Wenn ich euch höre, schnaube ich;
Wenn ich euch sehe, verengt sich meine Kehle;
Wenn ich eure Herzen betrachte, geben meine Knie unter mir nach;
Wenn ich die Lebern eurer Frauen unter meinen Fingern hin- und herwende, schrecken mich die Folgen ihrer Freude,
die schwer wie ein zu weit gerollter Gebirgskamm in ihnen hockt.
SELA
Jetzt noch ist der Herr euer König,
mit scharfem Auge späht er in euren Herzen nach Anzeichen von Übermut und Torheit,
jetzt noch kann der Herr euren Augen das wilde Leuchten nehmen,
jetzt wieder weilt er in Mizpa unter euch und reckt seine Hörner wie ein Stier vom Baschan über die Feinde ebenso wie die Freunde aus,
jetzt noch kann der Herr die Armut eures Volkes in einem einzigen Donner wenden,
den Jordan zum Euphrat machen,
doch habt ihr ihn schon lange von euren Zungen verbannt,
von euren Lippen habt ihr ihn gewischt wie Kinder den Kuss ihrer Mutter von der Wange wischen in stolzem Ekel,
und ich weissage euch mit stechenden Nieren,
mit Nieren, die ins Dorngebüsch geworfen worden sind, in dem das Feuer sie verzehren wird,
weissage ich euch vom Gräuel der Herrschaft des Menschen über den Menschen,
vom Grausen eines Königs, der euch versklaven wird für seine Sache,
der euch verdingen wird für Dinge, die nicht im Sinne eines Menschen liegen,
doch dann wird der Herr sein Antlitz abgewandt haben,
dann werdet ihr zum Herrn schreien, aber er wird euch nicht helfen,
und eure Herzen werden verdorren wie ein Beet ohne Wasser,
eure Kehlen werden versiegen wie die Bergbäche im Sommer,
und die Schwere eurer Lebern wird zu leicht sein für das Grauen eurer Tage,
wenn ihr auf der offenen Strasse nicht mehr verweilen dürft,
und das Aufschrecken in den Nächten, wenn ein unbekannter Knöchel an eure Türen schlägt,
zu leicht werden sie sein,
wie Säcke von Mehl werden sie zerrissen und ausgeschüttet in den Strassen liegen,
aber der Herr wird euch nicht helfen.
