Aus der Hand dein Tag, deine Stunde, die Augenblicke

Dein Tag ist aus der Hand geraten,
deine Stunden sind wie flüssiges Eisen,
deine Augenblicke umspinnen dich mit drahtigen Sprüngen,
die Gesichter sind wie Schrunden,
die Gedanken ein Wühlmeer voller Mehlwürmer,
nicht das Geringste entgeht mehr deinem durchlöcherten,
deinem fassungslosen Herz,
die Stunden sind wie Scherben an deinen Sohlen,
die Tage sind wie Mühlsteine aus Mondlicht.

Du bist König, du bist König,
doch fasst du nicht die Leere deiner Aufgaben,
doch erkennst du wohl die Fülle deiner Preisgabe,
breit wie Ochsenrücken,
handlich wie Oliven,
und mit hängenden Wangen und losen Mündern versammeln sich die Menschen an deinem Tor,
in dir ein Ohr zu finden für ihre Talente,
in dir eine Hand zu finden für ihre Unfertigkeiten,
dein Tag ist an den Rand geraten,
eine Leichtsal sind deine Stunden,
ein wogender Abtrieb deine Augenblicke,
wildeste Geräumigkeiten eröffnen sich dir in den kleinsten Wörtern,
Schlupfräume und Bruträume,
niemand kann dir helfen, König,
niemand wird dir helfen, König,
da stehen sie still anstarrend, mit ausgerenkten Kiefern,
mit ausgeruhten Kiefern, Konig, oh König, was kannst du da tun?

Deine Hände sind noch geballt im Schlaf,
dein Herz erstickt deine Nieren,
deine Kehle ist überwachsen von den kurzfingrigen Blüten des Kreuzkümmels,
und deine Tage heben und hecken die Vielfalt ihrer Blattschneiden in deine geweiteten Nüstern,
pruste nur, oh König, pruste nur die Hitze deiner Kraft,
atme ein, oh König, atme ein die Nacht-Tröckne ihrer Achseln,
du riechst die süsse Bitternis der Ohnmacht,
du windest deine Hände wie eine Tänzerin in deinem Rücken.

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