Lange ist es her, als es hiess: es ist Platz genug im Land,
als es hiess: ich liebe dieses Mädchen,
dieses Mädchen ist anders als die Mädchen in Sichem,
und Jakob tat, was immer er tat, wenn zu entscheiden war: zaudern und warten.
Sie war doch seine einzige Tochter!
Sie war doch sein Augenlicht!
Hatte sie nicht einen Platz in seinem wolligen Herz,
das so lange her schon Erwägungen und Fragen trug?
Sie war doch mehr wert als das Dutzend Söhne,
die sich was einbildeten auf ihre beschnittenen Schwänze!
Sie muss das kostbarste Gut in seinen Augen gewesen sein,
und er konnte doch nicht die Ohren verschliessen vor dem Ruf:
«Es ist Platz genug im Land»,
«nach allen Seiten hat das Land genug Platz»,
doch für solche Angelegenheiten hatte er ja seine Sohnesbrut.
Erinnere dich, jüngster Jakobs, Benjamin:
Wie waren die Hiwiter dazu bereit,
dich bei sich wohnen zu lassen,
deine Reise war durch die ganze Welt gegangen,
und immer noch hattest du keinen Platz gefunden,
wo du dein Kopftuch ablegen konntest,
deine Frauen hatten noch keinen Platz gefunden,
wo sei ihr Haar ausbreiten konnten,
und Sichem nahm sich deine einzige Tochter,
die ihr Haar noch unbedeckt tragen durfte,
und Sichem nahm sich deine einzige Tochter,
die noch nicht lange her singend und wackelnd auf deiner Schulter geritten hatte,
er nahm sie und tat ihr Unaussprechliches an,
das dich noch heute an deinem Platz mitten im Land erstarren lässt,
und als du davon hörtest, was tatest du da?
Hat Gott die Frau nicht genauso zu seinem Ebenbild geschaffen,
hat Gott nicht der Frau diesen Platz mit Recht auch zugeteilt,
denn da war so viel Platz, genug Platz war da an deiner Seite,
an ihrer Seite, an Gottes Seite,
hat Gott nicht gewollt, du sollst hüten statt herrschen,
aber lange ist es her, jüngster Jakobs,
lange ist es her, als es hiess: es ist doch Platz genug im Land,
und ein Hiwiter mit einem Gesicht wie du,
aus einem kleinen Volk wie du in einem weiten Land,
deine einzige Tochter nahm und tat ihr Unaussprechliches an!
