Den Vogt erschlagen

Was hast du nur getan, Jonatan?
Was hast du dir dabei nur gedacht, mein Sohn?

«Ich habe den Vogt erschlagen, Vater, den Vogt der Philister.
Beten wollte ich bei der Mazzebbe, Vater,
wollte an den Sprossen Gottes rütteln, Vater,
die in Bet-Awen in die Höhe wachsen,
am Rande der Wüste, am Rande der Weiden,
ich hatte so lange nicht mehr geträumt,
ich hatte so lange schon keine Ruhe mehr gefunden,
unter meinen Männern war ein Gemurmel,
hell und deutlich wie der erste Stein, der sich unterm Schritt des Hirten löst,
bevor der ganze Hang mit Prasseln und Rumpeln in die Tiefe fährt,
in Bet-Awen habe ich gebetet,
tief habe ich meinen Kopf gebeugt,
eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lag meine Kehle dort im Staub,
hustend und fluchend,
und meine Finger zucken und zerren, und meine Füsse scharren und schlagen aus,
und ich konnte nichts sehen, konnte nichts fühlen,
knochentrocken bleiben Auge und Traum,
meine Müdigkeit rieselt durch meine raue Kehle,
rau von den Befehlen und glatt von der Erwartung,
und ich wollte nach Hause,
ich wollte nur nach Hause.»

Doch warum erschlägst du mir den Vogt der Philister, mein Sohn, den Vogt der Philister?

«In Geba kam er mir entgegen, Vater,
mit seinem unterm Kinn geschnürten Federhut,
seine Schultern waren wie die Mauer eines Reichen in Michmas,
und er wusste, wer ich war, Vater,
er grüsste mich mit deinem Namen,
und er befahl mir seine Füsse zu küssen,
und da wurde meine Müdigkeit zur Überstürzung,
und ich griff einen Stein zu seinen Füssen und erhob mich gegen ihn.»

Das hast du gut getan, mein Sohn,
die Kraft Esaus und die Schläue Jakobs ist mir dir,
du hast gut daran getan,
jetzt werden wir erlöst,
jetzt werde ich befreit,
und meine Tage als König sind gezählt.

Hinterlasse einen Kommentar