Lobpreisung Jabeschs

Trocken-Ort, dich preise ich, hoch über dem Jordan,
            deine Kehle atmet die Luft der Wüste,
die steigende Luft der vom Wind ausgewaschenen Gebirgstäler,
            deine Brunnen sind tief wie die Mutterliebe deiner Frauen,
du hast noch nie genug gehabt,
            wie sehr giert deine Kehle nach der Fülle des Lebens,
nach dem trostvollen Schatten eines Wäldchens,
            das an deinem Berg lecken möchte wie ein Kitzlein am salzigen Stein,
ich preise dich mit der ausgedörrten Kraft meiner Leber, Jabesch,
            Jabesch, trügerische Tröckne, mein Hals öffnet sich weit wie die Ebene von Jesreel,
mein Herz blaut wie das galiläische Meer im grünen Gesicht Naftalis,
            und Rubens Schoss, Rubens zaudernder, nachdenklicher Schoss sehnt sich nach dir,
die du atmest in der Dürre,
            die du trauerst um deine Mädchen,
von deinen eigenen Brüdern entführt und zum Rimmon-Felsen den Witwern Benjamins zum Frass vorgeworfen,
            dein Mittag ist seit damals, als der König mit glühendem Geist von dir hörte,
deinen Hilferuf vernahm er über den träge fliessenden Jordan hinweg,
            eine Zeit des Jubels und der Gnade,
und dein Totenacker ist an in der Hitze blühenden Steinen nicht arm,
            dein Totenhügel wächst in den staubigen Himmel an deiner Seite,
höher als deine Tore erhebt sich das Land,
            wo deine Toten warten, Bein an Bein, Schulter an Schulter, Becken an Becken,
bis der Gesalbte sie rufen wird, Zeugnis abzulegen gegen die angeschwollenen Kehlen der Frevler,
            das übervolle Auge in die Waagschale wirfst für die Töchter und Söhne du der gering Gemachten,
Jabesch, Mutter der Wüste, du Schoss von Gilead,
            dich lobe ich mit breiter Kehle,
ich preise dich mit einem Mund wie das Stadttor,  
            wo die Bettler und Versehrten Schutz und Schatten finden,
dankbar will ich immer an dich denken.

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