Da kommt der Mond

Da kommt der Mond,
lange musstest du warten,
lange musstest du dich gedulden,
färbt die Augenblicke der Akazienblätter mit dem Quecksilber des letzten Gerichts,
wagt den Schritt über den Brunnenrand,
noch erglänzt keiner der Lachen zu deinen Füssen,
wie der schwere Abdomen einer Tarantel tritt er in den Zenit,
spinnt er seinen Traumkreis, seinen Zauberkreis,
hängt er seinen Deckel über dein Fluchtgefäss,
und du bist ohne Gott und ohne einen Plan, in dem die Frevler zappeln,
du vertraust längst nicht mehr auf die Wickelsprüche der Ammen und Generäle,
da bewegt sich der Mond, der Stellvertreter,
bewegt sich wie ein Totgestellter,
als fachte der Wind ihn an,
als packte der Wind ihn an,
spinnt in deinen Augen das alte Spiel vom Ergeben und vom Erheben:
Ergebung in deinem Herzen und Erhebung in deinem Herzen,
und du bist nicht länger eine Beute,
du bist nicht länger ein Abdomen voller Eier,
da kommt der Mond wie ein Gespinst aus Seide über deinem Schlupfloch,
und niemand hat dich noch zerdrückt,
niemand hat dich noch zermalmt,
dich und deine Brut,
und der Wind mag dort oben in seinem Säuseln die Geschehnisse auslösen,
der Wind mag dort oben in seinem Pfeifen die Geschehnisse ausbrüten wie eine Gaze auf einer Wunde,
wie die Silberfäden über einer Schürfung,
der nicht Heilung bestimmt ist,
die für die Hitze und für den Eiter bestimmt ist,
lange hast du auf seinen Trost gewartet
auf seinen kühlen, auf seinen blauen Trost,
lange hast du auf deinen Anteil am Frieden gewartet,
der kommt wie der Mond über deinem Loch,
der aushält über deiner Grube,
für einen Augenblick des Trosts in Silber und sandiges huschendes Gold legt,
was wie sein Licht eben erst und längst schon geschehen ist.

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