Da ist er nun, ein Brief aus Fleisch,
und ich hatte gedacht,
ich hatte mich irrigerweise im Denken gewiegt,
aus Benjamin sei mehr zu erwarten als blutige Argumente
in der Hitze des Tages haben sich schon Maden gebildet wie weisse Vokale in der dunkelroten Schrift,
und der Brief liegt zu meinen Füssen,
der ich nichts ahnend vor meinem Tor sass,
der ich unbeteiligt im Schatten meiner Schwelle ruhte,
und die Fliegen umsummen silbern den blutigen Brocken vom Hals eines gut genährten Rindes,
das vielleicht sogar einen Namen trug;
das wird nur wieder ein Gemetzel zur Folge haben,
das wieder weder etwas ändert noch etwas löst,
denn wer hat schon davon gehört,
dass aus eingeschlagenen Köpfen eine tapfere Entschlossenheit zur Güte sickert,
denn wer hat das schon einmal gehört,
dass aus Verletzungen Gesundung kommt,
aus einer Schmach der Stolz,
aus einer Erniedrigung die Ermutigung,
doch hier ist er nun, der blau dunkelnde Schatten eines Mordes,
von einem Kind überbracht,
von einem lachenden Kind aus Benjamin,
mit diesem Lachen eines Auftrags in den dunkeln Augen,
mit diesem Keuchen der eigenen Bedeutung in der Kehle,
eine Botschaft aus Fleisch,
um wieder meine Söhne zu rufen
zu einer Rettung, die Vergällung heisst,
zu einer Aussetzung von Leiden,
die zu einer Fortsetzung von Leiden führt,
meine Söhne zu beteiligen an der vermeintlichen Lichtung des Dorngestrüpps,
und in ihrem Rücken hebt sich schon der erste fette Finger einer Aloe aus dem sandigen Land,
der auch bald gebrochen seine bittere Milch des Trostes in deine Kehlen giessen wird,
ich klage über die Enge des Landes, mich jammert die Enge der Kehlen,
und ich hebe den Klumpen auf und trage ihn zu meinen schreienden Frauen.
