Ein guter Freund

Einen guten Freund hatte also Jabesch ennet des Jordans in dir,
            einen guten Freund hat also dein Volk in Adonai,
scheint’s wehrhaft und mild,
            doch hast du nun in deiner Bewährung und Milde einen Freund, mein König?

Deine Kehle wird noch manches Mal sich verengen wie die Augen eines Verwalters bei der Kontrolle von Soll und Haben,
            deine Leber wird noch manches Mal jucken wie die Finger eines aus seinem Tor freundlich grüssenden Nachbarn,
deine Füsse werden noch manches Mal aufstampfen im Grimm über die tauben Menschenherzen wie ein Junge, der seiner Mutter nichts mehr abzuringen vermag,
            wenn eine Frau dir begegnet und deine Sinne reizt,
doch hast du für deine Güte und für deine Fehler schon einen Menschen gefunden,
            mit dem du zusammen ihren Honig leckst?

Ein guter Freund, mein König, ist eine Kehle, die sich öffnet wie die Ebene Jesreel,
            und in der Ferne grünt das Meer,
ein guter Freund, mein König, das ist wie die Niere, die in dir hüpft wie die Kälber auf dem Baschan im Frühling,
            ein guter Freund, mein König, das ist wie ein Fuss, der leicht durch den Morgentau geht,
und niemand rechnet,
            niemand will in Trotz und Trug aufstampfen gegen die untrügliche Trägheit der Menschenherzen,
denn dieses eine Menschenherz, langsam schlägt es für dich,
            aus tiefer Brust kommt der Atem warm und süss durch seine Kehle,
und der Fuss ist feucht vom selben Tau,
            und sei’s auch der Tau einer Schweinesuhle ob dem Binnenmeer,
und sei’s auch der Tau am Eingang der Höhle von En-Gedi,
            ein guter Freund ist einen Kampf
und das Aufschlagen deines Kopfs zu seinen wartenden Füssen wert.

Hinterlasse einen Kommentar