Wie Miriams Lied

Soll er uns nicht tüchtig machen,
            deine Hand für meine Hand bereit;
soll er uns nicht geschmeidig machen,
            dein Ohr für mein Wort und mein Ohr für dein Wort bereit;
soll er uns nicht gefügig machen,
            mein Fürchten in dein Fruchten und dein Fürchten in mein Fruchten wandeln;
soll er uns nicht heilig machen,
            deine Kehle für meine Zunge bereit?

SELA

Ein Mann wird es sein, aber ein Mann soll es sein,
            unter dessen Füssen der Lockenkopf der Flockenblume in der Farbe der Treue sich wiegt,
zwischen dessen Zehen die Dill-Stiele in die Höhe schiessen mit ihren Dolden wie die weiten
vielfiedrigen und vielfriedigen Arme der Güte;
            ein Mann aufrecht wie der Stab eines Hirten in der Mittagssonne,
unter dessen Ginsterbuschbrauen die Augen funkeln wie Miriams Lied,
            dessen Lippen wie Schultern sind, an denen es sich auszuruhen lohnt,
von keinem Joch je noch aufgeraut, von keiner Gier noch zuckend;
            ein Mann, dem Keule und Schwert abhold,
der leise auftritt wie ein trippelndes Kind;
            ein Mann, der nicht von Frieden spricht,
indem er die Fäuste ballt und die Stimme erhebt.

Soll er nicht uns anleiten dann,
            wenn unsere Liebe versiegt unter dem Atem der Feinde;
soll er nicht uns erweichen dann,
            wenn wir die Flüchtenden betrachten wie die Mäuse in unserem Hirsespeicher;
soll er nicht uns sammeln wie den wilden Hafer?

Wie sehne ich mich nach dieser Brust,
breit genug für diese Schlucht zwischen dir und mir;
wie fürchte ich mich vor diesen Händen wie Schaufeln,
            die vorsichtig und ohne Eifer mich auf den Berg tragen, in die wilde Heide,
weit vom Kriegslärm entfernt,
            wo ich mit ihm sprechen werde wie ein Mensch;
wie fürchte ich diesen Kuss zwischen Frieden und Gerechtigkeit,
           in dem ein anderes Leben aufsingt.

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