Wo ist Saul?

Bei den Eseln hielt er sich versteckt,
            dort habe ich ihn gefunden, den Sohn Kischs,
Stroh im Haar und Mist im Gesicht,
            so tauchte er auf aus dem Schnauben und aus dem dunkeln Geschiebe von Tierleiben,
und er richtete sich vor meinen Augen auf,
            und er war so gross, so lang wie breit,
und in seinem Antlitz redete die Scham,
            und in seinem Atem stockte das Begreifen.

Aber wer konnte das schon begreifen,
            wer konnte das schon verstehen,
wie das Los auf diesen Jungen fiel,
            der im Stocken wohnt wie andere im Hecheln,
der die Hände hält wie ein Kind, das seiner Mutter den Rocken hält,
            in seinem Gesicht verstummte das Lächeln wie Stockmilch,
und er trat aus dem dunkeln Fauchen und aus den feuchten Schnauzen hervor,
            mit gesenktem Kopf stand er da vor mir,
die Tränenstränge glänzten in seinem Gesicht,
            zogen über sein Gesicht wie morgens auf unseren Gassen die Schneckenspuren,
in seinen warmen Augen ringelten sich trockene Regenwürmer,
            und er war so gross, wie eine Dattelpalme war er hoch,
wie eine Dattelpalme, die sich für eine Feige gehalten hat.

Aber wie konnte ich ihm denn helfen,
            der ich ihn aus dem scheuen Prusten des Stalls in das aufgebrachte Prusten der Volksversammlung geholt habe,
ich fühlte mich wie Abraham am Berge Morijah,
            der sein Lämmchen opfert,
und der Sohn Kischs hielt immer noch die Hände vor dem Bauch wie ein Mädchen, das den
Spinnrocken hält,
             fast wie einen Gefangenen führt ich ihn in die stinkende Runde der Männer an jenem Tag.

Wenn ich ihn auch gefunden habe, bereue ich das noch heute jeden Tag und jede Nacht,
            bei den Eseln hielt er sich versteckt,
und ich pflückte ihm das Stroh aus dem Haar und wusch sein weiches helles Gesicht,
            er stand wie ein Esel, der auf seine Last wartet,
den Kopf gesenkt in Erwartung von Sattel und Last,
            und er war so gross und schön wie die Haut des Granatapfels,
und er war so gross und seine Augen wie das Fleisch der Feigen.

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