Erzähle mir davon, Ruben

Erzähle mir davon, Ruben,
            spricht mir davon, was nicht über deine Lippen will
rede mir davon, wogegen sich dein Herz sperrt,
            berichte davon, was geschieht entgegen dem, was vorzustellen ist,
was geschieht, und niemand greift helfend ein,
            was ohne Ausweg und ohne Ausflucht geschieht,
erzähle mir davon, Ruben,
            wie dir die Rede verdorrt im Mund wie eine gefallene,
wie eine angebissene Frucht in der Sonne.
            Keiner deiner Brüder hat je die Rede versucht,
einsilbig waren sie bis auf Josef,
            der hinter die Vorstellung schaute, als einziger dahinter äugte,
unablässig und gebannt darauf starrte wie auf einen immer wechselnden Fluss,
            der dem Land und dem Erbe entwöhnt war,
erzähle mir von den stummen Gesellen,
            die schwiegen, wenn geschah, was wieder unabweislich geworden war,
die schwiegen zu dem, was geschehen musste wider besseres Wissen,
            die schluckten und duckten, buckelten und murrten mit ihren Händen im Schoss,
die etwas im Feld, im Hang oder an der Strasse zu tun hatten, bei den Lämmern oder bei den Frauen,
            und die Frauen Vieh, Ruben,
und die Frauen Vieh, Ruben,
            erzähle mir davon, wie dein Herz schlägt entgegen dem, was immer kommt,
der Männer letzter Weisheitsschluss, der immer kommt wie bei Judas Sohn Onan,
            und sprich mir auch von Gad, dem Stilleren,
der hoch in den wüsten Bergen seinen Horst gewunden hat,
            seine Hände windet, seine Hände windet,
um von dort über den Fluss zu äugen,
            mit stetem Wunsch und hauchender Gier zu den Rahels hinüberzustarren,
in stummer Verblüffung immer noch darüber, was geschieht ohne Gegensteuer und ohne Umkehr,
            was nicht auszusprechen ist und nicht von der Hand zu weisen,
weil dein Herz sich dagegen sperrt und deine Hand bereits ausgestreckt,
            und Esaus Atem aus dem Süden dir trocken und heiser im Nacken liegt,
erzähle mir davon, was du nicht sagen kannst,
            weil niemand es noch gesagt hat, weil niemand es von dir zu sagen verlangt,
was aber deine Stirne umwölkt
            und deine Nieren beben lässt wie der Karmel in Erwartung von Gottes Gang durch das Land zittert,
und auch die Zedern möchte zuvor ihre Nadeln noch scheiden wie deine und deiner Brüder Frauen ihre Haare raufen darob.

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