Bist du das, Saul?
Bist du das noch?
Lass dich anschauen,
ich sehe dich, ich sehe dich gut,
was ist dir nur wieder passiert,
ich sehe es genau,
deine Hände zittern ja, mein Sohn,
aber Gott wird dich doch nicht verlassen haben?
Ach du mein Kind, was ist denn nur mit deinen Augen geschehen?
Sie schauen so trüb,
sie blinzeln fast nicht,
und warum knirscht du denn so mit deinen Zähnen?
Die Eselinnen sind gefunden, sind gefunden,
ja, denke doch nicht mehr daran, mein Liebster,
was habe ich nur getan,
dich so weit fortzuschicken,
du bist doch nicht etwa dem alten Propheten begegnet,
der in Benjamin uns alle Söhne verderben will?
Lass dich umarmen, Saul mein Sohn,
aber du bebst ja am ganzen Körper,
als hätte jemand dir die Nieren verdreht!
Was habe ich dich nur die Eselinnen suchen geschickt,
bist du mir nicht teurer als alle Geschöpfe unter Gottes weitem Antlitz,
du mein Sohn mit den scheuen Augen,
was ist nur in dich gefahren?
Ich sehe dich, ich sehe dich gut,
auch deine Stimme klingt wie früher,
immer noch sprichst du langsam und mit grossen Pausen,
als wögest du jedes Wort in deinem weiten Herzen,
aber lass dich doch anschauen,
weshalb entwindest du dich mir denn schon wieder, kaum habe ich meine Kälte an deine Wärme gedrückt,
habe ich dich nicht vermisst und mir Sorgen gemacht um dich,
als wäre ich deine Mutter?
So habe ich mir vorgestellt,
du seist in einem Felsenspalt gefangen,
du seist den Philistern – Gott strafe sie für alles, was sie uns antun! – in die Hände gefallen,
denn noch gestern haben sie uns einen Garten zertrampelt und abgebrannt,
aber nein, da bist du, Saul, nicht wahr,
bist du es auch wirklich,
du siehst noch grösser aus als vorher,
aber du siehst noch furchtsamer aus als vorher,
aber ich sage dir,
tue nur, wozu es dich drängt,
Gott wird dir beistehen,
und um die Eselinnen mach dir keine Sorgen mehr.
