifelten kostbaren Geruch
Über den wir wachsen du und ich
Wie zwei Botschafterinnen
Mitten in der grillendurchstochenen mückenumfuchtelten Nacht
Die klingt wie ein aschestaubender schweissheisser Gong
Jener Nacht gleich in der Faruha
Uhuru zum ersten Mal erreichte
Oder Uhuru Faruha niemand von uns erinnert sich mehr genau
Und wer sind wir auch zu richten:
Durchstosse dein leichtes Gewirr
Das dem Wind dient mit meinen Borsten
Und erreiche bald die Reife für den Flug
Fort von den Leuten mit Ideen
Mit einem Gefühl der Dankbarkeit
Das nach deinen Harztränen schmeckt
Die ich dir entrissen habe:
Gleichen Bodens sind wir
Du und ich und unsere Wurzeln
Sammeln die Gewohnheit des Geldverdienens ein
Die gebrochenen Knochen von Saba Saba
Tom Mbois Blut in den Ngong Wäldern
Mzees Fliegenwedel und das Unbekannte
Das allein die Menschen schreckt
Die Aufrichtigkeit sammeln wir und den Mut
Der wenn er nicht in der Verantwortung wurzelt
Ein Armutszeichen ist und trinken
Von der hochmütigen Trunkenheit des Verzichts.
