Holbeinplatz 2

Bin wieder hier und erfahre
Wie es für die Spatzen ist
Oder sein könnte: wenn du davon ausgehst
Dass den Spatzen am Gesang etwas liegt
So wie dir am Gedicht: für sie
Ihre Stimmen zu hören ähnlich ist
Wie für dich – wieder hier mit dem Dennersack jetzt als
Requisit und ausgetrunkenen Bierdosen –
Es regnet tröpfchenweise und ist kühler geworden
Und die Bäume sind gut gegen den Regen
Ihre Tonsuren nur noch braune fast graue Büschel
Weinberglauch reckt sich noch grün am rechten Ahorn
Du hast die Worte deines Gedichts verstreut auf dem Platz
Aber wie immer bleiben nur Kinder stehen
Hinterhergezerrt von Vater oder Mutter
Um die weissen wortfleckigen Zettel zu betrachten
Und immer wird es plötzlich still
Als habe jemand eine Glasglocke über den Platz gestülpt
Und du kannst den Regen hören und die Schwächen deines Gedichts und das Klappern eines Fahrrads
Selbst hast du einen heissen Kopf vom Tagesstress
Aber der Platz gehört jetzt dir und deinen Worten darauf
Und selbst der Held deines Gedichts taucht am Schluss noch auf
Mit seinem Dennersack und seinem Bierbach
Setzt sich schwer auf die andere freie Bank und mimt eingeübte
Ausdruckslosigkeit: sein sonnenbraunes Gesicht gleicht fast einem der ockerfarbenen Steinchen hier auf dem Platz
Seine Lippen kauen an Gedanken
Und ich denke während der fünfte Alte mit seinem Hund den Platz bespritzen kommt
Hier sein ist so selten – und vielleicht müsste es heissen
Hier ist so selten – denn niemand ist
Da ausser der Held und ich
Kann wirklich nicht sagen
Wie schwer es ist
Diese Leidenschaft auszuhalten
Die niemand teilt.

Hinterlasse einen Kommentar