Ein alter Mann aus Gibea erzählt

Ich habe Saul gesehen auf seinem Weg in den Krieg.
            Gross war er wie ein Pfahl auf der Anhöhe Garizim.
Seine Schritte waren wie das Schleichen eines Löwen im Morgengrauen.
            Sein Gesicht trug den hohen Helm Gideons.
Wenn er redete, flogen seine Hände wie Tauben.
            Wenn er wartete, sanken seine Schultern bis zu seinem Kinn vor.
In seinen Augen hinter all dem Glanz habe ich keine Furcht gesehen und keine Wut.
            Alle Kinder haben in umringt,
die Kleinen haben seine eisernen Schienbeine berührt,
            die Grösseren wie ich seine ausladenden Hüften, von denen ein Schwer hing,
ein Schwert wie Adonais Stimme.
            Ich habe gesehen, wie er sich auf der Schwelle der Stadt bückte und sich Sand über Kopf und Achsel streute.
In seinen Augen hinter all dem Schein habe ich das Licht verschwinden gesehen.
            Seine Stimme, als er die Männer musterte, war heiser und leise,
und aus der Ferne klangen die Rufe der Männer wie das Blöken von Schafen.
            Die Mütter hatten uns verboten, vor die Stadt zu gehen.
Es war mehr als Mittag, als die Männer alle beisammen waren.
            Den ganzen Morgen über hatte Saul ihre Hände geschüttelt.
Es waren vorsichtig ausgestreckte Hände gewesen,
            Hände wie die Zungen von Vögeln,
nicht wie die Hände der Männer aus Gad,
            denen Sauls Haus Obdach geboten hatte.
Jene Hände waren wie die Zungen von Hunden gewesen.
            Ich war damals noch ein Kind,
und ich spüre noch die Hand Sauls auf meinem Haar,
            sie war leicht und langsam.
Ich habe ihn damals geliebt und liebe ihn heute.
            Als sie aufbrachen, war er inmitten der Männer
Wie eine Wolke vor dem frühen Mond im Osten.

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